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Das Geheimnis liegt in der Schrumpfungsmaschine

erstellt am 16.11.2009 um 20:36 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:46 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Rauten auf der Karte sind rot. Plötzlich sind sie grün. Dann wieder rot. Jetzt verschiebt sich das Muster. Was ist da los? Zauberei, Magie oder Hokuspokus? Die große Spielkarte, die Zauberkünstler Nils Bennett in der Hand hält, scheint sich auf magische Weise zu verändern. Die Zuschauer reiben sich verdutzt die Augen. Dieser und ähnlich verblüffende Tricks sind Teil der Galanacht der Illusionen, die am Sonntagabend in der Ingolstädter Fronte 79 stattfand.
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Feuer entfacht der Geschichtenerzähler Siebensinn, einer der besten Zauberer der Welt.
"Es passieren Dinge, die eigentlich nicht passieren dürften", warnt Moderator und Künstler Thomas Vité schon zu Beginn, "also lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf." Unerklärliches geschieht zur Genüge während der Galanacht, die der Höhepunkt der 13. Ingolstädter Zaubertage ist: Spielzeug erwacht zum Leben, zerschnittene Seilstücke wachsen wieder zusammen, und verschwundene Bilder tauchen plötzlich woanders auf. Insgesamt sieben Künstler verzaubern das Publikum, das aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt.

Der Spuk beginnt schon an der Tür. Für drei Euro kann der Zaubernachwuchs bereits am Eingang zur Fronte Taschenspielertricks aus Plastikspielzeug kaufen. Dabei zählt beim Zaubern nicht nur das Zubehör, sondern vor allem die Übung, wie der Organisator der Zaubertage Sven Catello weiß. Die richtigen Profis auf der Bühne brauchen meist nur einfache Requisiten, um Erstaunliches zu zeigen. Während Nils Bennett blau- und rosafarben Bälle und Spielkarten wie aus dem Nichts auftauchen und verschwinden lässt, genügt dem erst 23-jährigen Zauberer Wave ein magisches Schachbrett, um das Publikum in Staunen zu versetzen.

Besonders Moderator Thomas Vité schafft es, magische Stimmung zu erzeugen. Wie zufällig lässt er ein rotes Tuch in seiner Handfläche verschwinden und wieder auftauchen. Das Publikum reckt die Köpfe, um das Unerklärliche irgendwie besser verstehen zu können. Als Vité Anstalten macht, das Geheimnis seines Seiltricks zu lüften, holt er sich den jungen Tobias aus dem Publikum auf die Bühne. Der muss ein Bündel zerschnittener Seile in seinen Handflächen ganz fest zusammen drücken und schütteln – und tatsächlich ist danach das Seil wieder ganz. Die Erklärung für den Trick bleibt der Magier aber schuldig.

"Ich überlege die ganze Zeit, wie das gehen kann", sagt der elfjährige Jakob Danninger mit gerunzelter Stirn. Er hat sich daheim schon Kartentricks im Internet angeschaut, aber diese Zaubereien kann er sich nicht so einfach erklären: Zum Beispiel wie es sein kann, dass das "Puzzle des Lebens" des Magiers Siebensinn auch noch zusammenpasst, nachdem Puzzlestücke hinzugefügt wurden. "Man denkt ja, bei so einer Show könnte man die Zaubertricks eher entlarven als im Fernsehen, aber ich habe trotzdem nichts erkannt", erzählt auch Zuschauerin Maria Wolff. Darüber ist die Hepbergerin aber auch ganz froh, denn sonst "wäre ja der ganze Zauber weg". Lachend fügt sie hinzu: "Ich bin ganz verzaubert von der Show".

Mit Manipulation und magischer Geschicklichkeit geht es weiter. Gastgeber Sven Catello führt das Publikum mit einer optischen Täuschung in die Irre. 30 Sekunden lang sollen die Zuschauer in die Mitte einer rotierenden, schwarz-weißen Spirale schauen. Wer dann blitzschnell in das Gesicht des Magiers blickt, sieht mit Erstaunen, wie sich dessen Kopf wie ein Luftballon aufbläht. Da klappt so manchen im Publikum die Kinnlade herunter. Zauberei sei doch ganz einfach, ruft Moderator Thomas Vité: "Wir tun so, als könnten wir zaubern, und Sie tun so, als würden Sie es glauben."

Catello hat für seine Galanacht Künstler von Rang und Namen eingeladen. Bei den Zauberweltmeisterschaften in China im Juni dieses Jahres hat er den Geschichtenerzähler Siebensinn aus Gauting kennengelernt, der seine Magie in schaurig-schöne Geschichten verpackt. Dafür erhielt er in China den dritten Platz bei der Zauberweltmeisterschaft, beim Galaabend erntet er begeisterten Applaus. Auch Simon Pierro, der aus Fernsehshows bekannt ist, gehört als Vizeweltmeister in seiner Kategorie zu den erfolgreichsten deutschen Zauberkünstlern.

Zum Finale kommt Pierro auf die Bühne gestürmt. Er ist an diesem Abend der Mann für die großen Illusionen. Aus einem gelben Paket, das er eben noch ohne Mühe angehoben hat, springt plötzlich ein Mensch im Affenkostüm. Der Affe tanzt wild über die Bühne, während Pierro vermeintlich selber staunend daneben steht. Nun verrät er das ganz große Geheimnis, wie Zauberer es schaffen, Dinge und Menschen verschwinden zu lassen: "Sie können einfach alles ganz klitzeklein schrumpfen", behauptet Pierro.

Zum Beweis steigt er in seine selbst gebastelte "Schrumpfungsmaschine" und nimmt den begeisterten Applaus des Publikums als 50-Zentimeter-Wicht entgegen. Das mit dem Schrumpfen muss also irgendwie stimmen.

Von Jessica Schober
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