Samstag, 22. September 2018
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Nach Schlägerei am Westpark Täter weiter unbekannt - Diskussion in den sozialen Medien entbrannt

Zwölf Beteiligte, zwei Meinungen

Ingolstadt
erstellt am 16.08.2018 um 20:20 Uhr
aktualisiert am 20.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Nach einer Schlägerei Montagnacht am Westpark sucht die Polizei noch nach den Tätern. Nachdem die Beamten am Mittwoch einen Zeugenaufruf veröffentlicht hatten, entbrannte online eine Diskussion über die Geschehnisse - an der sich auch die mutmaßlichen Opfer und ihre Angehörigen beteiligten.
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Nachdem der DONAUKURIER den Zeugenaufruf der Polizei auf Facebook gepostet hatte, entbrannte in den Kommentaren eine Diskussion um die Geschehnisse und um die Täter.
Nachdem der DONAUKURIER den Zeugenaufruf der Polizei auf Facebook gepostet hatte, entbrannte in den Kommentaren eine Diskussion um die Geschehnisse und um die Täter.
Foto: Hammer
Ingolstadt
Was war geschehen? Laut Polizeibericht hielten sich am frühen Dienstagmorgen gegen 2.50 Uhr zwei verschiedene Gruppen im Erdgeschoss des Parkdecks am Westpark auf. Die eine bestand laut den Beamten aus einem 19-Jährigen mit sechs Bekannten. In 15 Meter Entfernung hielt sich eine zweite Gesellschaft mit vier Männern und einer Frau auf.

Aus bis jetzt unbekannten Gründen, erklären die Polizisten, stiegen dann die Mitglieder der zweiten Gruppe in ihr Auto - einen silbernen Peugeot - und hielten damit auf die andere Gruppe zu. Dann stiegen die Insassen aus und prügelten laut den Beamten völlig unvermittelt auf Mitglieder der Sieben-Personen-Gruppe ein. Ein 19-Jähriger wurde mit Faustschlägen und Fußtritten traktiert, sodass er Prellungen erlitt und anschließend über Rückenschmerzen klagte. Ein anderer Mann schlug einer 27-Jährigen mit der Faust ins Gesicht, sodass ein Auge der Frau anschwoll. Eine 18-Jährige wurde darüber hinaus angespuckt. Im Anschluss setzten sich die mutmaßlichen Täter laut den Beamten wieder ins Auto und fuhren davon.

Die sofort eingeleitete Fahndung brachte bisher kein Ergebnis. Laut Polizei handelt es sich bei den mutmaßlichen Tätern um vier Männer, die jugendlich aussehen, eine schlanke Statur haben und akzentfrei Deutsch sprechen. Drei von ihnen seien fast zwei Meter groß, einer etwa 1,75. Die Begleiterin hatte dunkle Haare.

Diese Beschreibung ist nur einer der Punkte, wegen dem am Mittwoch in den sozialen Medien eine Diskussion entbrannte. Zuvor hatte eine Frau - offensichtlich die Mutter zweier mutmaßlicher Opfer - in einer Ingolstädter Facebook-Gruppe die Erlebnisse ihres Sohnes und ihrer Tochter in dieser Nacht beschrieben. Dazu stellte sie ein Bild, das das Auto der mutmaßlichen Täter zeigen soll. Darauf ist ein Nummernschild, aber keine Person deutlich erkennbar. Die Frau schreibt weiter von vier dunkelhäutigen Angreifern - während die Polizei zu der Täterbeschreibung weiterhin nichts hinzufügen möchte.

Außerdem unterscheiden sich die Ausführungen der Frau auch bezüglich des Tathergangs in Teilen vom Polizeibericht. So erklärt die Mutter zum Beispiel, dass die Schlägerei ihren Anfang nahm, als die Täter ein junges Mädchen anpöbelten und angriffen und ihr daraufhin ihre Begleiter - darunter auch der Bruder des Opfers - zur Hilfe kamen.

Von anderen Nutzern in den Kommentarspalten auf die Unterschiede der beiden Darstellungen angesprochen, bekräftigte die Mutter ihre Sicht der Dinge und erwähnte außerdem, dass auf ihren Post hin mit Hilfe der anderen Nutzer die Identität der Täter mittlerweile bekannt sei - und sie diese an die Beamten weitergegeben hätte. Die wiederum berichten auch am Donnerstag, dass die Täter weiter unbekannt seien. Außerdem liege immer noch im Dunkeln, aus welchem Grund die vermeintlichen Täter auf die Gruppe losgingen. Die Beteiligten hätten sich wohl vorher nicht gekannt. Eventuelle Zeugen bittet die Polizei, sich unter der Telefonnummer (0841) 93432222 zu melden.
 

"Facebook ist nicht die Polizei"

Inspektionsvize Matthias Schäfer über die Rolle des Internets in der Ermittlungsarbeit
Zeugenaussagen in Kommentaren oder Opfer, die online vermeintliche Täter beim Namen nennen: All das macht die Ermittlungsarbeit der Polizei nach Straftaten nicht leichter.
 Matthias Schäfer
Cornelia Hammer
Ingolstadt
Obwohl die Beamten Informationen aus den sozialen Medien mittlerweile auch für ihre Erkenntnisse nutzen - "solche Vorgänge erschweren uns die Arbeit", sagt der stellvertretende Leiter der Ingolstädter Polizeiinspektion, Matthias Schäfer.

Denn Informationen, die über das Internet verbreitet werden, sind dann für alle einsehbar. Damit können sie eventuelle Zeugen erreichen. "Das beeinflusst die Wahrnehmung", sagt Schäfer, "und der Zeuge vermischt bei der Vernehmung einige Tage später vielleicht das Gelesene mit dem Erlebten. Das kann auch unterbewusst und unabsichtlich passieren. "

Darüber hinaus warnt Schäfer auch davor, dass auch Facebook kein straffreier Raum ist, auch "wenn das manche nicht auf dem Schirm haben". Wenn ein Nutzer einen anderen Menschen als Täter bezichtigt - zum Beispiel, indem er ein Bild postet -, sich das aber als Unterstellung entpuppt, ist schnell der Tatbestand einer Verleumdung erfüllt. Auch im aktuellen Fall werde derzeit geprüft, ob einige der Kommentare die Tatbestandsmerkmale einer Straftat erfüllen, so Schäfer.

"Wenn man sich einige mögliche Probleme ersparen will", sagt der Polizist deshalb, "sollte nach einem solchen Vorfall ganz normal zur Polizei gehen. " Bis Juli diesen Jahres wurden laut Polizei im Nachtleben in Ingolstadt 82 Fälle von Körperverletzung gemeldet. Wer sich nach so einem Vorfall den Beamten anvertraut, könne - anders als online - auf den Datenschutz vertrauen. "Außerdem macht es die Sache nicht besser oder die Aufklärung schneller, wenn ich so etwas online stelle", sagt Schäfer. "Facebook ist nicht die Polizei", betont er.

Nichtsdestotrotz haben die Beamten die Facebook-Kommentarspalten mittlerweile auch deshalb in Sicht, weil dort eventuell verwertbare Informationen gepostet werden - beispielsweise melden sich so von Zeit zu Zeit Zeugen. Im Falle der Schlägerei am Westpark wird nach dem geposteten Bild des Autokennzeichens nun "ermittelt, wie das Fahrzeug zum Fall dazugehört", wie Schäfer sagt.

 
Sophie Schmidt
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