Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Ministerin Ilse Aigner macht sich in Gaimersheim ein Bild vom neuen Abbiege-Assistenten für Lkw

"Diese Technik rettet Leben"

Gaimersheim
erstellt am 10.10.2018 um 15:58 Uhr
aktualisiert am 14.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Gaimersheim (DK) Die Ministerin zeigte sich beeindruckt: "Diese Technik rettet Leben", sagte Ilse Aigner, als ihr am Mittwoch bei Edeka Südbayern in Gaimersheim der selbst entwickelte Abbiege-Assistent für Lkw vorgestellt wurde. Sie forderte eine flächendeckende Ausrüstung von Lastwagen mit Kameras und Bildschirmen, um den toten Winkel zu überwachen und damit die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern zu erhöhen.
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Lkw-Abbiegeassistent
"Diese Technik rettet Leben", ist Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner überzeugt.
Stefan Eberl
Gaimersheim
Als Bayerns Verkehrsministerin nach einer kleinen Rundfahrt mit einem Lang-Lkw von Edeka durch das Gaimersheimer Gewerbegebiet aus dem exakt 25,25 Meter langen Ungetüm stieg, war sie nur noch eines: überwältigt. "Es war eh schon so schwer für den Fahrer, durch die für solche Laster engen Kreisel zu kommen. Er hat dann dank des neuen Sicherheitssystems sofort optisch erkannt, dass sich ein Radler im toten Winkel befand. Außerdem piepste es ordentlich", sagte Aigner am Mittwochvormittag im Gespräch mit dem DONAUKURIER. Dabei appellierte sie an die zuständige EU, "schnellstmöglich die gesetzlichen Grundlagen für eine flächendeckende Verpflichtung zur Ausrüstung mit diesen Abbiege-Assistenten zu schaffen".

Diese Forderung hatte die Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr bereits kurz zuvor vor Vertretern der Edeka-Handelsstiftung und Landtagsabgeordneten am E-Center erhoben, weil das neue System noch nicht verpflichtend sei. Dabei ist es laut Aigner bitter notwendig: "Immer wieder kommt es auf Bayerns Straßen zu Abbiegeunfällen zwischen Lkw und Radfahrern - zu oft mit tödlichen Folgen." Assistenzsysteme könnten helfen, solche Unfälle zu verhindern, denn "sie überwachen den toten Winkel und entlasten den Fahrer durch gezielte Hinweise".

Auch Claus Hollinger betonte die Bedeutung der Kameras: "Dadurch können viele tragische Zusammenstöße auf Deutschlands Straßen vermieden werden", unterstrich der Edeka-Vorstandssprecher. Um das Leben von Radfahrern zu retten, habe die Edeka Südbayern auf Eigeninitiative und ohne gesetzliche Verpflichtung einen eigenen Abbiege-Assistenten entwickelt. So stattete das Unternehmen ab 2015 seinen kompletten Fuhrpark (rund 300 Lastwagen) mit dem neuen System aus.
 
Abbiegeassistent Lkw
Betätigt der Fahrer den Blinker oder bewegt er das Lenkrad nach rechts, schaltet sich die Kamera ein.
Stefan Eberl
Gaimersheim
Und so funktioniert es: Durch eine an der Lkw-Beifahrertür installierte Kamera kann der tote Winkel voll eingesehen werden. Ein Bildschirm in der Fahrerkabine ist mit der Kamera verbunden und zeigt den entsprechenden Bereich an. Darüber hinaus erzeugen Sensoren an der rechten Seite des Lkw - wie beim Rückfahrassistenten eines Autos - ein akustisches und visuelles Signal. Befindet sich ein Radfahrer im toten Winkel, wird der Fahrer vor dem Abbiegen gewarnt.

Laut Hollinger wird das System bei einer Geschwindigkeit von unter 30 Kilometer pro Stunde aktiviert. Betätigt der Fahrer den Blinker oder bewegt er das Lenkrad nach rechts, schaltet sich die Kamera ein. "Außerdem bieten die blinkenden Reflektoren entlang des Lkw zusätzlichen Schutz", so der Vorstandssprecher.
 

Sicherheitssystem zum Schnäppchenpreis


Nach seinen Aussagen ist das Sicherheitssystem günstig: Die Hardware inklusive Montage koste pro Lkw rund 1000 Euro (für Edeka bedeutet das Investitionen in Höhe von rund 300.000 Euro). "Außerdem kann das Konzept unabhängig vom Hersteller in jedes Lkw-Modell eingebaut werden." Für diese innovative Eigenentwicklung ist die Edeka Südbayern mit dem Dekra-Award 2015 in der Kategorie "Sicherheit im Verkehr" ausgezeichnet worden, teilte Hollinger mit.

Verkehrsministerin Ilse Aigner nahm sich rund eine Stunde Zeit für ihren Besuch in Gaimersheim (Vorstandssprecher Hollinger: "Es war keine Wahlveranstaltung, denn schließlich ist die Edeka Südbayern unpolitisch"). Dabei verhehlte Aigner nicht, dass die "Vorschriftensetzung bei Abbiege-Assistenzsystemen auf EU-Ebene leider dauert". Deshalb fördere das Bundesverkehrministerium seit Juli diesen Jahres mit der Aktion "Abbiege-Assistent" die freiwillige Ausrüstung von Fahrzeugflotten. Kennzeichen der Aktion ist der an umgerüsteten Lastwagen angebrachte Aufkleber "IchHabDenAssi".

Die stellvertretende Ministerpräsidentin lobte die Edeka Südbayern: "Sie zählt zu den Firmen, die die Aktion von Anfang an unterstützen." Sie hoffe nun, dass dieses Beispiel Schule macht. Zum Schluss erklärten der Vorstand der Edeka Südbayern, Werner Gruber, und der Technische Leiter Anton Klott - er hat den Assistenten erfunden - der Ministerien das System an einem Lang-Lkw.
 
 
Karlheinz Heimisch
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