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Die CSU-Fraktion will die jüngste Kostensteigerung beim MKKD nicht hinnehmen

"Da ist jetzt eine Grenze erreicht"

Ingolstadt
erstellt am 19.11.2018 um 21:31 Uhr
aktualisiert am 23.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Wenige Wochen vor der Entscheidung des Stadtrates zur erneuten Kostensteigerung beim Bau des Museums für Konkrete Kunst und Design (MKKD) auf dem Gießereigelände herrscht in Kulturkreisen Aufregung: Viele befürchten, die CSU plant, das Projekt zu beerdigen. Bürgermeister Albert Wittmann erklärte gestern, davon könne keine Rede sein. Allerdings will die CSU-Fraktion die letzte Verteuerung um gut zwei Millionen Euro nicht akzeptieren.
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Baustelle Gießereihalle: In Kulturkreisen kam gestern plötzlich das Gerücht auf, die CSU wolle das dort geplante Museum nicht weiter bauen lassen. Doch aus Fraktion und Stadtspitze kam das Dementi.
Baustelle Gießereihalle: In Kulturkreisen kam gestern plötzlich das Gerücht auf, die CSU wolle das dort geplante Museum nicht weiter bauen lassen. Doch aus Fraktion und Stadtspitze kam das Dementi.
Hammer, Querkraft
Ingolstadt
Dieses Projekt steht unter keinem guten Stern. So viel ist sicher. Ursprünglich sollte das MKKD ins Kavalier Dalwigk einziehen. So mancher erinnert sich dabei noch an den viel zitierten Wolkenbügel-Entwurf von Stephan Braunfels, der letztlich 2010 daran scheiterte, dass der Architekt seine Unterlagen nicht fristgerecht eingereicht hatte. Und 2011 änderte die Stadtführung unter dem damaligen OB Alfred Lehmann kurzfristig und unerwartet - zum Entsetzen des damaligen Museums-Chefs Tobias Hoffmann - die Pläne. Ab sofort sollte das MKKD in der alten Gießereihalle entstehen.

Für 15 Millionen Euro wollte es dann das Wiener Büro Querkraft unter die Halle. bauen. So die Kostenprognose 2012. Inzwischen gehen die Planer aber von 32,56 Millionen Euro aus, so sieht es die zweite ergänzende Projektgenehmigung vor, über die der Stadtrat am 4. Dezember abzustimmen hat.

Fairerweise müsse man sagen, dass bei den 15 Millionen Euro damals einiges nicht aufgeführt war, dass heute dazugerechnet werde, heißt es aus informierten Kreisen. Etwa die Kosten für Archäologie, die Projektsteuerung, für die Probleme mit der Gründung - und dann habe sich der Bau auch noch immens verzögert, was der größte Kostentreiber gewesen sei. Nach dem Tod eines Bauarbeiters 2015 stand wegen der Ermittlungen die Baustelle mehrere Monate lang still. Als die zuständige Baufirma danach Insolvenz anmelden musste, herrschte noch länger Stillstand. Wurde hier mutwillig von der Stadtspitze verzögert, um das Projekt zu beerdigen, anstatt sich rechtzeitig um eine neue Baufirma zu kümmern? Und wird regelmäßig Stimmung gegen das MKKD gemacht, um es madig zu machen? Das unterstellen Insider.

Die Kritiker wundern sich auch, dass Kostensteigerungen anderer Großprojekte in den vergangenen Jahren mehr oder weniger geräuschlos geschluckt worden seien, etwa beim Sportbad, das um 108 Prozent teurer wurde als geplant.

"Schlimm genug, dass andere Baustellen auch teurer werden", sagt Bürgermeister Albert Wittmann (CSU). "Aber irgendwann sind die Kassen leer." Und weder er noch Oberbürgermeister Christian Lösel (ebenfalls CSU) wollten Stadtschulden oder Steuererhöhungen. "Unser absoluter Schwerpunkt liegt auf Kitas und Schulen", erklärt der Bürgermeister. Die seien lebensnotwendig. Das Museum dagegen genieße in der Bevölkerung nicht nur Beifall.
Reizvolle Architektur, schwieriger Bau: Das eigentliche Museum soll unterhalb der Halle entstehen.
Reizvolle Architektur, schwieriger Bau: Das eigentliche Museum soll unterhalb der Halle entstehen.
Hammer, Querkraft
Ingolstadt



Doch Wittmann versichert: "Wir werden weder das Loch zuschütten, noch die Baustelle aufgeben. "Wir sind mitten im Bau und fünf Meter im Boden drin." Es werde auch keine Verzögerungen geben. "Aber die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen", sagt Wittmann. Und da verlange er Antworten: Ende August habe es ein Spitzengespräch mit dem Architekten, dem Projektsteuerer sowie Bau- und Kulturreferent gegeben, in dem es geheißen habe, man komme mit 30,6 Millionen Euro aus - und habe sogar noch Luft drin. Und jetzt, drei Monate später, seien es plötzlich 32,6 Millionen Euro. "Wir wollen nicht in einem Jahr dastehen und die nächste Kostensteigerung entgegennehmen." Am Mittwoch gebe es das nächste Spitzengespräch in derselben Besetzung. Da wolle er wissen, woher die Kostensteigerungen kamen und wo man Geld einsparen könnte. "Und im Stadtrat werde ich meine Hand nicht heben, wenn es kein Betriebskonzept mit einem verbindlichen jährlichen Defizit gibt."

Auch die CSU-Fraktionsvorsitzende, Patricia Klein, macht im Gespräch mit dem DONAUKURIER klar: "Es geht nicht darum, das Projekt zu stoppen. Wir wollen das ja auch." Allerdings gelte es nach der jüngsten "deutlichen Kostensteigerung" schon, "noch einmal genau hinzusehen". Das erwarte die Bürgerschaft, ist sich Klein sicher. Freilich würden auch andere Bauprojekte - teilweise erheblich- teurer als veranschlagt, beim MKKD sei die Kostensteigerung aber "deutlich auffallend".

Die CSU-Fraktion entschied heute Abend, die jüngste Kostensteigerung auf 32,6 Millionen Euro nicht hinzunehmen. "Da ist jetzt eine Grenze erreicht", erklärte Klein. "Wir sind nicht bereit, diese weitere Kostensteigerung zu akzeptieren." Baureferent Alexander Ring und Kulturreferen Gabriel Engert sollen nun beauftragt werden, Vorschläge zu erarbeiten, wie die berechnete Verteuerung um gut zwei Millionen Euro verhindert werden kann. Sollte das nicht gelingen, werde die CSU im Stadtrat nicht für die zweite ergänzende Projektgenehmigung stimmen können, sagt Klein.

SPD-Stadtrat Manfred Schuhmann betont dagegen, der Stadtrat habe sich längst darauf verständigt, was in dem neuen Museum alles realisiert werden soll. "Diese Funktionalität muss natürlich bewahrt bleiben. Man kann da nicht einfach den Keller um die Hälfte kleiner machen." Dabei war Schuhmann selbst ein vehementer Gegner der Idee, das Museum unter die Gießereihalle zu verlegen. Er favorisierte andere architektonische Lösungen an dieser Stelle. Jetzt, da das Projekt allerdings schon so weit vorangeschritten sei "gibt es kein Zurück mehr. Das wäre ja ein Schildbürgerstreich", betont er. "Die CSU und die FW haben es selbst verbockt. Jetzt müssen sie da auch durch." Die SPD-Fraktion beschloss gestern Abend, den Bau- und den Kulturreferenten zur nächsten Sitzung einzuladen und sich den Stand der Dinge erläutern zu lassen.

Die Diskussionen um das MKKD werden weitergehen. Unter anderem morgen ab 19.30 Uhr im Alf-Lechner-Museum bei der nächsten Auflage des DONAUKURIER-Forums. Das Thema lautet: "Dallwigk und Co. - Wie viel Mut braucht Ingolstadt? - Die Rolle von repräsentativen Bauwerken in der Stadtentwicklung." An der Gesprächsrunde nehmen Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle, Architekten und Werner Kapfer, der Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstler teil.
 

MEHR KOSTEN

Kongresszentrum und -hotel:  + 42 Prozent.  Allein der städtische Anteil des Großprojekts von IFG und VIB, das immer noch gebaut wird, stieg bisher von 37,8 Millionen  auf 53,6 Millionen Euro. 

Sportbad an der Jahnstraße: + 108 Prozent. Ursprünglicher Kostenrahmen waren  12 Millionen Euro. Bei der Projektgenehmigung waren es 19,9 Millionen, gekostet hat es dann 25 Millionen.

Digitales Gründerzentrum brigk: + 100 Prozent. Ursprünglich war von 20 Millionen Euro die Rede (schon mit dem Anbau), jetzt sind es 40 Millionen (auch mit  dem Anbau), allerdings  wird es  vom Freistaat gefördert.
 

Nicht der erste Rüffel

Dass etwas Brisantes in der Luft liegt, und die Baustelle des MKKD alles Mögliche freisetzt, nur keine gute Stimmung, war am 2. Mai dieses Jahres im Kulturausschuss in auffälliger Gereiztheit zu erleben: Eher beiläufig bemerkte Baureferent Alexander Ring in seinem obligatorischen Bericht über den aktuellen Stand des Projekts, dass es wegen des aufwendigen, sehr speziellen Tiefbauverfahrens „wohl etwas teurer wird, wie das leider fast immer so ist“. Daraufhin wurde Ring auf offener Bühne von Bürgermeister Albert Wittmann (CSU) gerüffelt: „Die Aussage, dass es leider immer etwas teurer wird, kann ich nicht akzeptieren und werde ich auch nicht akzeptieren!“ So zitierte ihn damals der DK. Wittmann (kein Freund der Konkreten Kunst, wie er schon mehrfach bekannt hat) machte sehr   deutlich, dass die Stadt hier „viel Geld für etwas ausgibt, das nur fünf Prozent der Bevölkerung betrifft“. Für ihn ein Grund mehr, Rings Aussage so nicht hinzunehmen. 
Die Opposition beklagte damals, über die Kostenentwicklung auf der Großbaustelle nicht ausreichend informiert worden zu sein. „Wir wären auch gerne in der Lage, etwas zu akzeptieren oder nicht“, sagte Barbara Leininger (Grüne). Aber dazu bedürfe es detaillierter Zahlen. Wittmanns Erwiderung: „Dem Stadtrat ist nichts vorenthalten worden!“   
 

Kommentar von Johannes Hauser

In der Diskussion um den Museumsbau unter der Gießereihalle offenbart sich einmal mehr die  Einstellung eines Großteils der Ingolstädter CSU, Kunst und Kultur in erster Linie als nette Dreingabe zu begreifen. Da profiliert sich die Stadtspitze lieber mit  technisch-industriellen Großprojekten wie einem digitalen Gründerzentrum, dessen Kosten sich glatt verdoppelt haben und jetzt deswegen  schöngerechnet werden. Das stört offenbar keinen. Und um wie viel teurer muss eigentlich das Kongresszentrum noch werden, bis es einmal in Frage gestellt wird? Da streichen  die Kulturskeptiker vorher eher noch den Bau der Kammerspiele neben dem Theater. In manchen Kreisen  gehört es zum guten Ton, gegen (Konkrete) Kunst oder das Stadttheater zu polemisieren – eigentlich seit seiner Fertigstellung vor 52 Jahren.  
Gleichzeitig beschwert sich OB Lösel, wenn Witze über Urban Air Mobility gemacht werden. Dabei kann gerade das MKKD zu einem Projekt werden, das Ingolstadt zu überregionaler Aufmerksamkeit verhilft – lange bevor in der Stadt das erste Flugtaxi abhebt.
Johannes Hauser, Christian Silvester, Thorsten Stark
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