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Lebenswerte Innenstadt: Wie machen es die umliegenden Kommunen?

Ingolstadt
erstellt am 10.08.2018 um 19:43 Uhr
aktualisiert am 15.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Manchmal lohnt ein Blick über die Stadtgrenzen hinaus: Wir haben in sechs umliegenden Kommunen nachgefragt, wie zufrieden sie mit dem Einzelhandel in ihrem Ortskern sind, wie sie ihn stärken und wie sie die Situation in Ingolstadt beurteilen.
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Der Pfaffenhofener Stadtstrand
Schaipp
Ingolstadt
  • PFAFFENHOFEN: 26122 Einwohner
Leerstand kennt man in Pfaffenhofen nicht - die Nachfrage ist größer als das Angebot. Entsprechend zufrieden ist man in der drittgrößten Stadt der Region, auch was den Branchenmix im Ortskern anbelangt. "Es ist alles vorhanden, was man braucht", sagt Sprecherin Elisabeth Steinbüchler. Das gerade erst aktualisierte Einzelhandelsentwicklungskonzept bescheinige der Stadt eine "mustergültige Entwicklung". Die kleine Landesgartenschau im vergangenen Jahr hat der Aufenthaltsqualität noch einmal einen Schub verliehen: Aus der Blechwüste Hauptplatz wurde eine Oase mit Stadtstrand, auf dem sich die Bürger auf Liegestühlen niederlassen können, um sich von ihrem Einkauf zu erholen. Es gibt ein kleines Stück Fußgängerzone, das gerade ausgeweitet wird. Die Parkgebühren wurden erhöht - aber es gab keine großen Diskussionen. In den Sommermonaten gibt es jeden Samstag Aktionen, einmal im Jahr findet die Lange Nacht der Kunst und Musik statt, viermal im Jahr bietet die Stadt verkaufsoffene Dultsonntage an. "Wir verstehen die ganze Innenstadt als Bühne", sagt Steinbüchler. Zur Ingolstädter Situation möchte sich die Stadt kein Urteil erlauben. Sie persönlich, sagt Steinbüchler, fahre immer noch gerne in die Innenstadt. Sie bedauere aber, dass die große Auswahl fehle. "Angefangen hat das, als das Kaufhaus Wagner weggegangen ist. "
 
Wie lebenswert ist der Ortskern in den umliegenden Kommunen? Man kann sich am Pfaffenhofener Stadtstrand (im Uhrzeigersinn von oben links) genauso wohlfühlen wie am Eichstätter Marktplatz, der Neuburger Innenstadt oder der schon zum Teil sanierten Lenbachstraße in Schrobenhausen.
Die Neuburger Innenstadt.
Janda
Ingolstadt
  • NEUBURG: 30147 Einwohner 
Eine relativ geringe Leerstandsquote, viele inhabergeführte Geschäfte und mehrere Filialisten - in Neuburg ist man eigentlich zufrieden mit dem Angebot in der Innenstadt, auch wenn man weitere Schuhläden, Lederwaren, Jugendmode, Sportartikel/Bekleidung sowie Lebensmittel begrüßen würde, erklärt Stadtmarketing-Geschäftsführerin Vanessa Korn. Zur Belebung der Innenstadt gibt es die Semmeltaste, mit der man 30 Minuten kostenlos parken kann. Das kostenlose Parken einmal im Monat am Freitag und Samstag wurde jetzt zu einem wöchentlichen himmelblauen Samstag, inklusive drei Stunden freiem Parken. Weitere Angebote sind die "Nette Toilette", eine Wickelstation, kostenloses WLAN, "Akku to go" zum Smartphone-Aufladen, ein Siegel für seniorenfreundliche Betriebe und Läden sowie ein Online-Marktplatz und ein aktives Leerstandsmanagement.
 
Viele junge Neuburger orientieren sich laut Korn Richtung Westpark, der das gleiche Sortiment wie die Ingolstädter Innenstadt habe, aber kostenloses Parken sowie passende Öffnungszeiten biete. Da müsse die Ingolstädter City ansetzen, sagt Korn. "Ich finde es sehr schade, dass in den letzten Jahren mehr für die Ingolstädter Peripherie gemacht worden ist als für die Innenstadt. Es muss mehr in das Stadtmarketing vor Ort investiert werden. " Eine Erhöhung der Parkgebühren sei dagegen wohl kontraproduktiv.
 
Leben in der Stadt, leben im Landkreis: Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Menschen sich in einer Region wohlfühlen? Damit beschäftigt sich die ?Deutschland-Studie? im Auftrag des ZDF. Die Antwort  ist weit mehr als einfach nur Wohlstand.
Der Eichstätter Marktplatz.
Poese
Ingolstadt
  • EICHSTÄTT: 13769 Einwohner 
Aus Sicht der Verwaltung ist Eichstätt gut aufgestellt - "dank der zentralen Funktionen als Bischofs- und Universitätsstadt, Schul- und Behördenstadt und dank eines starken Tourismus", wie Lars Bender, der Leiter der Touristinformation, erklärt. In Eichstätt gibt es hauptsächlich kleinere inhabergeführte Geschäfte und keine Filialisten. Das liegt auch an den denkmalgeschützten Altstadthäusern, die keine größeren Flächen zulassen. Um ein volles Sortiment anbieten zu können, hofft die Verwaltung auf die angrenzende Spitalstadt. In einem städtebaulichen Entwicklungskonzept hat die Stadt mehrere Maßnahmen zur Förderung der Innenstadt gebündelt, seit 2015 gibt es eine Standortbeauftragte, die sich - auch in Kooperation mit dem Innenstadtgewerbeverein - um die Umsetzung kümmert. Es gibt eine Leerstandsimmobilienbörse, eine Semmeltaste (15 Minuten) für freies Parken, Parkticket-Gutscheine, "Nette Toilette", eine City-Card und ein Online-Schaufenster, das einen Überblick über Handel, Gastronomie, Handwerk und Dienstleistungen geben soll. Die Ingolstädter Innenstadt, in die es auch viele Eichstätter zieht, ist aus Benders Sicht "nach wie vor attraktiv, aber nach unserer Einschätzung stark im Wandel begriffen. Viele Geschäfte schließen, neue eröffnen, es fehlt die Konstanz". Mit der Fußgängerzonensanierung sei Ingolstadt aber auf einem guten Weg.
 
Die zum Teil sanierte Lenbachstraße in Schrobenhausen.
Schalk
Ingolstadt
  • SCHROBENHAUSEN: 16753 Einwohner 
In Schrobenhausen befindet man sich mitten in der Umgestaltung der Innenstadt. Und ähnlich wie in Ingolstadt will man Kunden mit Baustellenevents den Besuch schmackhaft machen. Laut Barbara Rührmair vom Stadtmarketing Schrobenhausen gibt es eine Stempelkarte, für die Kunden ab einem Einkauf von zehn Euro in den teilnehmenden Geschäften einen Stempel erhalten - ist die Karte voll, gibt es einen Einkaufsgutschein. Ein Erfolg: "Bis jetzt wurden 300 ausgefüllte Karten bei uns im Büro abgegeben", sagt Rührmair. Den Gutschein kann man natürlich auch so erwerben, was ebenfalls gut angenommen werde, jedes Jahr bringe man so 60000 Euro in Umlauf. Weitere Aktionen zur Belebung sind die vier verkaufsoffenen Dultsonntage, freies Parken an den Adventssamstagen und das Projekt "Ort-schafft-Mitte", womit schon mehrere Gründer in leer stehende Gebäude gebracht wurden. Derzeit stehen nur 6 von rund 70 Geschäftsflächen in Erdgeschosslage leer. "Wir stellen immer wieder fest, dass das Leerstandsproblem und das Problem einer ,Innenstadtflucht' nicht nur ein Problem von kleinen Städten ist, sondern ganz genauso von einer Großstadt wie Ingolstadt", sagt Rührmair. "Dank unseres intensiven Engagements in den vergangenen Jahren gegen dieses Problem haben wir das in Schrobenhausen sehr gut in den Griff bekommen, anders als viele vergleichbare Städte. "


BLICK IN WEITERE KOMMUNEN
 
  • VOHBURG: Aus Sicht der Vohburger Verwaltung hat sich die Stadt im Landkreis Pfaffenhofen mit ihren inzwischen über 8000 Einwohnern zu einem wahren Schmuckstück gemausert. "Vor allem der Stadtplatz überzeugt mit Atmosphäre und einer gelungenen Symbiose aus historischen Bauwerken und moderner Funktionialität", wie Sprecherin Alexandra Schmid erklärt. In diesem Umfeld gebe es Eis, Torte, Schweinebraten, Pizza, drei Bäcker, einen Metzger und natürlich einen Markt, auf dem die Landwirte Obst und Gemüse anbieten. Auch Schuhe und Kleidung kann man im Vohburger Ortskern einkaufen - "freundlich und zentrumsnah, und das Ganze praktisch ohne Parkgebühr", sagt Schmid. Eine Stunde lang könne man nämlich dort kostenlos parken. Außerdem gebe es im gesamten Innenstadtbereich einen Hotspot für freies WLAN - nicht zu vergessen das zentrumsnahe Donau-Ufer. Die Situation in der Ingolstädter Innenstadt will sie nicht bewerten. 
 
  • GAIMERSHEIM: Leerstände gibt es in dem über 12000 Einwohner zählenden Markt praktisch keine. "Natürlich ist bei uns nicht alles vorhanden, wir sind ja keine Stadt", sagt Günther Bernhardt, der stellvertretende Bürgermeister (SPD). Aber es gebe schon ziemlich viel im Ortskern - Wochenmarkt, Elektrogeschäft, Bäckereien, Metzgereien, besuchbare Banken, Obstgeschäfte, Kleingewerbe und vieles mehr. Das Einzige, was wirklich fehle, sei seit dem Schlecker-Aus ein Drogeriemarkt. "Aber vielleicht geht da bald auch was", sagt Bernhardt voller Zuversicht. "Alle im Rathaus sind darauf sensibilisiert, zu schauen, was die Bevölkerung braucht - und die Bürgermeisterin Andrea Mickel lenkt das. " Mit einem umfassenden Sanierungskonzept hat der Markt den Ortskern barrierefrei gestaltet, der Fußgänger ist dabei genauso wichtig wie der Autofahrer oder der Nutzer des ÖPNV. Die Eröffnung feierten die Gaimersheimer vor zwei Jahren groß. Es gibt mehr als 250 kostenlose Parkplätze im Ort, auch in zwei Tiefgaragen. Die Gemeinde bietet Marktgutscheine an, die man in den Geschäften einlösen kann. Und natürlich fördert sie die Vereine - um die Bevölkerung im Ort zu halten. Verkaufsoffene Sonntage gibt es in Gaimersheim nicht. "Da kann man drüber philosophieren - aber wir sind nicht in der Größenordnung, dass wir das bräuchten", sagt Bernhardt. Bei allen Angeboten im Ort weiß der stellvertretende Bürgermeister auch, dass die Bürger zum Einkaufen häufig in den Westpark fahren. Zurückhaltend ist Bernhardt nur bei der Frage nach der Situation in der Ingolstädter Innenstadt. "Kein Kommentar", sagt er. 


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Thorsten Stark
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