Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Ingolstädter Polizei fährt nach Jahren wieder einen neuen Audi-Streifenwagen - aber nur für kurze Zeit

Einsatz im Heimatrevier

Ingolstadt
erstellt am 13.11.2018 um 19:20 Uhr
aktualisiert am 17.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Seit einigen Wochen ist ein brandneuer Audi-Streifenwagen auf Ingolstadts Straßen unterwegs. Einst waren die Fahrzeuge des Autobauers sogar synonym mit der bayerischen Polizei. Nach Audis Ausstieg aus dem Geschäftsfeld vor gut zehn Jahren dominierte aber dann kampflos die Münchner Konkurrenz. Inzwischen ist Audi zurück im Wettbewerb. Der A4 Avant der Polizeiinspektion fährt aber nur für absehbare Zeit und zu Testzwecken.
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Einzelstück: In der Inspektion von Dienststellenleiter Peter Heigl ist der Audi A4 Avant als ?uniformiertes Einsatzfahrzeug? ganz normal im Schichtbetrieb eingesetzt. Der Streifenwagen ist aber nur Teil einer größeren Testreihe zur Mediensteuerung in bayerischen Polizeifahrzeugen.
Einzelstück: In der Inspektion von Dienststellenleiter Peter Heigl ist der Audi A4 Avant als "uniformiertes Einsatzfahrzeug" ganz normal im Schichtbetrieb eingesetzt. Der Streifenwagen ist aber nur Teil einer größeren Testreihe zur Mediensteuerung in bayerischen Polizeifahrzeugen.
Hammer
Ingolstadt
Man kann einen Artikel über die Beziehung der Ingolstädter generell zu Autos und Polizeifahrzeugen im Speziellen ganz gut mit einer kleinen Anekdote beginnen. Es begab sich im April 2006, als in München nach vielen Jahren des Hoffens und Bangens die Entscheidung fiel, das Museum der Bayerischen Polizei doch im Turm Triva im Klenzepark zu Ingolstadt anzusiedeln. Zur Illustration dieser erfreulichen Botschaft fragte die Heimatzeitung der Schanz höflich bei der hiesigen Polizeiinspektion an, ob es denn möglich wäre, ein schickes neues Streifenfahrzeug mit jungen, motivierten Kollegen vor dem Festungsbau zu platzieren. Die Polizei versprach, für den DK-Fotografen "das beste Pferd im Stall" samt einer gemischten Streifenbesatzung zu schicken. Gesagt, getan. Und so wanderte am nächsten Tag das eindrucksvolle Bild auf die Titelseite dieser Zeitung.

Die Reaktionen darauf ließen nicht lange warten: Das Telefon in der Redaktion stand nicht mehr still. Wie denn das möglich sei, dass da ein neuer BMW abgebildet sei - hier in Ingolstadt. Das gehe ja gar nicht! So der noch in freundliche Worte gepackte Tenor.

Was vielen in Ingolstadt damals noch nicht aufgefallen war: Das Bild auf den Straßen war schon mitten im Wandel. Die altgedienten Audi-Polizeiautos wurden aus dem Verkehr gezogen, BMW übernahm komplett, da der Münchner Autobauer sich weiter fleißig an den Ausschreibungen des Freistaates beteiligte und imagemäßig sicherlich nicht darunter litt - während sich die Ingolstädter 2007 vollständig aus dem Polizeigeschäft zurückzogen. In den Ingolstädter Dienststellen liefen bis vor Kurzem noch einige ganz wenige Audis; bei der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) zum Beispiel war ein alter A6 das letzte Relikt und wegen Allrad besonders im Winter für den Dienst auf der Autobahn dort sehr geschätzt. Inzwischen ist aber auch er aussortiert und bei der VPI ist längst kein Ingolstädter Produkt mehr vorhanden.

Nun aber tauchte also wieder ein neuer Streifen-Audi im Herzen Bayerns auf, ganz modern in der blauen Optik, die der Freistaat als letztes Bundesland eingeführt hat. Doch mit Audis womöglich großer Rückkehr auf die heimatliche Bühne hat das noch nichts zu tun. Der Wagen läuft für zwei Jahre nur zu Testzwecken - und das auch nicht, um im Realtest der Frage nachzugehen, wie sich die Audi-Fahrzeuge heutzutage für den Streifendienst eignen, sondern in einem speziellen Fall. "Das Auto stammt aus einer Testreihe des Polizeipräsidiums Mittelfranken", klärt das für den Ingolstädter Raum zuständige Präsidium Oberbayern-Nord auf. Auf Herz und Nieren werde in der Praxis die "Mediensteuerung in Fahrzeugen" untersucht. Das heißt, wie sich die relevanten Einsatzfälle und weitere Informationen direkt in die im Auto vorhandenen/eingebauten digitalen Geräte einspielen lassen - und andere Szenarien. Im gesamten Präsidiumsbereich, der bis zur Südspitze des Starnberger Sees geht, sind an dieser Testreihe sechs Fahrzeuge beteiligt. Der eine Audi (der Rest sind erwartungsgemäß BMW) läuft als "uniformiertes Einsatzfahrzeug" dabei in Ingolstadt. "Er bleibt aber ein Erlkönig", heißt es beim Präsidium an der Esplanade. Dauerhafte Nachfolger seien bisher nicht in Sicht. Die öffentliche Ausschreibung läuft ohnehin über das Ministerium. Der A4 sei auch zentral "aus einem Kontingent für ein anderes Bundesland" besorgt worden.

Seit 2015 (und entsprechend achtjähriger Pause) ist Audi wieder im Polizeigeschäft aktiv, wie das Unternehmen auf Anfrage bestätigt. Bei den Funkstreifenwagen handelt es sich hauptsächlich um Audi A4 Avant oder A6 Avant, die von der Polizei genutzt werden. So zum Beispiel vom Bundesland Sachsen-Anhalt auf den Autobahnrevieren oder Ungarns Polizei ("Rendörség"), wo Audi mit dem Standort Györ der größte ausländische Arbeitgeber ist. Einen Großauftrag hierzulande konnten sich die Audianer quasi gleich zum Wiedereinstieg sichern, als man in Rheinland-Pfalz den Zuschlag erhielt und die 389 Standard-Funkstreifenwagen (bisher VW Passat) bis 2019 mit dem A4 Avant ersetzen darf. Allerdings ging das nicht ganz geräuschlos vonstatten. Von den Praktikern kamen bald Klagen über einen zu kleinen Kofferraum (505 Liter) für die stetig wachsende Einsatzausrüstung und über Probleme mit dem zulässigen Gesamtgewicht - was in der Nachmontage von stärkeren Hinterachsfedern resultierte.

Wie aus Ingolstädter Polizeikreisen zu hören ist, sei das mit der Zuladung aber kein reines Audi-Thema. Auch die aktuelle Dreier-Reiher von BMW sei an der Grenze, wenn es um die Ladekapazität mit der Ausrüstung der Streifenbeamten geht. Und mit diesen Fahrzeugen werden die bayerischen Beamten noch einige Zeit zu tun haben. Die Audi AG beteilige sich, so teilt das Unternehmen mit, "soweit es die technischen Anforderungen zulassen, an allen möglichen Ausschreibungen an Polizeifahrzeugen". Aber bisher ist eine erneute Wachablösung im Freistaat wohl so schnell nicht in Sicht.
Christian Rehberger
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