Samstag, 22. September 2018
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Der Futurologische Kongress ist im Großen Haus des Stadttheaters eröffnet worden

Die Zukunft hat begonnen

Ingolstadt
erstellt am 14.06.2018 um 22:10 Uhr
aktualisiert am 18.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Mit einem zukunftsweisenden Cocktail hat gestern im Großen Haus des Stadttheaters der Futurologische Kongress begonnen. Gemixt wurden inhaltliche Impulse mit theatralen Momenten, die einen verheißungsvollen Vorgeschmack auf den Kongress boten.
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Theatrale Intervention: Neben Vorträgen und Diskussionen gehören auch viele kreative Momente zum Programm des Futurologischen Kongresses.
Theatrale Intervention: Neben Vorträgen und Diskussionen gehören auch viele kreative Momente zum Programm des Futurologischen Kongresses.
Eberl
Ingolstadt
Die Zukunft ist links. Zumindest war sie es beim Eröffnungsabend des Futurologischen Kongresses gestern Abend im Großen Haus. Im Foyer des Stadttheaters trennte sich die dicht gedrängte Zuschauermenge in jene, die linker Hand Richtung Theater abbogen und jene, die nach rechts in den Festsaal zogen, wo die Kabarettistin Monika Gruber ihre Späße machte. Unterhaltsam wurde es aber auch im Großen Haus und darüber hinaus äußerst informativ, anregend und bildgewaltig.

Knut Weber, Intendant des Stadttheaters und Initiator des themen- und genreübergreifenden Kongresses, betonte in seiner Begrüßungsrede, wie vielfältig und allumfassend Fragen etwa der Digitalisierung für eine Gesellschaft seien. So könne Technik stets heilsbringend aber auch unheilvoll sein. Etwa, wenn Menschen die Folgen ihres Tuns nicht abschätzen können und sich Prozesse verselbstständigen. Zur Veranschaulichung wählte er dabei ein klassisches Werk: Sascha Römisch las in einem Intermezzo Goethes "Zauberlehrling", der verzweifelt, weil er die Geister, die er selbst gerufen hat, nicht mehr los wird. Das Spannungsfeld zwischen Hybris und Kontrollverlust sei das Thema, das während des Futurologischen Kongresses behandelt werden soll - und künstlerisch begleitet.
Fotostrecke: Futurologischer Kongress Cocktail
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OB Christian Lösel erinnerte in seinem Grußwort an die rasante Geschwindigkeit, in der sich technologische Revolutionen mittlerweile vollziehen. "Schon was in zwei Jahren sein wird, kann man sich jetzt noch nicht vorstellen." Diese Veränderungen müssten mit ihren Chancen und Risiken von einer Gesellschaft breit diskutiert werden. "Deswegen müssen wir die Menschen befähigen, zu verstehen, was hier gerade passiert", so Lösel. "Der Futurologische Kongress ist eine hervorragende Chance dazu."
 
Knut Weber bei der Eröffnung.
Knut Weber bei der Eröffnung.
Eberl
Ingolstadt



In seiner Rede betonte Wendelin Göbel, Personalvorstand von Audi, dass die technische Veränderung die Rolle des Menschen neu definiere. "Die menschliche Kernkompetenz ist Empathie." Deswegen sei etwa zu klären - Stichwort: autonomes Fahren - welche Entscheidungen Menschen einer künstlichen Intelligenz überlassen wollen.

Es war anschließend an Prof. Peter Weibel, Direktor des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe, den Zuhörern im fast voll besetzten Stadttheater, einen sogenannten Input zum Start des Kongresses zu liefern. Äußerst unterhaltsam und in atemberaubenden Tempo beschrieb er die Kulturgeschichte als eine Entwicklung vom "Animismus zum Algorithmus". Weibel widersprach Karl Valentins bekanntem Zitat: "Prognosen sind schwierig. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen." Weibels Gegenrede könnte fast als Motto des Futurologischen Kongresses dienen: "Man kann die Zukunft sehr wohl voraussagen, wenn man sie selber gestaltet", betonte er. "Denn die Zukunft ist, was wir daraus machen."

Eine im Wortsinn strahlende Zukunftsvision entwarf danach die Glow Connection im ersten künstlerischen Programmpunkt des Abends. Die folgenden "musikalischen und szenischen Skizzen" hatten unter anderem das Ensemble des Stadttheaters, Tobias Hofmann samt Band, David Rimsky-Korsakow, das Georgische Kammerorchester und der Mentalmagier Yann Yuro als einen "Future Cocktail" zusammengestellt.
 
?Progress of Reflection? hieß die Szene der Glow Connection.
"Progress of Reflection" hieß die Szene der Glow Connection.
Eberl
Ingolstadt



Auf dem Programm stand außerdem der Eröffnungsvortrag der Juristin, IT-Unternehmerin und Buchautorin Yvonne Hof-stetter mit dem Titel "Mensch Maschine! Künstliche Intelligenz und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen". Hofstetter ist die Gewinnerin des diesjährigen Theodor-Heuss-Preises für bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage, den sie am heutigen Freitag überreicht bekommt. Ihr Vortrag wurde deswegen auf den Eröffnungsabend gelegt.

Am heutigen Freitag, 15. Juni, beginnt der Kongress in der THI. Das Angebot reicht von Vorträgen und Gesprächen - zu Gast sind unter anderem der ehemalige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin und die Soziologin Sabine Pfeiffer - über Tanz und Performances, bis hin zu "theatralen Interventionen" und Ausstellungen. Der Tag endet mit einer Techno-Party. Der morgige Samstag, 16. Juni, wird ab 9 Uhr unter anderem vom Jungen Theater und dem Team der Theatervermittlung als Familientag gestaltet. Dabei werden etliche Workshops angeboten. Die kostenlosen Einlassbänder gibt es an der Theaterkasse oder an der THI.

Das umfangreiche Programm ist auf der Homepage www.futurologischer-kongress.de einzusehen. Für Gäste des Kongresses wurde außerdem eine App entwickelt, die auf ein Smartphone oder Tablet geladen werden kann und dann nicht nur auf anstehende Veranstaltungen hinweist, sondern auch gleich den Weg dorthin anzeigt. Willkommen in der Zukunft.
Johannes Hauser
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