Dienstag, 18. Dezember 2018
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Die Wirtschaftsschule sucht nun doch nach einem anderen Standort - Südosten wird favorisiert

Flucht vor dem Festungsbau

Ingolstadt
erstellt am 06.12.2018 um 20:51 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Wirtschaftsschule wird wohl doch nicht auf ihrem bisherigen Gelände im Glacis erweitert. Wie sich jetzt gezeigt hat, befindet sich im Untergrund ein alter Festungsbau, außerdem erweist sich der geplante Anbau an das bestehende Gebäude der Schule offenbar als zu schwierig. Die langwierige Standortsuche geht nun weiter. Es zeichnet sich allerdings eine Lösung ab: auf dem Gelände der neuen Mittelschule Südost.
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Im Sommer beim Ortstermin vor der Wirtschaftsschule waren die meisten Stadträte sowie Bürgermeister Sepp Mißlbeck (l.), Schulreferent Gabriel Engert (2.v.l.) , OB Christian Lösel (4.v.l.) und Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle noch frohen Mutes, dass der Standort am Brückenkopf möglich ist.
Im Sommer beim Ortstermin vor der Wirtschaftsschule waren die meisten Stadträte sowie Bürgermeister Sepp Mißlbeck (l.), Schulreferent Gabriel Engert (2.v.l.) , OB Christian Lösel (4.v.l.) und Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle noch frohen Mutes, dass der Standort am Brückenkopf möglich ist.
Eberl/Archiv
Ingolstadt
Sie standen um das Modell des Ensembles rund um den Turm Baur herum und zofften sich im Stadtentwicklungsausschuss vor den Augen der Zuschauer: "So etwas stimmen wir nicht zu!", rief Freie-Wähler-Fraktionschef Peter Springl Oberbürgermeister Christian Lösel zu. SPD-Stadtrat Manfred Schuhmann ("Ich verstehe wirklich nicht, was ihr hier aufführt!") und UDI-Chef Gerd Werding ("Das ist reine Schikane!") kritisierten wiederum den FW-Stadtrat.

Lösel hatte in der Sitzung Ende Juli vorgeschlagen, das neue Gebäude der Wirtschaftsschule zwischen dem historischen Turm und dem DK-Verlagsgebäude als Anbau an das bestehende Haus D der Schule "straßenbegleitend" zu errichten. Während eines Ortstermins kurz zuvor hatte sich diese Variante herauskristallisiert. Die Freien Wähler zeigten sich weder mit der Art und Weise, wie die neue Variante zustandegekommen war, einverstanden, noch mit dem Standort an sich: im Glacis und umgeben von lauter Baudenkmälern. Doch die Mehrheit des Stadtrates stimmte schließlich für einen Bauvorbescheid - um der Wirtschaftsschule zu helfen, die seit Jahren über die mangelhafte Unterbringung ihrer Schüler und Mitarbeiter klagt.

Doch nun ist klar, dass die Pläne im Glacis ohnehin zum Scheitern verurteilt sind. Recherchen hätten jetzt ergeben, dass sich am Brückenkopf eine Remise im Boden befinde, sagt Dorothea Soffner, Geschäftsführerin der privaten Wirtschaftsschule und UDI-Stadträtin. Kein Mensch wisse, wie sehr dieser alte Festungsbau die Kosten treiben würde. "Da haben wir ja in Ingolstadt wirklich schlechte Erfahrungen gemacht", sagt Soffner. Viele Fragezeichen hätten auch hinter dem geplanten Anbau an das sanierungsbedürftige Haus D gestanden. Hinzukomme, dass viele Stadträte nur mit einigen "Magenschmerzen" zugestimmt hätten, um der Schule zu helfen. All dem trage man nun Rechnung.

Schulreferent Gabriel Engert bestätigte gestern auf Anfrage, dass die Pläne am alten Standort nicht weiterverfolgt werden. Wie Soffner erklärt er, dass gerade verschiedenste Alternativen geprüft würden. Im nächsten Sitzungsdurchlauf solle dann ein Alternativvorschlag präsentiert werden. "Es sieht momentan so aus, dass wir da eine Lösung haben", sagt Engert. Welche, dazu wolle er sich aber noch nicht äußern.

Favorisiert ist nach DK-Informationen die Anbindung an die geplante Mittelschule Südost. Die soll bekanntlich an der Paul-Wegmann-Halle gebaut werden, sobald die Verlagerung der FCI-Trainingsplätze erfolgt ist. Dort gäbe es genug Parkplätze, eine optimale Anbindung an Bus und Bahn und sogar eine Dreifachturnhalle.

"Es wäre eine wünschenswerte Option", sagt Soffner, dazu befragt. "Aber wir stehen unter einem so enormen zeitlichen Druck, dass wir uns nicht auf einen einzigen Standort kaprizieren können." Man habe ja am Brückenkopf gesehen, was das gebracht habe. Soffner betont: "Wir sind für jede Lösung dankbar. Da stehen ja 700 Schüler und 100 Mitarbeiter dahinter." Die Schulfamilie sei jedenfalls guten Mutes, eine tragfähige Lösung zu erarbeiten. "Bis dahin brauchen wir Geduld, Kreativität und Verständnis aller Beteiligten, um uns mit dem jetzigen Gebäude zu arrangieren und versuchen eben durch besonders gute Pädagogik und besonders gute Konzepte zu glänzen."

Und die Freien Wähler? Seine Fraktion unterstütze natürlich die Wirtschaftsschule, sagte Stadtrat Hans Stachel. Aber die Nachricht, dass sich die Schule nicht am Brückenkopf ausbreite, sei "die schönste Nachricht der Woche". Die FW hätten sich wegen ihrer Kritik am Standort anfeinden lassen müssen. Dabei sei diese Planung ein Schnellschuss gewesen. Stachel: "Interessant, dass es jetzt doch anders kommt."
 

Kommentar

Es war ein heikles Terrain, auf dem sich die Wirtschaftsschule mit der Zustimmung des Stadtrates vergrößern wollte - im Glacis und nah am Turm Baur.Die Einrichtung hätte sich damit keinen Gefallen getan, auch wenn sie sich verständlicherweise gerade an jeden Strohhalm klammert, der eine Lösung für ihre Not durch fehlende beziehungsweise sanierungsbedürftige Räume verspricht. Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten beim Bau vom Museum für Konkrete Kunst und Design sowie dem Kongresszentrum sollte man sich schon genau überlegen, ob man riskiert, in den Boden zu gehen, wenn im Boden archäologische Funde zu erwarten sind. Der avisierte Standort im Südosten verspricht dagegen, eine gute Lösung zu sein. Sollte jetzt alles wie erwartet mit dem Umzug der FCI-Traningsplätze über die Bühne gehen, dürfte auch der neuen Heimat der Wirtschaftsschule nicht mehr viel im Wege stehen. 
Thorsten Stark
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