Montag, 20. August 2018
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Neubau der Mittelschule Südost: Tauschgeschäft mit dem FCI auf Kosten eines Landschaftsschutzgebietes

Kahlschlag zum Trainingsauftakt

Ingolstadt
erstellt am 09.08.2018 um 20:36 Uhr
aktualisiert am 13.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Bereits am 9.Mai hat der Stadtrat einstimmig die Weichen dafür gestellt, dass der FC Ingolstadt zwei Trainingsplätze neben der Paul-Wegmann-Halle aufgibt und dafür Ersatz bekommt. Die Politiker haben offenbar kaum geahnt, welche Folgen der Beschluss für ein Landschaftsschutzgebiet hat.
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Grüner Blick aufs Stadion: In unmittelbarer Nähe des Audi-Sportparks soll ein neuer Hybridrasenplatz angelegt werden ? zu einem großen Teil im bestehenden Landschaftsschutzgebiet. Die Verträglichkeit des Eingriffs wird derzeit von der Regierung von Oberbayern geprüft.
Grüner Blick aufs Stadion: In unmittelbarer Nähe des Audi-Sportparks soll ein neuer Hybridrasenplatz angelegt werden - zu einem großen Teil im bestehenden Landschaftsschutzgebiet. Die Verträglichkeit des Eingriffs wird derzeit von der Regierung von Oberbayern geprüft.
Eberl
Ingolstadt
Das Votum vom Mai fiel in nichtöffentlicher Sitzung und hat folgenden Hintergrund: Der Verein FC Ingolstadt ist in der Rechtsnachfolge des ESV Ingolstadt Nutzer zweier Trainingsplätze in der Bezirkssportanlage Südost. Da jedoch Schulreferent Gabriel Engert diese Flächen fest eingeplant hat für den Neubau der Mittelschule, sollen die Fußballer weichen. "Wenn wir dem FC die Flächen entziehen, müssen wir ihm Alternativen anbieten", sagte Engert auf Anfrage. Nach den Worten des Referenten ist man mit dem Verein übereingekommen, dass ein neues Hybridrasenfeld - Mischung aus Kunst- und natürlichem Rasen - geeignet wäre.

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Die bisherige Planung sieht vor, dass südlich des Fußballstadions der Platz entstehen sollte. Dadurch würden etwa 100 Parkplätze der Stadttochter IFG verloren gehen. Aber auch das nahe Landschaftsschutzgebiet ("Auwaldreste südlich der Wankelstraße") wäre stark in Mitleidenschaft gezogen. "Wenn es genehmigt wird", erklärt Engert, "würde der FCI im nächsten Jahr bauen. Für uns wäre das total wichtig, weil wir mit den Vorbereitungen für die Mittelschule beginnen wollen." Bis zum Jahr 2023 soll die Schule stehen. Den Standort des FC-Spielfeldes hält der städtische Kulturchef "in Abwägung aller Argumente für machbar und vertretbar".

Laut Stadtratsbeschluss wird das Nutzungsrecht des FCI an den früheren ESV-Flächen finanziell abgelöst, zusätzlich erhält der Verein einen Investitionszuschuss, wie er in den Sportförderrichtlinien vorgesehen ist. Und für den neuen Standort in der Nähe des Sportparks wird zugunsten des Fußballvereins ein Erbbaurecht bis 2052 bestellt. Dies geht aus den Unterlagen vom Mai hervor. Nur ganz am Rande werden in der internen Vorlage die notwendigen "Baumfällarbeiten für ca. 60 Bäume" erwähnt.

Als die Stadträte ihr Plazet gaben, hatte bereits zwei Monate vorher der Naturschutzbeirat geschlossen gegen diese Eingriffe in das Schutzgebiet gestimmt. Das prinzipiell hinter verschlossenen Türen tagende Gremium besteht aus ehrenamtlich tätigen Fachleuten. Vertreten sind dort Jagdverband und Kreisfischereiverein, Bauernverband und Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Entomologische Gesellschaft.

Laut Schutzgebietsverordnung von 1996 sollen in dem 17 Hektar großen Areal "die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, insbesondere die naturnahen Auenbiotope, bestehend aus Weichholz- und Hartholzauresten, verlandeten Altwässern und Gebüschaufwuchs mit Magerrasenresten" erhalten werden, ebenso als ein "wertvolles Rückzugsgebiet im Gewerbegebiet für die auf diese Lebensräume spezialisierten Tier- und Pflanzenarten". Die "natürliche Entwicklung der Lebensgemeinschaften" soll gewährleistet werden, heißt es weiter.

Eine ganze Reihe von "Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern können", müssen laut Verordnung vorher ausdrücklich von der Unteren Naturschutzbehörde abgesegnet werden. Dazu zählt die Errichtung von "Camping-, Sport- und Spielplätzen". Vom DK dazu befragt, erklärte der städtische Umweltreferent Rupert Ebner: "Ich wünsche mir, dass dieser Eingriff in die Natur nicht stattfindet." Der Ressortchef hält es auch aus der Sicht der Bevölkerung und der FC-Fans für wenig sinnvoll, die Parkplätze am Stadion für das Trainingsfeld herzunehmen.

Ebner zufolge hat die bisherige Suche nach Alternativen - etwa in der Fohlenweide oder vielleicht auch jenseits der Stadtgrenze auf Großmehringer Gebiet - keinen Erfolg gebracht. "Ziel muss eine gemeinsame Anstrengung aller Verantwortlichen sein", findet der Stadtreferent, "eine gesellschaftlich akzeptable Lösung zu finden."

Der Bauantrag für den Hybridrasenplatz von Vereinspräsident Peter Jackwerth liegt seit Februar bei der Stadt vor. Geschäftsführer Franz Spitzauer betonte zwar auf DK-Anfrage, dass er dazu nicht als Vereinssprecher Stellung nehme, aber die Verhandlungen in dieser Sache geführt habe. "Aus meiner Sicht ist das nicht die beste Lösung, aber sie ist alternativlos."

Spitzauer hätte es vorgezogen, wenn auf dem nahen IN-Campus-Gelände eine passende Fläche zur Verfügung stünde. "Dann hätten wir mit Audi gesprochen." Doch da sich die Altlastensanierung noch länger hinziehen werde, komme das Gebiet vorerst nicht infrage. "Wir warten jetzt mal, was passiert", so der FC-Geschäftsführer, der Ball liege gewissermaßen im Feld der Stadt.

Umweltreferent Ebner hat nach der Ablehnung des vorgesehenen Standortes durch den Naturschutzbeirat die Regierung von Oberbayern um eine Stellungnahme gebeten. Deren Pressesprecherin Verena Gros teilte dem DK gestern mit, dass "eine abschließende Beurteilung" der Sache noch nicht möglich sei. "Im Wesentlichen geht es darum, ob es sich noch um einen begrenzten Eingriff handelt oder ob damit negative Auswirkungen auf das Landschaftsschutzgebiet insgesamt verbunden sind." Das Schutzgebiet, so Gros, beschränke sich "in diesem Bereich auf einen schmalen Uferstreifen beidseits des Auengerinnes; durch den Trainingsplatz würde der verbleibende Korridor um mehr als die Hälfte verschmälert".

Kommentar

Von Reimund Herbst


Trotz der vergeigten Weltmeisterschaft in Russland ist der Fußball nach wie vor die mit Abstand beliebteste Sportart in Deutschland. Große Vereine sind Sympathieträger, davon können Städte profitieren und ihren Bekanntheitsgrad erhöhen. Das gilt auf Champions-League-Niveau ebenso wie derzeit etwas bescheidener in der Zweiten Liga für Ingolstadt und den FCI. Genau das Gegenteil von Sympathiewerbung wäre es jedoch, wenn man ausgerechnet einen neuen Trainingsplatz für Jugendmannschaften mit schmerzhaften Eingriffen in ein Landschaftsschutzgebiet erkaufen müsste. Auch der Namensgeber des Audi-Sportparks tut sich keinen Gefallen, wenn er mit Millionenaufwand eine verseuchte Industriebrache wie das ehemalige Raffineriegelände vorbildlich saniert, während gleich nebenan für einen Hybridrasenplatz die Bäume fallen. Das gefährdete Landschaftsschutzgebiet heißt offiziell "Auwaldreste südlich der Wankelstraße". Das ist keinesfalls als Appell an die Stadt zu verstehen, dass sie dem Auwald den Rest geben sollte.

 
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