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CSU-Kandidat Reinhard Brandl holt das Direktmandat für den Bundestag mit Verlusten – Starke AfD

Wahlsieger ohne Siegerlächeln

Ingolstadt
erstellt am 24.09.2017 um 23:43 Uhr
aktualisiert am 28.09.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Reinhard Brandl (CSU) sichert sich mit 49,53 Prozent zum dritten Mal das Direktmandat für den Bundestag. Allerdings musste er erhebliche Verluste hinnehmen – ebenso wie seine Partei. Die großen Gewinner sind die AfD, die zweitstärkste Kraft im Wahlkreis wurde, und die FDP.
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Ingolstadt: Zufriedenheit sieht anders aus: CSU-Kreisvorsitzender Hans Süßbauer gibt den Sieg des Direktkandidaten Reinhard Brandl (rechts) bekannt. In der Mitte lehnt die Landtagsabgeordnete Christina Haderthauer ? ebenfalls wenig begeistert ? am Tresen.
Zufriedenheit sieht anders aus: CSU-Kreisvorsitzender Hans Süßbauer gibt den Sieg des Direktkandidaten Reinhard Brandl (rechts) bekannt. In der Mitte lehnt die Landtagsabgeordnete Christina Haderthauer – ebenfalls wenig begeistert – am Tresen.
Hauser
Ingolstadt

Um 21.30 verkündete der Wahlleiter das amtliche Endergebnis für den Wahlkreis 216 – doch da wusste man schon längst, dass diese Wahl für Gesprächsstoff sorgen würde. Schon nach den ersten ausgezählten Wahlkreisen war klar: Die CSU bricht beim Zweitstimmenergebnis ein – am Ende landete sie bei 41,69 Prozent (2013: 61,5 Prozent) –, die SPD (13,36) marginalisiert sich weiter (2013: 16,5), und die AfD schickt sich an, die Sozialdemokraten beim Zweitstimmenergebnis zu überholen: 15,13 Prozent der Wählerstimmen gingen im gesamten Wahlkreis an die AfD. In manchen Wahlbezirken der Stadt Ingolstadt übertraf die AfD sogar die CSU. Am deutlichsten war das im Wahlbezirk 232 an der Sir-William-Herrschel-Schule im Nordwesten der Fall: 35,69 Prozent der Wähler gaben dort ihre Stimme den Rechtspopulisten, die CSU erhielt gerade einmal 26,16 Prozent. Nicht nur der scheidende ÖDP-Fraktionschef Franz Hofmeier, der die Auszählung gestern Abend im Rathaus mitverfolgte, sprach von einer „Zeitenwende“.

Ein weiterer Gewinner der Wahl war die FDP: 9,38 Prozent der Zweitstimmen vereinten die Freien Demokraten auf sich, im Ingolstädter Stadtgebiet waren es sogar 10,91 Prozent. Damit waren sie nach ihrem Absturz 2013 (4,3 Prozent) wieder fast so stark wie 2009 (12,3).

Ebenfalls zulegen konnten die Grünen: Sie holten 7,22 Prozent (2013: 6,2). Die Linke erreichte 5,38 Prozent, auch deutlich mehr als bei der vorherigen Wahl (3,6). Die Freien Wähler bewegten sich dagegen im selben Rahmen wie 2013: Sie erhielten 3,0 Prozent der Stimmen. Die ÖDP (2013: 1,2 Prozent) erhielt diesmal sogar weniger Stimmen als die Bayernpartei, die 1,0 Prozent kam.

Immerhin erhielt ÖDP-Kandidat Jakob Sedlmeier 1,46 Prozent, eine leichte Verbesserung gegenüber 2013 (1,3). In seiner Heimat Kösching wählten ihn sogar 2,8 Prozent. Die Ingolstädterin Angela Mayr bekam insgesamt 3,89 Prozent und damit mehr als in der Stadt selbst (3,28). Dem Linke-Kandidaten Roland Meier gelang es als Nachfolge-Kandidat der langjährigen Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter auf Anhieb, mehr Stimmen als seine Vorgängerin zu erhalten (4,83 statt 3,9 Prozent). Etwas mehr gelang FDP-Kandidat Jakob Schäuble: Ihn wählten 5,10 Prozent im gesamten Wahlkreis. Und obwohl sie angekündigt hatte, künftig nicht mehr kandidieren zu wollen, wählten die Grüne Agnes Krumwiede diesmal immerhin 6,31 Prozent (2013: 6,5). Das drittstärkste Ergebnis im Wahlkreis mit 13 Prozent holte die Neuburgerin Christina Wilhelm (AfD), nur wenig mehr Stimmen erhielt SPD-Kandidat Werner Widuckel (13,59 Prozent, 2013: 16,5). Sie alle werden aber nicht in den Bundestag einziehen – weil sie auf wenig aussichtsreichen Listenplätzen platziert waren und weil Reinhard Brandl erneut per Direktmandat in den Bundestag einzieht. Wieder übertraf er das Zweitstimmenergebnis seiner Partei im Wahlkreis, allerdings verlor er auch etliche Stimmen. Statt 61,5 erhielt er nur 49,53 Prozent der Stimmen. Und in einigen der 175 Wahlkreise musste er AfD-Kandidatin Wilhelm den Vortritt lassen. 2013 hatte er noch jeden Wahlkreis für sich entschieden.

Thorsten Stark
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