Sonntag, 16. Dezember 2018
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Mit der knappen Entscheidung des Stadtrats ist auch das Weihnachtsgastspiel des Circus Krone vom Tisch

Stadtrat lehnt Weihnachtsgastspiel von Circus Krone ab

Ingolstadt
erstellt am 26.07.2018 um 18:31 Uhr
aktualisiert am 30.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Circus Krone muss sein Zelt an Weihnachten woanders aufschlagen als in Ingolstadt. Der Stadtrat sprach sich am frühen Donnerstagabend genauso knapp (24:22 Stimmen) wie überraschend für ein generelles Auftrittsverbot von Zirkussen mit Wildtieren auf städtischen Flächen aus. Darunter fällt das geplante Gastspiel von Krone, der ab 2019 für mindestens fünf Jahre kommen wollte.
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Vor der Sitzung im Rathaus hatten rund 30 bis 40 Aktivisten gegen das geplante Gastspiel von Krone in Ingolstadt demonstriert.
Vor der Sitzung im Rathaus hatten rund 30 bis 40 Aktivisten gegen das geplante Gastspiel von Krone in Ingolstadt demonstriert.
Foto: Eberl
Ingolstadt
Auf dem Weg ins Rathaus mussten die Stadträte durch ein Spalier von Tierrechtsaktivisten, die mit    Transparenten und Plakaten gegen das Wintergastspiel von Krone protestierten. Ursprünglich sollte es in der Vollversammlung nur um den vorliegenden Vertrag mit dem Zirkus gehen, den das städtische Kulturamt ausgearbeitet hatte. Ergänzend reichten die Grünen aber auch einen weitergehenden Antrag ein, der ein generelles Verpachtungsverbot von städtischen Flächen an Zirkusse vorsieht, die dort Wildtiere auftreten lassen wollen.  Die Frage solle „hopp oder topp“ beantwortet werde,  sagte Christian Höbusch von den Grünen. Er sprach von einer Frage der Moral und der „Wertabsichten“. Dem stimmte OB Christian Lösel zu: „Es ist am Ende des Tages eine Frage der persönlichen Einstellung.“

Zirkus um den Circus

 

 
In mehreren Runden in Ausschüssen hatten die Stadträte das Zirkus-Thema durchgekaut und die Argumente ausgetauscht. Um artgerechte Haltung, die „ethisch moralische Frage des Umgangs“  (Gerd Werding/UDI),  Sicherheitsbedenken, wegfallende Parkplätze  (beides Hans Stachel/FW) oder auch den Wunsch nach  Bundesgesetzgebung   (Dorothea Soffner/UDI) ging es gestern auch wieder, aber teils sehr kurz.
 
Denn der Hauptaufreger vor der Abstimmung war ein Dokument, das den Stadträten vom städtischen Rechtsamt jetzt erst zur Verfügung gestellt wurde. Seit Dezember lag bei der Verwaltung die Stellungnahme der Regierung von Oberbayern zur Frage der Rechtmäßigkeit  des „Quasi-Verbots“ von Auftritten vor. Darin bekundet die Rechtsaufsichtbehörde, dass sie angesichts der offenen Rechtslage eine „Widmungsbeschränkung“  − wie das Nicht-Vermieten des Volksfestplatzes an Zirkusse mit Wildtieren verwaltungstechnisch erfolgen müsste − nicht beanstanden würde.  Bisher hatte die Meinung vorgeherrscht, dass ein solches Vorgehen sofort beanstandet werden würde. Zumindest  habe  das Rechtsamt „tendenziös“ diesen Eindruck vermittelt, kritisierte  Höbusch. 
 
Rechtsrefent Dirk Müller entschuldigte sich öffentlich für die späte Übersendung der Regierungs-Antwort, erklärte aber auch: „Die bringt uns nicht weiter.“ Letztlich käme es auf die Gerichte und den jeweiligen Einzelfall eines  Auftrittsverbotes an. Dennoch kam unvermindert Kritik. Die Stellungnahme sei verschwiegen und man bewusst dumm gehalten worden, mutmaßte sogar Hans Stachel (FW).
Ob das Dokument der Bezirksregierung einen Einfluss auf das Abstimmungsergebnis hatte, ist offen. Am Ende kamen 24 Stimmen aus allen Lagern (auch von CSU und FW) für ein Verbot zusammen, nur 22 Stadträte waren dagegen. Ingolstadt reiht sich damit ein in die Gruppe der 100 deutschen Städte, die ein Wildtierverbot für Zirkussen beschlossen haben. Davon ist nun auch das Wintergastspiel betroffen, das damit vom Tisch ist.
 
Gegenüber dem DONUKURIER  zeigte sich Frank Keller, der Tierschutzbeauftragte  des Circus Krone, sehr enttäuscht über das Ergebnis. „Wir müssen das akzeptieren, hätten es aber nie erwartet“, sagte er im Rathaus und kritisierte die Verbotsbefürworter im Stadtrat, die  sich „von solchen Gruppen instrumentalisieren lassen“. Gemeint waren Peta und die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern, deren Online-Petition mehr als 100 000 Menschen unterzeichnet hatten. „Die haben von Tierhaltung keine Ahnung“, sagte Keller. Er schloss, ehe er die schlechte Nachricht telefonisch nach München überbrachte:  „Kommen wir eben nicht nach Ingolstadt, sondern in die Städte, in denen wir erwünscht sind. Da gibt es noch viele.“
 

KOMMENTAR

 
Ingolstadt setzt ein Zeichen! Das war so sicherlich nicht unbedingt zu erwarten. Zumindest nicht in Verbindung mit dem Circus Krone. Denn der ist, wie es in der Stadtratssitzung zurecht hieß, nicht der Zirkus Brumbach, sondern  eine große Nummer. Doch selbst diese Zeit geht, zumindest für  die Wildtiere im Programm, in Deutschland wohl unweigerlich  zu Ende. Ingolstadt wird nur der nächste gefallene Dominostein sein, dem weitere folgen. Die Stadträte haben darüber ohne Fraktionszwang entschieden − und entscheiden können.  Das war der richtige Weg, um dem Thema Umgang mit Tieren gerecht zu werden. Diese Frage musste jeder der Lokalpolitiker für sich beantworten. Man darf Wildtiere im Zirkus sehen wollen oder nicht. Der Stadtrat ist mehrheitlich dagegen. Und das mit einem Gastspielvertrag  für Circus Krone über fünf Jahre auf dem Tisch. Diese Nachricht wird  weit hallen.
 
 
Christian Rehberger