Mittwoch, 16. Januar 2019
Lade Login-Box.

Publikum auf der vergeblichen Suche nach dem Ei

erstellt am 17.07.2003 um 17:41 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 11:40 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Am Anfang steht die Frage nach dem Ei. Gerade eben noch war es da, jetzt ist es weg. Und dabei haben wir doch so genau aufgepasst, haben seinen Weg von der Hand in die schwarze Tasche mitverfolgt. Fast schon in Zeitlupe hat uns Sven Catello, der an diesem Abend mit seinem Partner Dario in der ausverkauften Neuen Welt auf der Bühne steht, teilhaben lassen an diesem Trick. Und doch ist das Ei verschwunden. Und wir wissen partout nicht wohin. "Das Duell" nennen die beiden Zauberer ihr aktuelles Programm, wobei eine Publikumsjury nach zwei Stunden Entertainment sowie vielen Kunststücken und Zaubertricks zu entscheiden hat, wer von beiden der Bessere ist.
Textgröße
Drucken
ä

MUSIKSZENE

Es sind schon beeindruckende Dinge, die da passieren. So bleibt die Herkunft diverser Münzen ungeklärt, die Sache mit den verbogenen Gabeln höchst mysteriös und man steigt auch nicht dahinter, warum ein eben noch mit Wasser gefüllter Becher plötzlich leer ist. Der Trick mit den zu erratenden Spielkarten ist etwas schlichter, weil man sich schon denken kann, dass die Weichen zur Lösung schon in der Phase des Austeilens gestellt werden. Aber wie auch immer. Amüsant sind sie alle, diese optischen Täuschungsmanöver, und Catello & Dario wissen auch, wie man sie zelebriert. Da ist zunächst einmal die gezielte Ablenkung des Zuschauers. Freiwillige Helfer werden rekrutiert, alles wird ganz genau erklärt und demonstriert, aber man kann sich ziemlich sicher sein, dass die Täuschung genau da abläuft, wo man gerade nicht hinschaut. Immens wichtig ist, dass Regieanweisungen absolut exakt gegeben werden. Ist das einmal nicht der Fall, fällt der Trick in sich zusammen. So geschehen bei der Sache mit dem Giftpokal. Das aber bleibt die einzige Panne innerhalb zwei Stunden, und die Verblüffung über die zuerst leeren und dann plötzlich bunten Bilder in einem Malbuch entschädigen postwendend. Und was man nicht vergessen sollte: die eigentlich größte Leistung der beiden Zauberer liegt in der Selbstverständlichkeit, mit der sie einen voll besetzten Saal manipulieren, indem sie das Ergebnis der Jury vorhersagen, nein, anders herum, wie sie die Jury dazu bringen, genau so abzustimmen, wie die beiden sich das vorher ausgedacht hatten. Irgendwas muss da den ganzen Abend über unterschwellig abgelaufen sein, nichts Genaues aber weiß man natürlich nicht. Soll man ja auch nicht, sonst wäre es nicht mehr Zauberei.

Die alles entscheidende Frage jedoch, wo denn nun das Ei war, wenn es nicht da war, ist auch am Morgen nach der Show von Sven Catello & Dario immer noch offen. Irgendwie unbefriedigend, diese Gewissheit, nicht mitgekriegt zu haben, was doch genau vor unserer Nase passiert ist. Aber auch beruhigend andererseits, weil der Kitzel ja den Reiz eines Zauberabends ausmacht. Karl Leitner

Donaukurier
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!