Dienstag, 16. Oktober 2018
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Einige negative Vorfälle belasten die Barthelmarkt-Bilanz der Polizei

Katerstimmung

Ingolstadt
erstellt am 28.08.2018 um 21:20 Uhr
aktualisiert am 01.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt/Oberstimm (DK) Die letzte Maß am Barthelmarkt ist ausgeschenkt, auch der längste Rausch ausgeschlafen. Doch die Polizei muss weiter arbeiten. Wie erst gestern bekannt wurde, warf jemand am Sonntag ein Messer mitten in die feiernde Menge im Herrnbräuzelt, zum Glück, ohne jemanden zu verletzen. Die Kripo ermittelt wegen eines möglichen Sexualdelikts - und Ex-Fußballprofi George Mbwando hat Anzeige erstattet, weil er rassistisch beleidigt und geschlagen wurde.
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Barthelmarkt-Montag
Kölbl
Ingolstadt
Er hatte seine Cousine und weitere Leute aus den USA zu Besuch. Ingolstädter Innenstadt und das Audi-Werk waren schon besichtigt. "Ich dachte, der Barthelmarkt wäre eine gute Idee, um die bayerische Kultur kennenzulernen", sagt George Mbwando (kleines Foto) , der Ex-Fußballnationalspieler Simbabwes, der seit vielen Jahren in Ingolstadt lebt und inzwischen als Trainer der SpVgg Hofstetten arbeitet. Und sein Besuch war auch sehr gespannt. Also fuhren sie am Sonntagabend nach Oberstimm. Ein Freund habe ihn gewarnt, der Barthelmarkt um diese Zeit sei kein Ort für einen dunkelhäutigen Mann, sagt Mbwando. Doch das habe er ignoriert. Sie waren im Herrnbräuzelt, tanzten, trafen nette Leute, der Besuch war begeistert.

Das änderte sich dann allerdings kurz nach dem Rausgehen gegen halb zwölf. Sie gingen an einer Gruppe von sechs Männern vorbei - Mbwando glaubt, dass es sich um Spieler einer Fußballmannschaft aus der Region handelt - und wurden laut Mbwando von diesen aufs Übelste beleidigt. "Geht zurück in den Busch - und wenn nicht, schicken wir euch in die Gaskammer!", hätten die Männer gerufen. Und dann sei auf einmal eine Faust in seinem Gesicht gelandet, sagt Mbwando. "Das hätte ich auch nicht gedacht, dass mir sowas einmal ohne Vorwarnung in Bayern passiert." Sein Besuch sei ebenso wie er und seine Frau, die auch dabei war, schockiert gewesen.

Die Stimmung habe sich gedreht, sagt Mbwando. "In den späten 90ern, als ich hier angekommen bin, war ich willkommen und habe nie Probleme gehabt." Inzwischen aber versuche er jegliche Plätze zu meiden, an denen Gewaltpotenzial vorhanden sei - mit Ausnahme des Barthelmarktbesuchs am Sonntag, mit den bekannten Folgen. Sein Gesicht sei durch den Schlag so geschwollen gewesen, dass er zumindest einen Tag lang nichts essen konnte, sagt Mbwando.

Gestern erstattete er, nachdem er den Vorfall schon am Montag auf Facebook gepostet hatte, Anzeige bei der Polizei, die nun Zeugen des Vorfalls sucht.
 
George Mbwando
Ingolstadt



Die Männer habe er zwar nicht gekannt, er würde sie aber wiedererkennen, erklärt der 42-Jährige. Mut habe ihm die Reaktion eines Beobachters der Szene am Barthelmarkt gemacht: "Der kam sofort zu mir und sagte: ,Bruder, vergiss, was die sagen.'"

Nichts mit dem Vorfall hat eine andere Szene mit offenkundig fremdenfeindlichem Hintergrund zu tun: Laut Polizei wurden am Sonntag drei Ingolstädter beim Aufmalen von Hakenkreuzen und SS-Runen auf ihre Arme beobachtet. Einer von ihnen soll sich auch "Türken raus" auf den Mittelfinger geschrieben haben. Alle drei wurden angezeigt.

Viel Glück war Sonntag gegen 23.40 Uhr im Herrnbräuzelt im Spiel: Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte ein Unbekannter seinen Hirschfänger - ein Messer, das Männer als Accessoire zur Lederhose mit sich führen - mit mutmaßlich voller Wucht in die feiernde Menge geschleudert. Laut Polizei traf er damit eine 26-Jährige auf Höhe ihres Oberschenkels. Die Frau blieb aber unverletzt: Die Messerspitze hatte sich in die integrierte Handytasche ihres Dirndls gebohrt und war im Mobiltelefon steckengeblieben - das freilich danach nicht mehr funktionierte. Die 26-Jährige hatte den Vorfall erst angezeigt, als ihr die Tragweite bewusst geworden war. Vom Messerwerfer liegen der Polizei bis dato keine Hinweise vor, eine Bedienung hatte das Messer nach dem Vorfall weggeräumt. Hinweise zu den Vorfällen nimmt die Polizeiinspektion unter Telefon (0841) 9343-2222 entgegen.

Außerdem geht die hiesige Kriminalpolizei einem möglichen Sexualdelikt nach, wie die Polizei gestern meldete. Aus "ermittlungstaktischen Gründen" könne man derzeit aber nicht mehr dazu sagen, erklärte ein Kriposprecher auf Nachfrage.

Ansonsten sei der Barthel-markt "weitestgehend friedlich" verlaufen, bilanziert die Polizei. Elf Körperverletzungen, drei Widerstände gegen Polizeibeamte, sieben Diebstähle, fünf Beleidigungen, zwei Beschädigungen und zwei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz tauchen in der Statistik auf, "vergleichsweise wenig" bei 200.000 Besuchern.
 

Kommentar von Thorsten Stark

Das Thema Sicherheit spielte in diesem Jahr auf dem Barthelmarkt öffentlich eine weniger große Rolle als in den Vorjahren, vielleicht hätte man genauer hinsehen müssen - die Kontrollen besonders an den Zelteingängen waren jedenfalls höchst unterschiedlich intensiv, so dass es kaum verwundert, dass plötzlich ein Messer durch ein pulsierendes Festzelt fliegen konnte. Ganz klar: Ein Hirschfänger hat auf so einer Massenveranstaltung, bei der viel Alkohol im Spiel ist, nichts verloren. Und darauf sollten die Securitymitarbeiter peinlichst genau achten. Nur durch pures Glück ist am Sonntagabend nichts Schlimmes passiert. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, hätte die Frau keine Handytasche an ihrem Dirndl gehabt.

Weniger leicht verhindern lassen sich Vorfälle wie der, den George Mbwando erlebt hat. Wenn aber beispielsweise die Firma Lanzl bei einem Barthel-markt-Gewinnspiel schon Teilnehmer extra darum bitten muss, keine rassistischen Gruppennamen zu vergeben, wäre eine Erklärung der Veranstalter angebracht: Rassismus hat auf dem Barthelmarkt nichts verloren.
Thorsten Stark
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