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Gewerkschaften, Kommunen und Unternehmen wollen gemeinsam Mobilitätstechnologie für die Lüfte voranbringen

Aufstieg in die dritte Dimension

Ingolstadt
erstellt am 14.09.2018 um 20:27 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Zukunft der Mobilität begann für Christian Lösel vor einigen Wochen vermutlich noch heller zu leuchten als bisher.
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Absichtserklärung für moderne Luftfahrttechnologie made in Ingolstadt: Am Freitag wurde das Dokument unterzeichnet. Sitzend von links: Bernhard Stiedl (DGB), OB Christian Lösel, Peter Mosch (Audi- Betriebsrat) und Thomas Pretzl (Airbus-Betriebsrat). Stehend von links: Martin Wolf (Landrat von Pfaffenhofen), Roland Weigert (Landrat von Neuburg-Schrobenhausen), Anton Knapp (Landrat von Eichstätt), Andreas Thellmann (Airbus), Prof. Harry Wagner (THI), Dieter Kräher (WTD 61) und Josef Köcher (Airbus
Absichtserklärung für moderne Luftfahrttechnologie made in Ingolstadt: Am Freitag wurde das Dokument unterzeichnet. Sitzend von links: Bernhard Stiedl (DGB), OB Christian Lösel, Peter Mosch (Audi- Betriebsrat) und Thomas Pretzl (Airbus-Betriebsrat). Stehend von links: Martin Wolf (Landrat von Pfaffenhofen), Roland Weigert (Landrat von Neuburg-Schrobenhausen), Anton Knapp (Landrat von Eichstätt), Andreas Thellmann (Airbus), Prof. Harry Wagner (THI), Dieter Kräher (WTD 61) und Josef Köcher (Airbus).
Hauser
Ingolstadt
Obwohl es schon 22 Uhr war, und der OB im Urlaub weilte. An diesem fortgeschrittenen Abend erhielt Lösel eine E-Mail von Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB-Stadtverbands Ingolstadt. Der schrieb: Der Gewerkschaftsbund repräsentiere 70000 Beschäftigte in der Region. Man wolle gerne dazu beitragen, gemeinsam mit der Stadt, den Landkreisen, den Unternehmen Airbus und Audi sowie der Technischen Hochschule neue Mobilitätstechnologie zu fördern, um die Arbeitsplätze der Zukunft am Standort zu sichern. "Über diese Mail habe ich mich sehr gefreut! ", erzählte Lösel am Freitag. Trotz Urlaubs habe er Stiedl "nach 20 Minuten geantwortet".

Das Ergebnis dieser Solidaritätsanbahnung des DGB lag im Historischen Sitzungssaal auf dem Tisch: ein "Manifesto of Intent Urban Air Mobility". Dieser eher barocke Titel bedeutet: Absichtserklärung, um gemeinsam moderne Technik für die Lüfte über den Städten auf den Weg zu bringen; konventionelle Verkehrsteilnehmer kennen diese Innovationsoffensive unter dem Sammelbegriff Flugtaxi. Lösel geht erfreut auf die ausgestreckten Händen der Gewerkschafter und Betriebsräte zu. Ihn treibt die Sorge um, die Region Ingolstadt könne im harten internationalen Wettbewerb um die Mobilitätstechnologie von morgen - Stichworte Digitalisierung, Drohnen, E-Autos, autonomes Fahren - auf der Strecke bleiben. "Wir müssen versuchen, unsere Arbeitsplätze, die Qualität unseres Standorts und damit unseren Wohlstand zu erhalten. Dabei können wir gar nicht genug Unterstützung bekommen! "

Lösel weiter: Was bei diesen Anstrengungen herauskomme, "wissen wir noch nicht, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt". Er erinnerte daran, dass einst der mp3-Player und das Videosystem VHS in Deutschland entwickelt wurden, doch dann nur ausländische Unternehmen damit reich wurden. Das dürfe nie wieder passieren! Am Rande: In diese Reihe deutscher Erfindungen, die erst fern der Heimat aufblühten, ließe sich übrigens auch das Elektroauto einfügen.

Bernhard Stiedl begann seine Rede mit einem Luftfahrtklassiker: das Fliewatüüt von Robbi und Tobbi. "50 Jahre nach dem Erscheinen dieses Kinderbuchs rückt der Traum eines Fortbewegungsmittels, welches fährt und fliegt, der Realität ein Stück näher. " Dabei gehe es "auch darum, Emissionen zu senken - das wird in der öffentlichen Debatte oft vergessen". Wer die Zukunft des Verkehrs planen wolle, müsse neue Wege gehen, der Luftraum, "also die 3. Dimension, ist einer davon". Jede Entwicklung, betonte der DGB-Chef, müsse aber "faire Arbeitsbedingungen" bieten und fest auf dem Boden "der Sozialpartnerschaft bleiben, die bei uns in der Region so hoch gehalten wird". Stiedl dankte Lösel: "Schön, dass Sie im Urlaub noch um 22 Uhr meine E-Mail beantwortet haben! " Für einen Gewerkschafter ist das eine bemerkenswerte Aussage.
Christian Silvester
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