Dienstag, 18. Dezember 2018
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Umzug in vollem Gang: Das Landratsamt Eichstätt verlegt Dienststelle Ingolstadt nach Lenting

Auf gepackten Koffern

Ingolstadt
erstellt am 06.12.2018 um 20:37 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Seit 1984 befand sich die Dienststelle Ingolstadt des Landratsamts Eichstätt in direkter Nachbarschaft zum Landgericht Ingolstadt an der Straße Auf der Schanz. Nun zieht die Behörde um in den Landkreis. Neues Domizil ist ein Neubau in Lenting. Seit gestern rollen die Umzugswagen.
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Umzugsstress auf allen Etagen: In der Dienststelle helfen alle mit. Im Erdgeschoss ist alles verpackt, die Zulassungsstelle ist bereits am Mittwoch nach Lenting verlegt worden (Foto oben rechts, im Hintergrund Gerhard Huber). Die Sachbearbeiterinnen Marion Margraf und Eva Weber verpacken Akten (Foto unten links). Und draußen wartet schon der Umzugswagen.
Umzugsstress auf allen Etagen: In der Dienststelle helfen alle mit. Im Erdgeschoss ist alles verpackt, die Zulassungsstelle ist bereits am Mittwoch nach Lenting verlegt worden (Foto oben rechts, im Hintergrund Gerhard Huber). Die Sachbearbeiterinnen Marion Margraf und Eva Weber verpacken Akten (Foto unten links). Und draußen wartet schon der Umzugswagen.
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Rund 100 Arbeitsplätze werden verlegt. "Das sind zwölf Kilometer laufende Akten in 3500 Kartons auf Rollwagen", rechnet Matthias Schirmer vor. Hinzu kämen noch einmal etwa 1200 Umzugskartons. Schirmer ist Hausmeister in der Dienststelle, kümmerte sich in den vergangenen sechs Wochen um die Koordination des Umzugs. "Wir haben im dritten Stock begonnen, falls der Aufzug ausfällt. Dann muss nicht alles die Treppe heruntergetragen werden", sagt er. Vorwiegend sind es Kisten, Kartons, Rollregale und einige Grünpflanzen, die auf ihren Transport warten.
 
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Zwei verblasste Bilder mit Jurahäusern darauf, die auf einer Etage hängen, bleiben wohl zurück - ebenso wie alle Möbel. "Bis auf einige Lieblingsstücke", sagt Gerhard Huber, Fachbereichsleiter Sozialhilfe und Vorstand des Personalrats an der Dienststelle. Auch er sitzt am Donnerstagvormittag bereits auf gepackten Koffern. Sein Büro ist bis auf wenige Dinge leergeräumt. Nur der Computermonitor und einige Unterlagen befinden sich noch hier. Huber ist seit 1976 im Landratsamt beschäftigt, das damals noch im heutigen Landgerichtsgebäude untergebracht war, bis es nebenan in den Neubau umzog. Als Ingolstädter packe ihn schon ein wenig die Wehmut, räumt er ein. "Mit dem Rad zur Arbeit fahren, das ist jetzt nicht mehr so einfach, aber es hilft nichts", sagt er.
 
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So wie er denken auch andere Mitarbeiter. "Mir hat es hier gut gefallen. Ich werde die Mittagsvisite im Medizinhistorischen Museum vermissen, die ich in der Pause oft besucht habe, aber auch den Park mit der frischen Luft hinter dem Haus", sagt Helmut Justin, der seit fast 30 Jahren im Jugendamt arbeitet. Seine und die Bedenken anderer Beschäftigter haben zudem einen praktischen Hintergrund. "Die Fahrtzeiten sind jetzt länger, wenn ich dienstlich zum Gericht nach Ingolstadt muss", sagt er.
 
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"Der zentrale Standort in Ingolstadt war gut für die Synergieeffekte", ergänzt Huber. So sei die Behörde näher an den Wohlfahrtsverbänden, der Diakonie und der Schuldnerberatung gelegen gewesen - gängige Anlaufstellen für die Behörde, da diese auch als Sozialamt für den Landkreis fungiere, so Huber. Die durch die Ringlinie optimierte Busverbindung schaffe für Pendler jedoch eine Erleichterung. Er habe außerdem den Eindruck, dass die jüngeren Mitarbeiter weniger Probleme mit der Umstellung hätten. "Manche haben jetzt einen längeren Weg, andere einen kürzeren. Es wird eben in erster Linie darauf geachtet, was so ein Schritt für den Bürger bringt." Er habe jedoch schon erlebt, dass eine Kundin ihm gesagt hätte, sie hätte den Besuch auf der Dienststelle oft auch mit Erledigungen in Ingolstadt wie einem Arztbesuch verbunden.

Plötzlich kam der Umzug auf die Mitarbeiter freilich nicht zu. "Das ist schon seit gut fünf Jahren bekannt und wurde damals auf der Personalversammlung verkündet", sagt Huber. Er glaubt an eine politische Entscheidung und kann sich erinnern, dass damals in der Belegschaft ein gewisser Unmut zu spüren gewesen sei. Der regt sich hinter vorgehaltener Hand auch am Donnerstag noch und bezieht sich unter anderem auf die Einrichtung der neuen Diensträume. Wer sich seinen Teil wiederum lieber denkt, der ruft auf Nachfrage einfach nur "Kein Kommentar" durch die Flure. Auch, dass es am Standort in Lenting dem Vernehmen nach keine nahe Einkaufsmöglichkeit für die Mittagspause gibt, scheint ein Thema zu sein. "Wir können dort aber die Kantine eines benachbarten Betriebs mitbenutzen. Das Angebot steht", so Huber. Für Schirmer, den Hausmeister, ist das alles offenbar zu verschmerzen. "Ich finde das neue Gebäude toll, denn hier ist vieles sanierungsbedürftig", sagt er. Auch sei er mittags selten in der Stadt gewesen, und die Anfahrt, die ginge aus Buxheim, wo er wohnt, für ihn nun schneller.

Der Umzug soll am heutigen Freitag abgeschlossen werden. Ab Montag, 10. Dezember, ist das neue Dienstleistungszentrum des Landratsamts Eichstätt in der Bahnhofstraße 16 in Lenting dann regulär geöffnet. Wie es mit dem Gebäude Auf der Schanz weitergeht, das entscheide sich voraussichtlich noch im Dezember, so Huber. Es gebe mehrere Bewerber dafür. Verkauft werden soll es demnach wohl nicht. Ein Interessent ist - wie mehrfach berichtet - die Stadt Ingolstadt, die unter anderem auf der Suche nach Räumen für ein fünftes Rathaus ist.
Michael Brandl
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