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Im Wohnviertel Stargarder Straße sollen nicht nur Mieter, sondern drei Tierarten heimisch werden

Auf einen Ratsch in der Spatzenkolonie

Ingolstadt
erstellt am 19.12.2018 um 19:19 Uhr
aktualisiert am 23.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Auch Spatzen brauchen ihren Stammtisch, wo sie mal ganz ungezwungen ratschen und schimpfen können. Da unterscheiden sie sich nicht so sehr vom Menschen. Umso besser, wenn beide sich im geichen Wohnviertel wohlfühlen - wie künftig an der Stargarder Straße, wo die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) ein Modellprojekt vorbereitet.
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Nicolas Armer
Ingolstadt
Das Vorhaben nennt sich Animal-Aided Design im Wohnumfeld und zielt natürlich nicht allein auf das Wohlbefinden des Haussperlings ab. "Wir haben uns beworben und sind eines von zehn Modellprojekten in Deutschland, das einzige in Bayern", sagt Rudolf Wittmann, bei der GWG der Experte in gärtnerischen und ökologischen Fragen, zudem Baumsachverständiger und seit Jahren aktiv beim Landesbund für Vogelschutz. Die Voruntersuchungen stammen von der Technischen Universität München und der Universität Kassel, gefördert wird Animal-Aided Design vom Bundesumweltministerium.

In einem Satz zusammengefasst soll mit dem Projekt schon bei der Planung und Gestaltung eines Wohngebietes an die Lebensbedingungen konkreter Tierarten gedacht werden, damit später die Bewohner das Naturerlebnis quasi live vor der Haustür geliefert bekommen. "Wir wollen diese sterilen Neubaugebiete nicht", lautet das Credo von GWG-Geschäftsführer Peter Karmann, vielmehr wolle man nachdenken, "wie man mit einfachen Mitteln die Natur in die Wohngebiete holen kann. Das ist mit nur wenig Mehraufwand möglich". Speziell das Viertel an der Stargarder Straße, wo 160 neue Mietwohnungen gebaut werden sollen, biete dafür ideale Voraussetzungen durch seine unmittelbare Nähe zu den Donauauen.
 
Caroline Seidel
Ingolstadt



Die GWG steht nun vor der Aufgabe, neben den Wohnungen auch ein passendes Umfeld für drei vorgegebene "Zielarten" zu schaffen: den Haussperling, den Igel (genauer: den Braunbrustigel) und den Admiral, eine Schmetterlingsart.

Wie Experte Wittmann weiß, sind die Spatzen anspruchsvoller, als man gemeinhin denkt. "Der Haussperling hat seine Bedürfnisse, er mag gern Gesellschaft, am besten ein dichtes Gebüsch, wo er sich lautstark mit anderen unterhalten kann." Dann muss eine Nistgelegenheit vorhanden sein, für die Aufzucht der Jungen braucht es in den ersten Wochen Insektenfutter. "Ich muss also mit Blütenpflanzen dafür sorgen, dass Insekten da sind, im Winter Fütterung mit Samen." Auch ohne Trinkwasser und ein Staubbad geht es nicht in der Spatzenkolonie, damit sich die Vögel von Parasiten befreien können. Wittmann: "Kein Landschaftsplaner hat bisher jemals ein Spatzenstaubbad realisiert."
 
Karl-Josef Hildenbrand
Ingolstadt



All diese Wohlfühlfaktoren kosten zwar wenig Geld, aber dran denken muss man halt rechtzeitig. "Wir wollen den Mietern auch zeigen", verspricht der GWG-Ökologe, "dass der Spatz unter ihrem Balkon sein Staubbad hat." Zum Schutz des Igels kommt es unter anderem darauf an, dass der Zaun zur vielbefahrenen Südlichen Ringstraße bis zum Boden reicht, um ein Durchschlüpfen der Tiere zu verhindern. Mit der Art und der Gestaltung der Vegetation sollen die Bedingungen für ein ausreichendes Nahrungsangebot geschaffen werden.

Als durchaus wählerisch erweist sich der Admiralfalter. So ist er für die Eiablage und Larvenentwicklung auf Brennnesseln angewiesen. "Das ist gar nicht so leicht in einem Wohngebiet", glaubt Wittmann. Weitere Bedingung: Um Nektar zu tanken, bevorzugen die Schmetterlinge blühenden Efeu in der Altersform, also sollen die Garagen- und Fahrradhauswände in dem Wohngebiet entsprechend begrünt werden. "Unser Ziel ist es, dass künftig in der Bauleitplanung festgelegt wird, bestimmte Arten zu fördern."
Wohnen im Grünen: An der Stargarder Straße, wo die Gemeinnützige neu bauen will, ist der Gedanke nicht so weit hergeholt. Allerdings ist der Verkehr der vierspurigen Südlichen Ringstraße (links) auch nicht fern.
Wohnen im Grünen: An der Stargarder Straße, wo die Gemeinnützige neu bauen will, ist der Gedanke nicht so weit hergeholt. Allerdings ist der Verkehr der vierspurigen Südlichen Ringstraße (links) auch nicht fern.
Schalles
Ingolstadt



Mit einem engagierten Naturexperten in den eigenen Reihen hat das städtische Wohnungsbauunternehmen schon seit jeher viel für ein naturnahes Umfeld getan, etwa durch Blumenwiesen an den Wohnblocks im Piusviertel. Vor Jahren wurden 150 Nistkästen in den Wohnanlagen aufgehängt. Für Geschäftsführer Karmann eine Erfolgsmeldung: "Alle vermietet!"


Das neue Viertel soll binnen drei Jahren Gestalt annehmen.
Das neue Viertel soll binnen drei Jahren Gestalt annehmen.
Visualisierung GWG
Ingolstadt






 
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