Montag, 12. November 2018
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Zitat von Ingolstädter Bürgermeister im Radio sorgt für Wirbel

5000 Stellen weg? Audi dementiert

Ingolstadt
erstellt am 14.09.2018 um 13:06 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Nachricht von einem angeblichen Abbau von 5000 Stellen im Audi-Werk in Ingolstadt hat am Freitag für Aufregung in der Stadt und im Werk gesorgt. Der Bayerische Rundfunk zitierte Bürgermeister Albert Wittmann (CSU) mit dieser Aussage. Audi-Betriebsrat und -Unternehmensführung dementierten scharf - intern und öffentlich.
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Die Audi-Piazza: Der BR spekuliert, dass bei Audi Überlegungen laufen, Stellen abzubauen ? Unternehmen und Betriebsrat dementierten am Freitag scharf.
Die Audi-Piazza.
Hammer
Ingolstadt
„Wir gehen von 5000 Arbeitsplätzen aus, die wir in den nächsten Jahren weniger haben werden, abgebaut durch Fluktuation, nicht durch Entlassung“, erklärt Wittmann in dem Radiobeitrag, den der BR am Freitag mehrfach sendete. Im Beitrag kommen auch Audi-Insider zu Wort, die diese Einschätzung untermauern: Vor allem in der Produktion und der Verwaltung würden viele weniger anspruchsvolle Jobs wegfallen, erzählten sie dem BR. 
 
Schon am Vormittag erklärten Gesamtbetriebsrat Peter Mosch und Personalvorstand Wendelin Göbel den Mitarbeitern über das Firmenintranet, dass an der Nachricht nichts dran sei. Sie verwiesen dabei auch auf die Beschäftigungsgarantie bis 2025. Nahezu wortgleich war dann die Pressemitteilung, die Audi gegen Mittag verbreitete: „Es existieren keine entsprechenden Beschlüsse und es gibt dazu auch keinerlei Verhandlungen“, hieß es in der Mitteilung.  Und weiter:  „Das Know-how der heutigen Stammbelegschaft ist Basis für den Erfolg des Unternehmens. Zusätzlich stellen wir weiterhin gezielt Experten für unsere Zukunftsfelder sowie jedes Jahr rund 800 Auszubildende in 20 Berufen ein.“ 
 
Albert Wittmann war wegen Krankheit am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Sein Vorzimmer verwies auf die städtische Pressestelle, die erklärte, die wohl schon vor einigen Tagen getätigte Äußerung Wittmanns im BR sei „im Kontext des generellen Wandels in der deutschen Automobilindustrie in den kommenden Jahrzehnten zu sehen, über den vielfach diskutiert und in den Medien berichtet worden ist“. Wittmann habe dabei auch eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag von IG Metall und des Verbands der Automobilindustrie im Kopf gehabt, die zu dem Ergebnis gekommen sei, „dass bis 2030 jeder elfte Arbeitsplatz in der deutschen Automobilindustrie wegfallen könnte“.  Heruntergerechnet auf Ingolstadt käme man so auf eine  Zahl von 3000 bis 5000 Arbeitsplätzen.   
„Vom BR zu seiner Einschätzung nach dieser generellen zukünftigen Entwicklung in der Automobilindustrie befragt, hat Bürgermeister Wittmann zu vorgenanntem Sachverhalt Bezug genommen“, erklärt die Stadt weiter. „Zu einer allgemeinen Entwicklung also, die in Zukunft auch Auswirkungen auf den Standort Ingolstadt haben wird und die sich dabei nicht ausschließlich auf die Audi AG, sondern den Automobilsektor in der Region insgesamt bezieht.“
Vom DK befragte Mitarbeiter sagten am Freitag, im Werk werde gerade über vieles geredet, über Personalabbau allerdings nicht. Zwei Beschäftigte sagten, sie hätten auch im Radio davon gehört, es sei aber nicht weiter Thema gewesen. Das sei auch kein Wunder: Selbst Nachrichten wie die Stadler-Inhaftierung hätten keinen mehr vom Hocker gerissen. 
 
Ein anderer Mitarbeiter aus dem Personalbereich sagte, immerhin seien gerade wieder 800 Azubis allein in Ingolstadt eingestellt worden. Und dass der Personalchef Wendelin Göbel generell auf junge Mitarbeiter  setze, sei auch  nicht schlecht. Natürlich könne man davon ausgehen, dass langfristig über eine Altersteilzeitregelung Stellen abgebaut werden, so der Personaler. Aber das seien Stellen, die man in Zukunft nicht mehr benötigen werde und  kein Grund zur Schwarzmalerei. „Es muss jetzt weitergehen“, sagt er.   Man merke einen Wandel im Unternehmen. Es werde mehr aufs Haushalten geachtet. „In der Technischen Entwicklung war das teilweise nicht mehr verhältnismäßig“, sagt der Mann. „Das ist jetzt rationaler. Und wir in der Mannschaft sehen das positiv.“
 

GARANTIE BIS 2025

Peter Mosch,  Vorsitzender des Audi-Gesamtbetriebsrats, gehörte am Freitag zu den Unterzeichnern   der Absichtserklärung zu gemeinsamer  Entwicklung von Mobilitätstechnologie in den  Lüften (siehe den Artikel unten).  Doch  um Flugtaxis ging es erst im offiziellen Teil. Die Ansage Albert Wittmanns (der nicht anwesend  war) von  5000 angeblich bedrohten  Jobs bei Audi beschäftigte zuvor auch einige Ehrengäste. Dem DK  sagte Mosch: „Wir bleiben da  ganz sachlich.“ Audi befinde sich    mitten in   großen Transformationsprozessen:   Hin zum Mobilitätsdienstleister, zu  E-Mobilität und zum autonomen Fahren. „Eines ist klar: Wir gehen   mit der gesamten Belegschaft in die Zukunft!  So wie es in der Beschäftigungsgarantie bis 2025 festgelegt ist.“ 
Diese Garantie hatten Betriebsrat und Unternehmensspitze für die rund 44 000 Beschäftigten im November 2017 vereinbart.  Dementsprechend soll es bis 2025  keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Freilich bedeutet der Pakt nicht, dass altersbedingt weggefallene Stellen wieder besetzt werden müssen.
 
Thorsten Stark
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