Dienstag, 19. Juni 2018
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Caritas-Seniorenheim Gaimersheim engagiert sich für Integration von geflüchteten Menschen

Mit Augenmaß und Herz

Gaimersheim
erstellt am 11.06.2018 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 15.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Gaimersheim (DK) "Unser Haus ist letztlich ein Spiegelbild unserer sich verändernden Gesellschaft, in der vieles in Bewegung ist." Mit einfachen Worten bringt Irene Stiegler, Leiterin des Caritas-Seniorenheims Gaimersheim, auf den Punkt, was jedem auffällt, der mit offenen Augen durch die Einrichtung geht.
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Der junge Somalier Mehdi Mohamed Muss erfährt es als sinnvolle Aufgabe, alten Menschen beim Essen zu helfen.
Der junge Somalier Mehdi Mohamed Muss erfährt es als sinnvolle Aufgabe, alten Menschen beim Essen zu helfen.
Foto: Esser
Gaimersheim
In vielen Bereichen sind Mitarbeitende unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Hautfarben tätig. Knapp 30 Menschen mit Migrationshintergrund haben Stiegler zufolge in den vergangenen drei Jahren in der Einrichtung gewirkt. Davon sind etwa die Hälfte Asylbewerber gewesen.

Im Jahr 2014 stellte die in der Flüchtlingsarbeit engagierte Gaimersheimer Ruheständlerin Brigitte Böllet der Einrichtungsleiterin erstmals ein geflüchtetes Ehepaar vor. Kurze Zeit später waren der Mann und die Frau aus Eritrea in sogenannten Ein-Euro-Jobs in dem Seniorenheim engagiert: er als rechte Hand des Hausmeisters, sie in der Hauswirtschaft. Beide arbeiten heute fest angestellt an anderer Stelle. Sie besuchen das Seniorenheim aber immer einmal wieder.

Andere, die Böllet dem Haus vermittelt - oder die Stiegler mittlerweile durch eine enge Kooperation mit Berufsschulen integriert hat - streben an, in der Altenpflege zu arbeiten: zum Beispiel der 18-jährige Mehdi Mohamed Muss aus Somalia. Er absolviert derzeit an zwei bis drei Tagen pro Woche im Rahmen eines Berufsintegrationsjahrs an der Berufsschule Ingolstadt ein Praktikum in der Pflege sowie Betreuung. Er wäscht alte Menschen, hilft ihnen beim Essen sowie bei der Tabletteneinnahme, macht mit einigen Ballspiele und liest mit anderen die Zeitung. Den Beruf Altenpfleger gibt es in seinem Heimatland nicht. Doch zu seiner Motivation, diesen Beruf ergreifen zu wollen, trägt durchaus bei, "dass bei uns alte Leute als weise Menschen geschätzt werden".

An seinem Deutsch will er noch verstärkt arbeiten, bevor er eine Ausbildung zum Pflegefachhelfer beginnen möchte. Eine solche Ausbildung startet im Haus bereits im September sein 19-jähriger Kollege Samuel Emam aus Eritrea. Er macht derzeit einen Bundesfreiwilligendienst in der Einrichtung: teils im Hausmeisterdienst, wo er im Moment Waschbecken austauscht, teils in der Betreuung alter Menschen. Bei diesen spürt er eine große Offenheit ihm gegenüber, was sicherlich auch daran liegt, "dass er ein wahnsinnig liebevoller Kerl ist", so Stiegler. Für seine künftige Helferausbildung macht Samuel sich derzeit neben seinem Dienst in einem Sprachkurs fit.

"Gut Deutsch zu sprechen, ist einfach der Schlüssel zur Integration, auch in unserem Haus", erklärt die Einrichtungsleiterin. Ihr Vorzeigebeispiel dafür ist eine Frau aus Kenia, die vor zehn Jahren der Liebe wegen nach Deutschland kam und nun als stellvertretende Bereichsleiterin in dem Seniorenheim arbeitet. So sehr sich Stiegler darum bemüht, vielen geflüchteten Menschen eine Chance zu geben, so unmissverständlich stellt sie klar, wo die Grenzen sind: "Wir können nicht zum Beispiel 15 mitarbeitende Menschen im Haus haben, die schlecht Deutsch sprechen. Das würde die Bewohner sowie auch die Angehörigen überfordern. Und auch die Verantwortlichen, die dann zu viel Zeit für die Lernenden aufbringen müssten".

Augenmaß sei daher bei der Integration schon nötig. Die Einrichtungsleiterin verschweigt auch nicht Enttäuschungen, die sie erlebt hat: "Wir hatten zum Beispiel zuletzt viel Zeit in einen hoffnungsvollen jungen Afrikaner investiert, der nach abgeschlossener Qualifizierung zum Helfer die Ausbildung zur Pflegefachkraft machen wollte. Doch er sprang dann plötzlich mit dem Argument ab, Altenpflege sei ein weiblicher Beruf."

Solche Erfahrungen halten Stiegler jedoch nicht davon ab, sich weiterhin für die Integration von Geflüchteten zu engagieren. Auch aus Eigeninteresse, um dem Pflegenotstand zu begegnen: "Da werden wir zum Teil auf diese Menschen angewiesen sein, wenngleich wir dieses Problem in erster Linie mit neuen motivierten eigenen Nachwuchskräften meistern müssen", so die Einrichtungsleiterin.

Nach wie vor sieht sie es vor allem als christlichen Auftrag, den geflüchteten Menschen eine Chance zu geben. Da ist sie sich mit Flüchtlingshelferin Böllet einig. Diese engagiert sich auch als Vorsitzende der Missionsgemeinschaft Gaimersheim, doch sie meint: "Wenn wir Menschen weltweit helfen, dann sollten wir auch umgekehrt die unterstützen, die zu uns nach Deutschland kommen und Hilfe brauchen."
Probleme, so Stiegler, dürften nicht unter den Tisch gekehrt werden, könnten grundsätzlich aber bewältigt werden: "Insgesamt zeigt das gute Miteinander in unserem Haus ja auch, dass Integration klappt." Immer wieder erlebt die Leiterin junge geflüchtete Menschen auch als Bereicherung: Vor einiger Zeit habe ein Angehöriger eines Bewohners einmal beim Anblick eines mitarbeitenden Asylbewerbers im Haus zunächst zu ihr gemeint: "Was will denn der bei meiner Mutter, dunkelhäutig, jung und klein?" Kurze Zeit später habe der Angehörige festgestellt: "Ich habe gesehen, wie meine Mutter und der ganze Tisch gestrahlt haben, als er kam, sich zu ihnen setzte, mit ihnen redete und spielte. Die waren einfach nur glücklich. Da habe ich gesehen: Der hat einfach ein gutes Herz."
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