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Das Ingolstädter Transitzentrum: Zahlen und Fakten

erstellt am 16.05.2018 um 20:01 Uhr
aktualisiert am 19.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Verteilungsschlüssel: Der Freistaat Bayern muss gemäß einer bundesweiten Vereinbarung 15,5 Prozent aller Asylbewerber unterbringen, die nach Deutschland gekommen sind.
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Transitzentren: Die bayerische Staatsregierung hat im März 2017 die Errichtung so genannter Transitzentren beschlossen. Hier sind Asylbewerber mit schlechten Chancen auf Anerkennung untergebracht. Diese Einrichtungen sollen der Beschleunigung der Asylverfahren und (im Ablehnungsfall) der zügigen Abschiebung dienen. Das Transitzentrum für Oberbayern wurde Ingolstadt zugewiesen. Es verteilt sich auf vier Standorte: frühere Max-Immelmann-Kaserne (teils auf dem Gebiet der Gemeinde Manching), Marie-Curie Straße, Audi-Kreisel und P3 an der Manchinger Straße.

Aktuelle Zahlen: Derzeit leben etwa 1100 Menschen im Ingolstädter Transitzentrum, davon 410 in der Immelmann-Kaserne. Von ihnen sind laut der zuständigen Regierung von Oberbayern gut 50 Prozent Nigerianer und etwa 25 Prozent Ukrainer. Je ein Achtel der Bewohner kommt aus Afghanistan sowie aus Staaten des Westbalkans. Einige Flüchtlinge leben in dezentralen Herbergen.

Polizeieinsätze: Die Stimmung in den Massenunterkünften wird als angespannt bis explosiv beschrieben. Immer wieder kommt es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern, oft sind den Berichten zufolge banale Ursachen wie Ruhestörung oder Streit um das Fernsehprogramm der Auslöser. Es mussten sich aber auch schon Betreuer bei der Ausgabe des Taschengelds in ihrem Büro verbarrikadieren, weil sie von Bewohnern bedroht wurden. Die Polizei rückt nicht selten mit einer zweistelligen Zahl von Streifenwagen an. Thomas Schmid, der Leiter des Transitzentrums, berichtete bei einer Pressekonferenz am Dienstag von 250 Polizeieinsätzen im Transitzentrum im vergangenen Jahr. Es hätten aber nicht alle einen konkreten Anlass gehabt. Die (sehr personalintensiven) Abschiebungen gehen in diese Statistik mit ein.

Aufenthaltsdauer: Die Zentren sollen das Signal in die Herkunftsländer der Asylbewerber senden, dass es mit ihrer Abschiebung schnell geht, wenn sie keinen anerkennenswerten Fluchtgrund haben, so Daniel Waidelich, Sachgebietsleiter der Bezirksregierung. Doch in der Realität läuft es etwas anders als erhofft. Seit September 2014 lebte ein Asylbewerber im Schnitt viereinhalb Monate in einer Ingolstädter Unterkunft. "Aber diese Zahl ist nicht sehr aussagekräftig, denn es kann auch deutlich länger dauern", mitunter weit über ein Jahr. Sei es, "weil die Klageverfahren in die Länge gezogen werden", so Waidelich, oder weil sich die Abschiebung aus einem anderen Grund verzögert, etwa wenn sich Herkunftsländer querstellen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von viereinhalb Monaten sage auch deshalb nur bedingt etwas aus, weil anfangs überwiegend Asylbewerber vom Westbalkan nach Ingolstadt kamen, die recht bald wieder weg waren; viele reisten freiwillig aus.

Entwicklung: Die Stadt Ingolstadt beherbergt schon länger Flüchtlinge in großer Zahl. Die Containersiedlung an der Manchinger Straße wurde Ende 2014 errichtet. In der früheren Luftwaffenkaserne in Manching leben seit 2015 Asylbewerber, die Einrichtungen am Audi-Kreisel und an der Marie-Curie-Straße kamen bald dazu.

Die Zukunft: Wie bereits gestern berichtet, hat die Regierung von Oberbayern eigenen Angaben zufolge noch keine Informationen darüber, wie die von der Bundesregierung angekündigten "Ankerzentren" für die Beschleunigung der Asylverfahren genau aussehen sollen und organisiert werden. Die Frage, ob sich die Ingolstädter Abschiebeeinrichtung wie bisher auf vier Standorte verteilt, oder ob in Zukunft die ehemalige Immelmann-Kaserne (die noch einige Kapazitäten für Bewohner hat) ausreicht, bleibt damit also offen.
 
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