Mittwoch, 14. November 2018
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Restauratorin Svenja Kampe bereitet Funde aus Pförringer Kammergrab für bedeutende Ausstellung vor

Anna geht nach Berlin

Pförring
erstellt am 11.07.2018 um 17:58 Uhr
aktualisiert am 15.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pförring (DK) Pförring beschäftigt als einzige Gemeinde in Bayern eine Restauratorin: Die 27-jährige Svenja Kampe hat die Archäologen bei der Freilegung der im Kammergrab entdeckten Objekte unterstützt. Nun bereitet sie die Funde für eine Ausstellung in Berlin vor.
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 Ihren ersten Job nach dem Studium erhielt die Restauratorin Svenja Kampe bei der Gemeinde Pförring. Sie half, die Funde aus dem mittlerweile berühmten Kammergrab freizulegen. Sie war zuständig für die sogenannte Blockbergung.
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Für Svenja Kampe ist die erste Arbeitsstelle nach dem Studium der große Fang. "So einen Job bekomme ich wahrscheinlich nie wieder", vermutet die gebürtige Hessin, die an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Objektrestaurierung studiert hat. "Bei solch gut erhaltenen Objekten kann man sich nicht beschweren."

Dass das vor zwei Jahren zufällig bei Arbeiten im Baugebiet "Nordwestlich von Pförring" entdeckte Kammergrab ein archäologischer Sensationsfund ist, ist bekannt. "In der Fachwelt wird es für Aufruhr sorgen", hieß es damals. Denn das Grab einer jungen Frau - die Archäologen tauften sie "Anna" - aus dem fünften Jahrhundert nach Christus gilt nicht nur als selten und reich ausgestattet, sondern auch als besonders gut erhalten. Das wohl bislang älteste frühchristliche Grab in Bayern stammt vermutlich aus der Zeit zwischen dem Untergang des römischen Kaiserreichs und dem Beginn der Völkerwanderung in Europa - eine Epoche, die den Archäologen zufolge noch viele Fragen aufwirft (DK berichtete). Kein Wunder, dass die Gemeinde Pförring sich dazu entschied, viel Geld in die Ausgrabungen und die Restauration zu stecken.
Ihren ersten Job nach dem Studium erhielt die Restauratorin Svenja Kampe bei der Gemeinde Pförring. Sie half, die Funde aus dem mittlerweile berühmten Kammergrab freizulegen. Sie war zuständig für die sogenannte Blockbergung. In der vom BLFD zur Verfügung gestellten Werkstatt in München arbeitete sie stets im Schutzanzug,  um die DNA-Proben der Objekte   vor einer Kontamination mit Fremd-DNA zu bewahren. Zu den interessantesten Funden zählen der  Schädel mit  den tierförmigen Beschlägen aus verg
In der vom BLFD zur Verfügung gestellten Werkstatt in München arbeitete sie stets im Schutzanzug, um die DNA-Proben der Objekte vor einer Kontamination mit Fremd-DNA zu bewahren.
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Für Kampe ein glücklicher Zufall, dass dies in die Zeit nach ihrem Masterstudium fiel. Von Lehrbeauftragten erfuhr sie von dem Projekt in Pförring, wo sie ab 2017 angestellt wurde. Sowohl finanziell als auch sachlich - mit der Bereitstellung eines Labors - wird die Gemeinde vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLFD) unterstützt. Was Kampe wichtig ist: "Ich bekomme fachliche Beratung, man ja kann nicht alles von Anfang an wissen."

Bereits in ihrer Abschlussarbeit hatte sich die 27-Jährige mit der sogenannten Blockbergung beschäftigt: Wenn es den Archäologen zu schwierig erscheint, ein Objekt an der Grabungsstelle freizulegen, wird es samt der umgebenden Erde ins Labor gebracht. Dort löst die Restauratorin den Block sorgfältig auf und dokumentiert die Arbeitsvorgänge - unter anderem in Form von 3D-Modellen. In Pförring warteten zwei große und mehrere kleine Blockbergungen auf Kampe. Als Erstes beschäftigte sie sich mit Annas Schädel, auf dem im Grab Teile eines Kopfschmucks mit tierförmigen Beschlägen entdeckt worden waren. Die 27-Jährige musste stets mit einem Schutzanzug arbeiten, um die Funde nicht mit Fremd-DNA zu kontaminieren. "Insgesamt wurden mit jeder einzelnen Perle etwa 800 Objekte im Grab gefunden", sagt Kampe. "Ich habe nicht alle bearbeitet, aber sicher mal in der Hand gehabt."
Zu den interessantesten Funden zählen der Schädel mit den tierförmigen Beschlägen aus vergoldetem Silber als Teile eines Kopfschmucks, ein Fingerring aus Gold mit Glaseinlage sowie Bernsteinperlen.
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Es macht für die Restauratorin keinen Unterschied, ob das Objekt selten und wertvoll ist oder häufig vorkommt. "Das Projekt hat mir Spaß gemacht, weil es viele unterschiedliche Materialien gab", sagt sie kurz nach Abschluss der Restauration. Sie erwähnt Edelmetalle, Bronze, Bernstein, Glas oder Koralle - und alle mussten unterschiedlich behandelt werden. "Es war schön, dass ich die Methode zur Dokumentation einer Blockbergung, die ich im Zuge der Masterarbeit ausgearbeitet habe, hier weiterentwickeln konnte."

Nun sind archäologische Grabungen nicht außergewöhnlich - wohl aber, dass freigelegte Objekte ausstellungsreif restauriert werden. "Das BLFD darf Funde nicht so herrichten, dass ihr Wert gesteigert wird", erklärt die Restauratorin. Eine zerbrochene Keramikschale beispielsweise wird nicht zusammengeklebt. Nur der Eigentümer der Funde ist dazu berechtigt. Das ist in dem Fall die Gemeinde Pförring, weil das Grab auf öffentlichem Grund entdeckt wurde. Und die hat Kampe genau für diesen Fall eingestellt. "Sonst würden die Funde in einem Lager landen", sagt Bürgermeister Bernhard Sammiller. Ihm sei es aber wichtig, die Funde der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Zu den interessantesten Funden zählen der Schädel mit den tierförmigen Beschlägen aus vergoldetem Silber als Teile eines Kopfschmucks, ein Fingerring aus Gold mit Glaseinlage sowie Bernsteinperlen.
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Kampe bereitet nun einige der Objekte für Berlin vor - und auch das ist beachtlich: Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 zeigen das Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Verband der Landesarchäologen im Gropius-Bau von September bis Januar die Ausstellung "Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland". Sie präsentiert die spektakulärsten archäologischen Funde der vergangenen 20 Jahre von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert. 70 Leihgeber aus allen Bundesländern stellen 1000 Exponate zur Verfügung. "Allen Exponaten ist gemein, dass sie trotz ihrer Einzigartigkeit nicht allein stehen, sondern immer als Teil eines europäischen Netzwerks zu sehen sind", heißt es auf der Homepage.

Aus dem Pförringer Kammergrab sind das unter anderem ein goldener Fingerring mit Glaseinlage, der größte Teil des Kopfschmucks, Perlen, Keramikgefäße und ein Glasbecher. "Nach Berlin bringen wir nur eine kleine Auswahl der Objekte, die einfach transportiert und ausgestellt werden können", sagt Kampe. Sie ist gerade dabei, Montagen vorzubereiten, das heißt, die empfindlichen Funde auf Platten anzubringen, sodass sie in Vitrinen präsentiert werden können.
Zu den interessantesten Funden zählen der Schädel mit den tierförmigen Beschlägen aus vergoldetem Silber als Teile eines Kopfschmucks, ein Fingerring aus Gold mit Glaseinlage sowie Bernsteinperlen.
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Auch wenn sie das sehr hofft - noch ist nicht klar, ob Kampe mit nach Berlin kommt. Eigentlich läuft ihr Vertrag mit der Gemeinde Pförring Ende Juli aus. "Wir werden aber versuchen, zu verlängern", merkt Sammiller an. Für den Bürgermeister ist die Ausstellung eine gewisse Auszeichnung für seine Gemeinde: "Die Fachleute sagen, das Kammergrab ist ein Sensationsfund, deshalb wurde Pförring ausgewählt, Bayern in Berlin zu vertreten." Er sehe darin große Relevanz für die Wurzelfindung der Bürger. "Anhand Entdeckungen wie der Anna kann man unsere Geschichte verfolgen und nachvollziehen, wie die Menschen damals gelebt haben."


 
Tanja Stephan
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