Samstag, 15. Dezember 2018
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Mittelschüler stärkten an abwechslungsreichen Projekttagen ihr Team-Bewusstsein

280 Freunde sollt ihr sein

Ingolstadt
erstellt am 04.10.2018 um 21:24 Uhr
aktualisiert am 08.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Mittelschule Auf der Schanz organisiert jedes Jahr Projekttage mit großem Programm. Heuer waren das Erzeugen und Stärken von Team-Bewusstein, Fachbegriff Team-Building, das Ziel des zweitägigen Angebots. Die 280 Schülerinnen und Schüler lernten auf unterhaltsame Weise neue Seiten an ihren Klassenkameraden kennen. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
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Weg mit dem Klebestift! So weit wie möglich. Aber ohne die Linie zu übertreten. Den Mittelschülern gelang das akrobatisch.
Weg mit dem Klebestift! So weit wie möglich. Aber ohne die Linie zu übertreten. Den Mittelschülern gelang das akrobatisch.
Hauser
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In dieser ziemlich ungewöhnlichen Disziplin darf man seinen Sportsfreund ins Ziel tragen. Genauer gesagt: über das Ziel. Aber das ist schwerer, als es sich zunächst anhört. Fünferteams von Siebtklässlern müssen gemeinsam einen Klebestift so weit wie möglich von einer Markierungslinie am Fußboden wegbringen - jedoch ohne ihn zu werfen, mit einem Hilfsmittel zu schieben und natürlich: ohne die Linie zu übertreten. Die Aufgabe führt zu lustiger Spontan-Akrobatik: Der Klebestiftplatzierer wird von seinen Teamkollegen angehoben und - möglichst kreativ - knapp über dem Boden durch die Luft manövriert, begleitet von aufgekratzten Rufen, die der Orientierung dienen, allerdings nicht alle die gleiche Richtung meinen. "Nach links!" "Nein, rechts!" "Stopp! Runter mit ihm." "Nein, noch nicht!", tönt es durch die Aula der Mittelschule. Die Schüler üben sich in Körperbeherrschung der kollektiven Art.

Stefan Eberl, Pädagoge der Kolping-Akadmie und Schiedsrichter bei diesem viel Gemeinschaftsgeist fordernden Spiel, misst mit dem Meterstab, welches Team den Klebestift am weitesten weggebracht hat. Der Rekord liegt bei 1,30 Meter.

Der Weg von dieser unkonventionellen Lektion zum Lehrplan für die bayerischen Mittelschulen ist kürzer, als der Laie denkt. Rektor Reinhard Beck hat die für diese Projekttage relevanten Bildungsziele im staatlichen Konvolut markiert. "Es geht darum, die sozialen Kompetenzen zu stärken, Herz und Charakter zu bilden und damit dazu beizutragen, dass die Schüler Verantwortungsbewusstsein entwickeln und zu mündigen Bürgern werden. Das ist das, was wir wollen." Gruppendynamische Prozesse, weiß der Schulleiter, befördern solche emotionalen und sozialen Bildungsziele kräftig. "Es motiviert zusätzlich, wenn mal Dozenten von außen vor der Klasse stehen anstatt ein Lehrer, den die Schüler jeden Tag sehen." Dank der Unterstützung des Fördervereins für die Schulen Auf der Schanz konnte Beck die gut zehn Stationen auch mit externen Fachkräften besetzen. Sein Lehrerkollegium wirkte wie immer sehr engagiert mit.
Kooperation zwischen Schulen: Die Reuchlin-Schülerin Leonie schuf mit den Mittelschülern, hier Maxim und Jakob, Mosaike aus Kacheln.
Kooperation zwischen Schulen: Die Reuchlin-Schülerin Leonie schuf mit den Mittelschülern, hier Maxim und Jakob, Mosaike aus Kacheln.
Hauser
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Schüler der 9a sitzen mit ihren Lehrerinnen Margot Hufnagel und Rafaela Fürst um einen großen Tisch herum, jeder mit einem Plastikbecher in der Hand. Sie studieren konzentriert einen anspruchsvollen Klopf- und Klatschrhythmus ein. Es klappt schon nach wenigen Versuchen. Die Becher knallen im Takt auf den Tisch. Links, rechts, zweimal klatschen, klopf, klopf. Das Vorbild ist eine Schule in Frankreich, die mit ihrem gemeinsamen Klopf-Konzert auf Youtube groß rauskam. Das sehenswerte Video läuft auch im Musikraum der Mittelschule; das spornt an.

In den Kunsträumen fertigen Schüler vieler Klassen große, farbenfrohe Mosaike aus Kacheln an. "Wir arbeiten im Schichtbetrieb", erzählt Angelika Wulf. Sie ist Kunstlehrerin am Reuchlin-Gymnasium und unterstützt die Projekttage in der Mittelschule gemeinsam mit ihrer Kollegin Theresa Hajduk sowie zwei ihrer Schülerinnen "Die einen zerkleinern die Fliesen, die nächsten sortieren sie nach Farben, eine Gruppe grundiert die Platten und die nächste trägt die Farben auf." Team-Kunsthandwerk im 90-Minuten-Rhythmus. "Das funktioniert hervorragend! Alle sind mit Freude dabei", berichten die Kunstlehrerinnen.

Im Pausenhof haben Schüler viel Spaß mit Spielgeräten, die in der Kindheit ihrer Groß- und Urgroßeltern modern waren: Stelzen etwa oder Laufbretter mit Schlaufen; aber sie kommen immer noch an. Die Lehrerin Gerdi Böhm freut das heitere Treiben: "Eine gute Gemeinschaft ist die Grundlage für alles Lernen!"
Lockerungsübung zum Auftakt: Danach stellte die 9a mit ihrer Lehrerin Margot Hufnagel das gemeinsame Rhythmusgefühl unter Beweis.
Lockerungsübung zum Auftakt: Danach stellte die 9a mit ihrer Lehrerin Margot Hufnagel das gemeinsame Rhythmusgefühl unter Beweis.
Hauser
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Die Mittelschullehrerin Anja Uschold und Michael Holzer, Jugendsozialarbeiter der Caritas, haben die Projekttage maßgeblich mitorganisiert. Sie berichten auch von Erkenntnisgewinnen für die Lehrer: "Sie erleben ihre Schüler hier in anderen Situationen und sehen: Wer war bei einer Gemeinschaftsaktion Außenseiter? Was hat einen Konflikt ausgelöst? Wie gingen die Schüler damit um?" Die Lehrer könnten so bei den Schülern auch bis dato nicht erkannte Kompetenzen entdecken - "und ihnen dann entsprechend neue Unterstützung anbieten".



Christian Silvester
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