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BDM protestiert gegen Bauernverband

erstellt am 05.10.2009 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 18:36 Uhr | x gelesen
Roth (HK) Mit einer Kundgebung vor dem Rother Amt für Landwirtschaft haben örtliche Milchbauern ihrem Bundesvorsitzenden Romuald Schaber demonstrativ den Rücken für bei den Verhandlungen im Berliner Kanzleramt gestärkt.
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Kundgebung vor dem Landwirtschaftsamt: Heimische Milchbauern fordern eine sofortige Reduzierung der Milchmenge in ganz Europa. - Foto: kx
Viele Bäuerinnen und Bauern aus der Region hatten sich am Freitag versammelt, um eine klare Botschaft zum Milchkrisengespräch der Kanzlerin nach Berlin zu richten: "Volle Unterstützung für Romuald Schaber, keine Zustimmung für die Politik des Bauernverbandes."

Manfred Gilch, Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehalter (BDM) aus Pierheim, erklärte den zahlreichen Zuhörern, warum das Landwirtschaftsamt der richtige Ort für ihre Demonstration sei: Die Politik stütze sich immer wieder auf die Ausführungen und Auswertungen der Landwirtschaftsämter. Sie hätten eigentlich den besten Draht zu den Ministerien und sind somit auch Ansprechpartner und Bindeglied zwischen Milcherzeuger und Politik. Deshalb seien die Ämter auch angehalten, die entsprechenden Forderungen und Anliegen der Milcherzeuger an die Ministerien weiterzuleiten.

So fordern auch die Rother Milcherzeuger endlich einen Systemwechsel in der Milchpolitik, weg von der "blinden Liberalisierung" des Milchmarktes, hin zu einer verantwortungsbewussten Marktpolitik mit fairen Regeln, bei der alle Marktbeteiligten, auch die Milcherzeuger wieder eine Chance am Markt haben, so Gilch.

Als Vertretung von Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf hatte dazu Hans Walter vom Milchviehberatungsteam des Amtes ein Grußwort an die Kundgebungsteilnehmer gerichtet und viel Beifall dafür erhalten. Er betonte, dass gerade in Mittelfranken die Milchviehhaltung das Rückgrad des ländlichen Raumes darstelle und so diese möglichst im Interesse aller zu erhalten sei. Dafür seien aber auch künftig entsprechende von der Politik vorgegebene Regelungen für den Milchmarkt unabdingbar.

Johannes Pfaller, Mitglied im BDM-Bundesbeirat, verglich die anstehende politische Entscheidung auf europäischer Ebene für eine höhere Milchquote treffend mit der Autoproduktion. Als die ins Stocken geraten war, wurde vor allem die Produktion immens beschränkt und dem Absatzmarkt angepasst. Tausende noch gebrauchsfähiger Autos wurden zunächst vernichtet. Mit Hilfe von kostspieligen, einmaligen staatlichen Subventionen wurde ein neuer Marktanreiz geschaffen. Die Bauern wären dagegen schon mit einer Marktregulierung zufrieden und wollen eigentlich gar keine neuen Subventionen. Die Lösung heiße also: Der Markt braucht Regeln, keine Subventionen.

Andrea Dornisch, die als Verbraucherin und für den Bund Naturschutz ihre Solidarität ausdrückte, beklagte die Auswirkungen der Exportsubventionen mit ihren katastrophalen Auswirkungen auf den Weltmarkt. "Der Bumerang, der hier geworfen wird, fällt auf uns zurück", sagte sie. Die Politik der offenen Märkte und des schrankenlosen Welthandels diene einzig und allein dem Profit der Großkonzerne. Die Zerstörung unserer heimischen Landwirtschaft sei dabei vorprogrammiert. Dornisch forderte Verbraucher und Bauern auf, gemeinsam laut ihre Stimmen zu erheben, damit unsere bäuerliche Landwirtschaft nicht den globalen Interessen geopfert wird. Es käme uns teuer zu stehen, denn die Folgen von immer mehr, immer größer, immer billiger, wäre Agro-Gentechnik in Lebensmitteln und Massenproduktion mit immer schlechterer Qualität.

Einig waren sich alle Demonstranten, dass unbedingt sofort etwas geschehen muss, wenn der immer größer werdende Schaden für die Milcherzeuger und auch für die gesamte Volkswirtschaft noch abgewendet werden soll. Die Milchbauern des BDM fordern eine europaweite, rechtlich abgesicherte Mengenbegrenzung auf der Basis einzelbetrieblicher Referenzmengen. Eine rasche Reduzierung der Milchmenge ist dringend notwendig, damit die Molkereien so schnell wie möglich kostendeckende Milchpreise zahlen können.

Ob die Aktion Erfolg hatte, ist ungewiss. Der Milchgipfel im Kanzleramt mit Vertretern des Bauernverbands und des BDM verlief jedenfalls ergebnislos.

Hilpoltsteiner Kurier
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