Dienstag, 19. Juni 2018
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Erster Schauacker im Landkreis Roth in Landersdorf eröffnet - Steckschilder und Tafeln informieren über Pflanzen

Wildkräuter und Bienen sollen sich wohlfühlen

Landersdorf
erstellt am 13.06.2018 um 17:55 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Landersdorf (HK) Nicht nur die rekonstruierten Grabhügel sind ein Ausflugsziel bei Landersdorf, sondern künftig auch der neue Schauacker in der Nähe. Mehr als 50 Interessierte begrüßte Beate Grüner, die Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Roth, an den beiden Schautafeln, besonders den bayerischen BN-Ehrenvorsitzenden Hubert Weiger, der seit 2007 Vorsitzender des Bundesverbandes BUND ist.
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Großes Engagement für den Schauacker und die Tafeln, die über ihn informieren: Ehrenamtliche und Institutionen arbeiteten zusammen, um das Projekt zu verwirklichen. Der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger (3. von rechts) hielt die Eröffnungsrede.
Großes Engagement für den Schauacker und die Tafeln, die über ihn informieren: Ehrenamtliche und Institutionen arbeiteten zusammen, um das Projekt zu verwirklichen. Der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Hubert Weiger (3. von rechts) hielt die Eröffnungsrede.
Foto: Schultheiß
Landersdorf
Erster Schritt des Projekts war, so erläuterte Beate Grüner, 2015 die Kartierung von Ackerwildkräutern im Landkreis Roth durch Karl-Heinz Donth und Richard Radle. Riesige Ackerflächen seien wildkrautfrei, bayernweit sei ein Drittel der Arten gefährdet oder schon ausgestorben. Man informierte sich über Möglichkeiten zum Erhalt und stieß auf den Begriff "Schauacker", der ohne künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel bestellt wird.

In Friedrich Loy fand man einen aufgeschlossenen Landwirt, der sich für die Bestellung eines seiner Äcker in historischer Dreifelderwirtschaft entschloss. Es bildete sich eine Arbeitsgruppe mit ihm und Thomas Weimert von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, Claudia Beckstein vom Landschaftspflegeverband, Nicole Stubenhöfer von der Wildlebensraumberatung Mittelfranken, Marion Lang von der Bayerischen KulturLandStiftung und der Technischen Universität München und Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß.

Verwirklicht wurde die landwirtschaftliche Förderung für die besondere Bewirtschaftung. Zwei große Schautafeln informieren über die Dreifelderwirtschaft und Ackerwildkräuter.

Der Initiator des Projekts, Karl-Heinz Donth, steckt jeweils 20 bis 30 Steckschilder in die Nähe der blühenden Kräuter, darunter häufige und seltene. Außerdem wurde ein Faltblatt mit weiteren Informationen erstellt. Finanziert wird das landwirtschaftliche Projekt für fünf Jahre über den Vertragsnaturschutz. 75 Prozent der Projektkosten für Schilder und Faltblatt übernahm der Landschaftspflegeverband, die Eigenmittel wurden mit 1000 Euro von der Leader-Förderung über die LAG ErLebenswelt Roth zur Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements finanziert. Marion Lang war nicht nur mit Texten und Bildern behilflich, sondern begleitet das Projekt auch weiterhin wissenschaftlich.

Das Projekt leiste einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt der Wildkräuter, so Beate Grüner. Diese seien Nahrungsgrundlage für Insekten. 2016 wurden hier 40 verschiedene Arten gezählt, davon 5, die auf der Roten Liste stehen. Bereits im ersten Schauacker-Jahr wurden mehr als 50 Arten gezählt und zwei weitere von der Roten Liste, beispielsweise das Sommer-Adonisröschen.

Landrat Herbert Eckstein lobte die Zusammenarbeit so vieler Seiten und stellte fest, dass immer weniger Menschen die Natur begreifen würden. Dieser Schauacker könne hier abhelfen. Thalmässings Bürgermeister Georg Küttinger freute sich, dass sich der erste Schauacker des Landkreises in seiner Gemeinde befindet. Für die Kommunen im ländlichen Raum seien Erhalt und Bewusstmachen der Kulturlandschaft immens wichtig. Solch ein Schauacker, der auf den zwingend nötigen Naturschutz hinweise, sei genau der richtige Weg.

Klaus Fackler vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken wies darauf hin, dass Landschaftspflege alte Formen wie Streuobstwiesen oder Hutungen am Leben erhält. Diese Projekte laufen mit verschiedenen Partnern, mit Bauern, Naturschützern oder Schäfern. Die Biologin Marion Lang, die das Projekt Ackerwildkräuter der KulturLandStiftung wissenschaftlich betreut, erläuterte, dass es auch um die Wiederansiedlung seltener Arten geht. Teils keime noch vorhandener Samen wieder auf - wie etwa das Adonisröschen, das nach einigen Jahren erstmals wieder blüht. Andere Arten, die es hier nicht mehr gab, wie die Untersuchung 2017 ergeben hatte, habe sie an markierten Stellen ausgesät, um sie wieder anzusiedeln. Das Saatgut hierfür war im Rahmen des Ackerwildkrautprojekts bei Titting auf Flächen mit vergleichbaren Böden gewonnen worden.

Und dann ging es ins Gelände zu den gut sichtbaren Steckschildern, um mit der sachkundigen Führung von Marion Lang und Karl-Heinz Donth die kleinen, oft wunderschön blühenden Ackerwildkräuter zu entdecken, beispielsweise den Frauenspiegel oder das Adonisröschen. Aber auch problematische Wildkräuter wie der Krause Ampfer oder die Geruchlose Kamille wurden beschildert.

Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite der Gemeinde Thalmässing www.thalmaessing.de unter Freizeit und Tourismus bei Sehenswürdigkeiten oder auf der Homepage der BN-Kreisgruppe Roth www.roth.bund-naturschutz.de.
Eva Schultheiß
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