Sonntag, 18. November 2018
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Monika Martin aus Schwanstetten wird mit dem geachteten Elisabeth-Engelhardt-Preis ausgezeichnet

Vom Lochgefängnis in die hohe Literatur

Leerstetten
erstellt am 08.11.2018 um 16:14 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein/Leerstetten (HK) Seit 1997 gibt es den Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreis des Landkreises Roth, er ist ebenso geachtet wie begehrt. Heuer kann sich Monika Martin aus Schwanstetten über den Preis freuen. Sie nimmt die Menschen in ihren Krimis immer wieder mit in die dunklen Ecken Nürnbergs.
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Den Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreis bekommt Monika Martin überreicht. Es gratulieren Norbert Bickel, Reinhard Knodt, Herbert Eckstein und Leonhard Seidl (v. l.). - Foto: Bader
Leerstetten
Seit 1997 und nur alle drei Jahre wird der Preis verliehen, den inzwischen Ingeborg Höverkamp, Klaus Schamberger, Gerd Berghofer, Elfriede Bidmon, Willi Weglehner, Katharina Storck-Duvenbeck und zuletzt Billy Wechsler bekommen haben. "Es waren immer ganz besondere Werke und ganz besondere Lesungen, die wir da erleben durften", betonte Landrat Herbert Eckstein bei der Preisverleihung am Mittwochabend in der Kulturscheune in Leerstetten. "Und so ist es auch bei Ihnen, Sie faszinieren mit Ihren Geschichten und füllen mit Ihrer Sprache den Raum", betonte Eckstein begeistert. "Ich mag keine Hörbücher, aber von Ihnen kaufe ich mir eines."

Und wirklich zieht Monika Martin - es ist ihr Mädchenname, denn inzwischen heißt sie Monika Endres - die Zuhörer mit ihren Geschichten und mit ihrer Stimme von Anfang an in ihren Bann. Aus ihren Werken "Hochgericht", "Rauschgoldengel" und "Teichwächter" zitiert sie einig spannungsreiche Passagen. Nicht ohne das Buch dann flink zuzuklappen und mit den Fingern kräftig auf den Titel zu klopfen. "Wie es weitergeht, steht da drin", sagt sie, lächelt verschmitzt und deutet gleich auf die aufgereihten Werke, die es an diesem Abend auch zu kaufen gibt.

Martins Werke sind laut Laudator Leonhard Seidl, selbst Schriftsteller und Dozent für kreatives Schreiben, "Krimis, die sich weit von fader Hausmannskost abheben". Er lädt ein, Monika Martin auf den verschlungen Spuren der Täter zu folgen und lobt bei dieser Gelegenheit ihr großes "historisches Wissen und ihre didaktische Fähigkeit".

Das historische Wissen erarbeitete sie sich, um diese bei Stadtführungen in Nürnberg weiterzugeben und um als Rundgangsleiterin des Vereins "Geschichte für Alle" die Menschen mit auf eine Zeitreise zu nehmen. Die Kunst des Schreibens hat sie sich indes selbst beigebracht. Sie begann damit im Februar 2008, der erste Krimi war ein Geschenk zum 70. Geburtstag ihrer Mutter. Noch im selben Jahr erschien bei Books on Demand "Die Tote im See".

Angetrieben durch den Erfolg sollte von nun an mindestens alle zwei Jahre ein Buch entstehen. Unter dem Motto "ermitteln, wo andere Urlaub machen" schickte sie anfangs ihren Kommissar Attila quer durch die Weltgeschichte, bis sie Ende 2014 mit "Hochgericht" ihre neue Reihe "Krimis mit Geschichte" begann. Hier ermittelt Charlotte Gerlach eingebettet in Fakten aus der mittelalterlichen Strafjustiz oder mit Blicken in das Nürnberger Lochgefängnis. Monika Martin, laut Seidl eine Autorin "mit krimineller Energie", fasziniere in ihre Werken mit ihrem genauen Blick. Seidl hob zudem hervor, dass der Krimi schon lange zur hohen Literatur gehöre, auch wenn man seine Anfänge - selbst wenn es Werke von FjodorDostojewski, Agatha Christie oder Sir Arthur Conan Doyle waren - anfangs als trivial abgetan habe.

Schwanstettens Bürgermeister Robert Pfann freute sich, dass nach Ingeborg Höverkamp mit Monika Martin eine zweite Schwanstettenerin den begehrten Preis erhält. Er lobte sie als Autodidaktin, die "kontinuierlich an ihrer Karriere gebastelt" habe. "Und wir sind stolz, Sie als Preisträgerin bei uns zu wissen." Dem nicht genug wären Martins Werke "doch einmal eine Vorlage für einen Tatort in Franken".

Herbert Eckstein legte den Besuchern schließlich noch das Buch im Allgemeinen ans Herz: "Literatur und das Lesen sind wichtig", sagte der Landrat. "Denn die geschliffene Sprache tut uns gut."
Kai Bader
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