Montag, 19. November 2018
Lade Login-Box.

Über 100 Werke zu sehen: Toni Rutschmanns wunderliche Welt

erstellt am 03.08.2005 um 19:12 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 14:05 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (mes) Er war unbestritten ein herausragender Mensch. Aber weder seinen Mitmenschen noch uns Hinterbliebenen hat er es je einfach gemacht · der 1983 verstorbene Hilpoltsteiner Künstler Toni Rutschmann. Ab dem heutigen Donnerstagabend hat man im Kunst-Treff Hilpoltstein in den ehemaligen Räumen des Hilpoltsteiner Kurier in der Marktstraße 22 ab 18.30 Uhr die Gelegenheit, sich bei einer Sonderausstellung wieder einmal seinem Werk zu nähern oder es kennenzulernen.
Textgröße
Drucken
Geboren wurde Toni Rutschmann am 7. Juni 1923 in Hilpoltstein. Da aus seiner Familie zahlreiche Bildhauer, Goldschmiede, Musiker und Zeichner kamen, war ein künstlerischer Weg schon vorgezeichnet. Bereits während der Schulzeit fertigte er erste Karikaturen an. Eine entscheidende Zäsur in seinem Leben war sicher der Zweite Weltkrieg mit anschließender dreijähriger Gefangenschaft in Russland.

"Die traumatischen Erlebnisse im Krieg waren sicher Grundlagen für seine Malerei", sagt Wolf Küfner, ein Weggefährte Rutschmanns, der dem Kunststreff Hilpoltstein half, die Bilder auszuwählen. So habe Rutschmann einmal nach einer nächtlichen Flussdurchquerung eine Nervenlähmung erlitten. "Er lag starr am Boden und ein Panzer rollte auf ihn." Erst im letzten Moment sei er vom Fahrer bemerkt worden. Eine alptraumhafte Situation, die in zahlreichen Bildern ihre Wiederkehr findet · vor allem in den Arbeiten der "Wunderlichen Welt".

Nach dem Krieg bleibt Rutschmann eine Ausbildung an der Akademie verwehrt. Er wird Dekorateur, beschließt aber dann doch mit 34 Jahren, sich als Künstler ausbilden zu lassen. Angeregt ist Rutschmanns Arbeit neben den traumatischen Erlebnissen auch durch östliche Philosophien und Märchen. So reist er in en 70er und 80er Jahren regelmäßig nach Südostasien. Er arbeitet nicht nur als Maler, sondern auch mit Kupfer, Glas, Keramik und Metall.

Eine große Rolle spielt laut Küfner in Rutschmanns Werk auch die · gestörte · Zweierbeziehung. Rund 20 Arbeiten der Hilpoltsteiner Ausstellung beschäftigten sich mit dem Thema. "Das ist hochaktuell." Ebenso tauche immer wieder der Kampf von Kain und Abel auf, der Kampf der zwei Seelen, die in jedem Menschen wohnten. Auch zahlreiche Seenlandschaften sind ausgestellt. "Das sind Bilder, die man nicht im Vorübergehen anschauen kann, da muss man lange davor stehen."

Eine eigene Handschrift

Rund 100 Arbeiten sind für die Hilpoltsteiner Ausstellung von Wolf Küfner, Edith Renelt, Ute Emmerling und dem Kunst-Treff zusammengetragen worden. Man hat also Rutschmann vorher nie in einer derartigen Fülle gesehen. Das offenbart auch, dass er wie jeder große Künstler seine Perioden gehabt hat · und das seine Stärke sicher im Grafischen liegt. Einordnen lässt sich der eigenwillige Hilpoltsteiner auch heute nicht. "Sicher ist da ein bisschen Picasso oder ein bisschen Klee, aber Toni Rutschmann hat seine eigene Handschrift", sagt Küfner.Die Hilpoltsteiner Ausstellung ist am Freitag von 14 bis 18 Uhr, am Samstag von 9 bis 17 Uhr und am Burgfestsonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Außer den Leihgaben, die nur etwa zehn Prozent der ausgestellten Arbeiten ausmachen, können alle Bilder käuflich erworben werden. In den meisten Fällen zu Preisen, die mehr als 75 Prozent unter den Galeriepreisen der 80er Jahre liegen. Laut Küfner wird kein Bild über 400 € kosten.

Rainer Messingschlager
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!