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Alte Mauer am Pfarrhof von St. Michael entzweit die Nachbarn - Pfarrer wehrt sich gegen Vorwürfe

Neuer Ärger um alte Mauer

Thalmässing
erstellt am 15.02.2018 um 10:50 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Thalmässing (HK) Die Mauer rund um den Pfarrhof St. Michael in Thalmässing ist nicht nur stark sanierungsbedürftig, sie ist auch denkmalgeschützt. Ebendies hat in jüngster Zeit zu Missverständnissen und Verwerfungen geführt. Die will Pfarrer Rudolf Hackner nicht auf sich sitzen lassen.
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Die Mauer um den Pfarrhof St. Michael in Thalmässing ist nicht nur denkmalgeschützt, sondern auch stark sanierungsbedürftig.
Luff, Volker, Weissenburg
Thalmässing

Pfarrer Hackner, der sonst eigentlich gerne mit einem Lächeln durch seinen Heimatort geht, ist dieses gerade gründlich vergangen: "Einen Pfarrer öffentlich der Lüge zu bezichtigen, kann nicht so stehenbleiben", sagt er. Der Geistliche bezieht sich dabei auf einen Leserbrief in unserer Zeitung, in dem die Familie Fürst, Hackners Nachbarn an der Weißenburger Straße, zumindest zwischen den Zeilen einen solchen Vorwurf erhebt. Dabei beruhe der Grund dafür lediglich auf einem Missverständnis, das mit einem Anruf schnell aus der Welt hätte geschafft werden können, so Hackner.

So aber habe er "eine volle Breitseite" abbekommen - dabei könne er gar nichts dafür. Hackner sieht in der ganzen Angelegenheit einen Missstand unserer Zeit, der vor allem durch das Internet immer mehr zunehme. "Gerade Pfarrer sind immer öfter einem Shitstorm ausgesetzt", sagt er. Schließlich arbeiteten sie als Seelsorger oft am Rand der Gesellschaft. Er beobachte eine Tendenz, gegen die er wohl auch in einem der nächsten Gemeindebriefe anschreiben werde.

"Einen Pfarrer öffentlich der Lügezu bezichtigen,kann nicht so stehenbleiben."

Rudolf Hackner

 

Was aber war im konkreten Fall geschehen? Der Bauausschuss der Marktgemeinde Thalmässing hatte sich in seiner jüngsten Sitzung mit einem Antrag zu befassen, den das Landratsamt an die Gemeinde weitergeleitet hat. Sie wurde zu ihrer Haltung befragt, weil Martin Fürst, Annette Fischer-Fürst und Katharina Triller-Fürst, die heutigen Besitzer des ehemaligen Fellnerhauses, ihr Eigentum umbauen wollen. Hierfür ist das Unterfangen der Pfarrhofsmauer notwendig - und die steht ebenso unter Denkmalschutz wie die benachbarte Pfarrkirche St. Michael. Deshalb hatte Bürgermeister Georg Küttinger Hackner in einer kurzen E-Mail gefragt, ob er den Antrag kenne. Der antwortete ebenso knapp: "Nein", schrieb Hackner. Und ergänzte, die Familie werde "gar nichts unterfangen".

In der Sitzung des Bauausschusses ging dann die saubere Trennung von Antrag und Vorhaben ein wenig verloren - was die Familie zu dem Leserbrief motivierte. Von dem Antrag habe er nichts gewusst, präzisiert Hackner im Gespräch mit unserer Zeitung. Und sich wegen der Vorgeschichte auch einigermaßen darüber gewundert. Wohl aber wusste er, dass die Familie die Mauer unterfangen wollte. Was ihr im Übrigen bereits untersagt worden sei.

Das Kuriose an der ganzen Sache sei, so Hackner mit Galgenhumor: "Ich bin gar nicht zuständig, eigentlich bin ich fein raus." Denn die Mauer - es handelt sich um die Ummauerung des alten Friedhofsteils wohl aus dem 18. Jahrhundert - ist zwar Eigentum der Kirchengemeinde, stehe aber unter staatlicher Baupflicht. Der Staat habe seine Pflicht abgegolten und wiederum die Kirche beauftragt, sich um den Unterhalt zu kümmern. Als nun Hackner Ende September von den Nachbarn über deren Anliegen informiert wurde, habe er sich noch am selben Tag an Manfred Pickl in Ansbach gewandt, den bautechnischen Referenten der Landeskirche. Drei Wochen später kam Pickl nach Thalmässing.

Beim Ortstermin, bei dem auch die Nachbarn dabei waren, sei der Experte unmissverständlich gewesen, sagt Pfarrer Hackner. Triller-Fürst habe gesagt, sie wisse schon, was zu tun sei: Sie müsse erst einen Antrag bei der Denkmalschutzbehörde stellen. Dann könne ihr Sohn zur Tat schreiten, er sei schließlich versiert in solchen Dingen. "Sie tun hier gar nichts!" Hackner erinnert sich gut an Pickls deutliche Worte, schließlich sei das strikte Verbot des Kirchenvertreters "ein entscheidender Punkt". Deshalb sei er so überrascht gewesen, auf einmal von einem entsprechenden Antrag zu erfahren. Von einer "gut gemeinten Geste", die Mauer auf eigene Kosten zu unterfangen, von der im Leserbrief die Rede ist, könne also keine Rede sein.

"Gerade Pfarrer sind immer öfter einem Shitstorm ausgesetzt."

Rudolf Hackner

 

Pickl habe die weitere Vorgehensweise verfügt: Bevor die Mauer angegangen wird, müssten sogenannte Schürfen gegraben werden, um den Untergrund zu untersuchen. Daraufhin wurden ein Statiker und eine Architektin ins Boot geholt und nicht zuletzt eine Gredinger Baufirma mit den Schürfen beauftragt. Katharina Triller-Fürst sei über alle entscheidenden Schritte informiert worden, erzählt Hackner. Einzig die Grabung der Baufirma sei am 19. Dezember geschehen, ohne sie vorab über den Zeitpunkt zu informieren. Doch habe er auch nichts davon gewusst, so Hackner. Eine Baufirma schiebe solch eine Arbeit eben ein, wenn es gerade passt. Dass "ohne unser Wissen auf unserem Grundstück Grabungsarbeiten" unternommen wurden, wie die Schreiber des Leserbriefs formulieren, sei also nur die halbe Wahrheit.

Der Statiker habe noch im Dezember zugesagt, die notwendigen Untersuchungen bis Mitte oder Ende Januar vorzunehmen. Risse an der Mauer seien mittlerweile durch die Schürfen größer geworden, räumt Rudolf Hackner ein. Doch einerseits könnten diese nun wieder verfüllt werden, andererseits ist er voll des Lobes über die Geschwindigkeit, die von allen Seiten an den Tag gelegt worden ist: "Von Ende Oktober bis Januar - das ist sensationell, wie das gelaufen ist."

Die Mauer soll laut Pfarrer Hackner noch heuer saniert werden. Eine Kostenschätzung habe er noch nicht mitgeteilt bekommen, doch wenn er die Mimik der beteiligten Experten richtig deute, bewegten sie sich wohl deutlich jenseits von 100 000 Euro. Ob die Landeskirche ob solch eine Größenordnung das Unterfangen der denkmalgeschützten Mauer von privater Hand erlaubt, sei wohl zu bezweifeln. Und neuer Ärger programmiert, fürchtet der Pfarrer.

Volker Luff
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