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Thalmässing investiert auch heuer wieder kräftig Haushaltsberatung im Marktrat

Mit 20 Millionen Euro ein absoluter Rekord

Thalmässing
erstellt am 13.03.2018 um 18:23 Uhr
aktualisiert am 17.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Thalmässing (HK) Die Zehn-Millionen-Marke ist auf jeder Seite geknackt: Verwaltungs- und Vermögenshaushalt der Marktgemeinde klettern wieder in die Höhe und zwar um knappe sechs beziehungsweise zehn Prozent. "Das ist ein stolzer Betrag für eine Kommune mit 5200 Einwohnern", sagt der Bürgermeister.
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Thalmässing: Mit 20 Millionen Euro ein absoluter Rekord
Im zweiten Abschnitt des Baugebiets "An der Leiten" geht es rund. Für mehrere Häuser wird gerade der Grundstein gelegt. Aber nicht nur Privatleute bauen, auch die Kommune wird heuer zum Bauherrn für ein Mehrfamilienhaus. - Foto: Karch
Thalmässing

Bürgermeister Georg Küttinger und Kämmerer Martin Obermeyer haben das rund 500 Seiten umfassende Zahlenwerk bei einem Pressegespräch vorgestellt. Ob der Marktrat gestern Abend dem Haushalt zustimmte, stand bis zum Redaktionsschluss noch nicht fest. Allerdings gehen die Beiden davon aus, dass das Gremium dem einstimmigen Votum des Finanzausschusses folgen wird. Und der hat den Haushalt nach zwei Beratungen zur Annahme empfohlen.

Dass Thalmässing einen 20 Millionen Euro umfassenden Haushalt überhaupt aufstellen kann, verdankt die Kommune der weiterhin kräftig sprudelnden Gewerbesteuer, die im vergangenen Jahr immerhin 1,7 Millionen Euro in die Kassen spülte. Und auch die Einkommenssteuer hat zugelegt. Ein ganz wichtiger Punkt ist der Schuldenstand. Wer keine Zinsen und Tilgung zahlen muss wie Thalmässing, kann jeden Euro aus der Zuführung vom Verwaltungshaushalt investieren.

Stolze zehn Millionen Euro wie im Plan vorgesehen wird die Kommune heuer sicher nicht in Projekte und Baumaßnahmen stecken können, schließlich hält sie nicht alle Fäden in der Hand. Wie schnell Planungen und Förderanträge vorangehen, kann sie nur bedingt beeinflussen. Gerade im Bereich der Städtebauförderung stehen hinter vielen Projekten Fragezeichen, was auch dem Prozedere geschuldet ist. Bis Anfang November muss eine Kommune ihre Anträge auf Förderung abschicken, erst ein gutes halbes Jahr später erfährt sie, ob sie Geld für ein Projekt bekommt und wie viel.

Mehr als die Hälfte der zehn Millionen Euro, die im Haushalt als Investitionen aufgelistet sind, soll auf jeden Fall ausgegeben werden. Fast 5,8 Millionen Euro sind in der Kategorie Grün und damit als "definitive Positionen" eingestuft. In dieser Summe ist auch 1 Million Euro für Maßnahmen enthalten, für die die Schlussrechnungen noch ausstehen. "Die Firmen kümmern sich derzeit lieber um neue Aufträge, als die bereits erledigten abzurechnen", sagt Georg Küttinger.

So gut es auch für die Kommune ist, wenn die Wirtschaft brummt, so hat sie auch mit den negativen Seiten des Booms zu kämpfen. "Das Hauptproblem beim Bauen ist derzeit, dass man keine Firmen bekommt", bedauert Bürgermeister Georg Küttinger. Wo noch vor wenigen Jahren 20 Angebote oder mehr bei der Ausschreibung eines Tiefbauprojekts eingegangen seien, so Küttinger, könne man heute froh sein, wenn gerade einmal 3 Firmen ihr Interesse signalisieren. Diese gute Auftragslage der Firmen zeigt sich auch bei den Preisen. "Bei den Preisen der Angebote macht die Vergabe keinen Spaß." Nichtsdestotrotz müsse die Kommune investieren angesichts der Aufgaben, die sie habe, und des derzeitigen Zinsniveaus. Kräftig hat sie bereits gestern Abend in ihre Schatulle gelangt: Ein Auftragsvolumen von 2,5 Millionen Euro stand zur Vergabe an. Unter anderem für das Haus des Buches, das im Herbst eingeweiht werden soll. Dass heuer noch ein weiteres Projekt im Bereich der Ortsneugestaltung an den Start geht, diese Hoffnung hat der Bürgermeister noch nicht aufgegeben. Eigentlich sollte es für den Umbau der Dorner-Kreuzung heuer keinen Zuschuss aus einem Sonderprogramm für den Straßenbau geben. Nach einigen Schreiben an verschiedene Minister hat Küttinger nun doch das Signal bekommen, dass "es gar nicht so schlecht ausschaut". Die Umgestaltung dieser Kreuzung mit dem Abriss von zwei Häusern und der Anlage von Parkplätzen ist eines der Leuchtturmprojekte und wichtig für die Neugestaltung des Ortskerns. Damit verbunden ist auch die Erschließung des Radwegs von Alfershausen kommend über die Bahnhofsstraße zum Marktplatz und an der Thalach entlang zum Ortsende.

Ein Projekt, das schon seit mehreren Jahren ansteht, wird heuer ebenfalls realisiert. Für den Wohnmobilstellplatz am unteren Sportplatz sind die Leadermittel endlich genehmigt, der Auftrag ist vergeben. Mit einer Summe von im Idealfall 7,66 Millionen Euro für die Jahre von 2018 bis 2021 ist das Maßnahmenpaket der Städtebauförderung einer der dicksten Brocken im Haushalt.

Ihr Hauptaugenmerk richtet die Kommune heuer auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Deshalb baut sie auch am Mühlbach ein Mehrfamilienhaus mit 15 Wohnungen. Dafür nimmt sie sogar neue Schulden in Höhe von 1,8 Millionen Euro auf. Das erscheint auf den ersten Blick bei Rücklagen von fast 5,6 Millionen Euro paradox, ist aber nur mit spitzem Bleistift gerechnet. Um eine hohe staatliche Förderung für den energetischen Ausbau des Mehrfamilienhauses - für die 15 Wohnungen gibt es 225 000 Euro - abgreifen zu können, muss die Kommune ein Darlehen von 1,5 Millionen Euro aufnehmen. Das möchte sie aber gleich nach der Fertigstellung und dem Erhalt der Zuschüsse wieder tilgen. Die anderen 300 000 Euro werden auf zehn Jahre zinslos zur Verfügung gestellt.

Die Kommune baut aber heuer nicht nur selbst, sondern ebnet auch den Boden für die privaten Bauherrn - im Baugebiet "Im Eichet" in Offenbau und "An der Leiten" in Thalmässing mit der Erschließung eines zweiten beziehungsweise dritten Bauabschnitts und der Innenverdichtung in Eysölden durch ein kleines, sechs Plätze umfassendes Gebiet oberhalb des Eysöldener Feuerwehrhauses. Für das Gebiet "Mittelsteig" wird gerade der Bebauungsplan geändert, ein zweiter Bauabschnitt kommt. Bauplätze sind begehrt: Immerhin 25 Grundstücke hat die Kommune im vergangenen Jahr verkauft. Das Baugebiet in Pyras ist voll, ebenso wie der erste Bauabschnitt in Offenbau und das Baugebiet in Alfershausen. In Eysölden gibt es gerade noch einen Platz, im zweiten Bauabschnitt "An der Leiten" keinen mehr. Und damit auch Firmen in der Marktgemeinde Thalmässing ihren Platz finden, wird für ein drei Hektar großes Gewerbegebiet in Eysölden gerade ein Bebauungsplan aufgestellt. Nicht nur einheimische, sondern auch auswärtige Betriebe haben bereits ihr Interesse bekundet.

Wo viel gebaut wird, muss man die Kinderbetreuung im Blick behalten. In Eysölden wird gerade über eine Erweiterung des Kindergartens nachgedacht. Der eben erst gebaute Hort an der Grund- und Mittelschule Thalmässing platzt laut Bürgermeister Küttinger aus allen Nähten. "Und diese Ganztagsbetreuung wird gebraucht", ist er überzeugt.

Dringend gebraucht wird auch ein neues Sportzentrum in Thalmässing. Für dessen Planung stehen heuer 260 000 Euro im Haushalt, für das nächste Jahr sind bereits 1,8 Millionen Euro vorgesehen. "Bei diesem größten Projekt in der Geschichte der Marktgemeinde sprechen wir jetzt von 7 Millionen Euro", erklärte Küttinger. Nachdem der Schützenverein aus dem Sportheimbau ausgestiegen ist, sind jetzt nur noch Kommune und der TV 06 Thalmässing im Boot. Mit dem Sportverein habe man, so Küttinger, einen guten Partner. 2019 steht noch der Bau eines weiteren Gebäudes auf dem Plan: Nach dem Feuerwehrhaus soll nun auch ein neuer Bauhof errichtet werden.

Die Kommune wird auch auf dem Abwassersektor viel Geld in die Hand nehmen, beispielsweise für ein längst überfälliges Prozessleitsystem oder den Anschluss von Eysölden an das Abwassersystem von Thalmässing. Auch der zweite Teil des Breitbandausbaus soll heuer starten. Rund 390 000 Euro sind dafür vorgesehen. In diesem Abschnitt setzt die Telekom auf Glasfaser, mit deren Hilfe jeder Gemeindeteil in den Genuss von schnellem Internet kommt. "Und das in unserer Flächengemeinde," sagt Kämmerer Martin Obermeyer, der zugleich Breitbandpate der Kommune ist, zufrieden. Umgesetzt werden heuer auch die Maßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung wie die Gestaltung eines Dorfplatzes in Waizenhofen und der Neubau des Feuerwehrhauses. Investiert wird auch wieder in den Unterhalt der Schulen, in neue Sanitäranlagen in der Grundschule Eysölden und der SVE in Offenbau, in die Verbesserung von Brandschutz und Barrierefreiheit. Rund 200 000 Euro lässt sich die Kommune die Sanierung des Hartplatzes in Thalmässing kosten.

Abgefräst und neu asphaltiert wird ein Teilstück der Straße von Stetten nach Schwimbach, für den Ausbau der Verbindung von Aue nach Schwimbach laufen die Planungen. Die Umfahrung von Kolbenhof und die Europabrücke sind ebenfalls in der Planungsphase. "Mit all den naturschutzrechtlichen Auflagen wie der Amphibienzählung sind die Planungen mittlerweile sehr aufwendig", sagt Küttinger.

Mit ihren Einnahmen könnte die Kommune jedes Jahr ungefähr drei Millionen Euro an Investitionen stemmen. Für die vier Jahre von 2018 bis 2021 stehen allerdings Investitionen von 37 Millionen Euro im Finanzplan. "Wenn wir das alles umsetzen, müssen wir mit acht Millionen Euro Schulden rechnen", so der Bürgermeister. "Bei 5200 Einwohnern engt uns das schon ein. Wir trauen uns schon etwas."

Allerdings stehen hinter der Umsetzung vieler Positionen große Fragezeichen, wie Kämmerer Martin Obermeyer vorrechnet. Er gibt auch zu bedenken, dass ein Schuldendienst die Zuführung zum Vermögenshaushalt reduziere. Zudem werden neue Projekte wie das Haus des Buches oder die Sporthalle auch höhere Unterhaltskosten mit sich bringen. Die hohen Investitionen fordern nicht nur hohe Summen, sondern auch Manpower. "Die Verwaltung kommt mit diesen Projekten an ihre Grenzen. Wir arbeiten am Limit", räumte auch der Bürgermeister ein.

Von Andrea Karch
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