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Sorgen wegen akuten Priestermangels überschatten Pfarrfest

erstellt am 20.06.2003 um 17:45 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 11:32 Uhr | x gelesen
Röttenbach/Mühlstetten (ao) Die katholische Pfarrei Röttenbach feiert an diesem Sonntag das Pfarrfest auf dem Kirchplatz. Den feierlichen Gottesdienst, den der Musikverein mitgestaltet, zelebriert um 9.30 Uhr Pfarrer Eugen Decker in "Maria Königin". Daran schließt sich ein musikalischer Frühschoppen an. Um das folgende Mittagstisch kümmern sich die vielen Helferinnen und Helfer um Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Anton Schmidpeter.
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Am Nachmittag sorgen Tänze der TSV-Kids (14 Uhr), der TSV-Garde (15 Uhr) und der Landjugend (17 Uhr) zusätzlich für Kurzweil. Ein Infostand gibt Einblicke in Aufgabe und Schaffen des Krankenpflegevereins.

Das Pfarrfest wird überschattet von einer Entwicklung, die noch vor Jahrzehnten kaum jemand wahr haben wollte und nur von wenigen besorgten Realisten vorausgesehen wurde: In der Gemeinde Röttenbach gibt es zwar vier Kirchen, aber aufgrund des Priestermangels bald keinen eigenen Pfarrer mehr. Pfarrer Eugen Decker (70 Jahre), der in den Ruhestand gehen und Röttenbach Ende August verlassen wird, bleibt ohne Nachfolger.

Damit ändert sich die pastorale Struktur im Röttenbacher Bereich erheblich: Bereits mit Wirkung zum 1. Januar 2003 wurde gemäß bischöflichen Dekret die Filiale Mühlstetten aus der Pfarrei Stirn und dem Dekanat Weißenburg genommen und der Pfarrei Röttenbach und damit dem Dekanat Schwabach zugeordnet. Dabei bat Bischof Walter Mixa Pfarrer Alois Feihl (Stirn) "seine bereits geplanten seelsorgerischen Dienste in der Filiale Mühlstetten in Absprache mit Eugen Decker weiterzuführen".

Die Pfarrei Stirn, der Mühlstetten bislang angehörte, wird mit Ellingen, Fiegenstall, Pfraunfeld, Pleinfeld, Raitenbuch, Stopfenheim, St. Veit, Walting und Weißenburg eine große Seelsorgeeinheit für die überpfarrliche Zusammenarbeit bilden. Röttenbach einschließlich Mühlstetten, wird mit Roth, Büchenbach und Georgensgmünd zusammenarbeiten.

Ab September gibt es für den Bereich Röttenbach, Mühlstetten und Georgensgmünd, wo bislang drei Priester wirkten, nur noch einen Pfarrer mit Sitz in Georgensgmünd. Einige ganz wenige besorgte Pfarrangehörige sahen den Notstand zeitig voraus und erhofften sich bereits vor Jahrzehnten, wie ein Rückblick auf eine bedeutsame Begebenheit im Jahre 1967 zeigt, durch einen "Kirchenbau in zentraler Lage" eine für Seelsorger wie Pfarrangehörige hilfreichere Lösung.

Domkapitular Reitzer war 1967 im Knäbleinsaal Referent eines außerordentlich gut besuchten Pfarrabends. Er stellte sich auch den Fragen seiner Zuhörer. In einem Beitrag drängten Vertreter der Kirchenverwaltung auf einen Pfarrhausneubau bei der Ulrichskirche, am Ortsrand Röttenbachs fernab von Mühlstetten. Da meldeten sich · völlig überraschend für die Versammlung · zwei Pfarrangehörige mit einer ganz neuen Überlegung zu Wort.

Wunsch nach PfarrzentrumStatt eines kostspieligen, dabei doch immer beengt bleibenden und somit letztlich behelfsmäßigen Bauaufwands am Ortsrand Röttenbachs votierten sie für ein zeitgemäßes Pfarrzentrum mit Kirche, Pfarrheim und Pfarrhaus am Westrand Röttenbachs. Also in für Mühlstetten und Röttenbach zentralere Lage, was die priesterliche Versorgung beider Orte angesichts eines akuten Priestermangels deutlich hätte erleichtern können.

In unzähligen Diskussionen, schriftlichen Eingaben und dergleichen wurde auf Mühlstettener wie Röttenbacher Seite viel persänliche Energie aufgewendet. Schließlich kam es zum Bau am Westrand Röttenbachs Richtung Mühlstetten.

Am 9. Juni 1974, der Weihe des "Pfarrzentrums Maria Königin" durch Bischof Alois Brems, erlebte Röttenbach einen der größten Festtage seiner Geschichte. Zum Festgottesdienst waren auch viele Mühlstettener gekommen.

Was vorausschauend bei einem eventuellen Priestermangel als mögliches gemeinsames Pfarrzentrum für Röttenbach und Mühlstetten gedacht war, wurde zur Kirche für Röttenbach allein. Das nicht einmal zwei Kilometer entfernte Mühlstetten bekam 1990 ein eigenes Gotteshaus. Sicher führte zu dieser Entscheidung unter anderem auch die große Hoffnung, die Kirche im eigenen Dorf könne auf Dauer die lebendige Glaubensgemeinschaft garantieren.

Auch eine rein praktische Überlegung spielte bei der Entscheidung mit herein: Muss bei Priestermangel der Pfarrer Gottesdienste in Mühlstetten und Röttenbach zelebrieren, ist es besser, nur einer · nämlich der Pfarrer · kommt zur Kirche im eigenen Ort · und die vielen Messbesucher müssen nicht zum Gotteshaus im entfernten Nachbarort fahren.

Alois Osiander
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