Donnerstag, 16. August 2018
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Hopfen- und Kirschbauern wollen Klimawandel technisch begegnen - CSU gibt sich "aufgeschlossen"

Seenland-Wasser für die Felder

Spalt
erstellt am 13.06.2018 um 17:55 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Spalt/Kalbensteinberg (HK) Der Klimawandel bedroht die landwirtschaftlichen Sonderkulturen am nördlichen Ufer des Brombachsees, vor allem den Anbau von Hopfen und Kirschen. Deshalb sind Lösungen dringend gesucht. Eine denkbare ist die künstliche Bewässerung.
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Mit den Sorgen der Hopfen- und Kirschbauern am Brombachsee beschäftigen sich Landtagsabgeordnete der CSU bei einem Ortstermin.
Mit den Sorgen der Hopfen- und Kirschbauern am Brombachsee beschäftigen sich Landtagsabgeordnete der CSU bei einem Ortstermin.
Foto: Schmitt
Spalt
80 Familienbetriebe, die am Brombachsee seit Generationen mit Kirschen- und Hopfenanbau die Landschaft prägen, leiden schon viele Jahre lang unter Wassermangel und Extremwetterereignissen. Dem wollen die Bauern nun mit einem eigenen Bewässerungssystem entgegentreten. "Ohne ein solches werden Hopfen und Obst hier keine Zukunft haben", zeigte sich Frank Braun, der Geschäftsführer der Hopfenverwertungsgenossenschaft (HVG), überzeugt. "Bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre könnte dann damit Schluss sein."

Auf Initiative des Landtagsabgeordneten Volker Bauer haben der geschäftsführende Vorstand der CSU-Landtagsfraktion und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann das Gebiet besucht. Die Landwirte dort wollen eine eigene Wasserversorgung installieren, die ihre Erträge für die Zukunft stabilisiert. "Es geht nicht um eine Steigerung", betonten die Initiatoren. Für diese Bewässerung brauchen sie die Hilfe des Freistaats. Denn es handelt sich um eine Investition, die ersten Berechnungen zufolge zwischen 15 und 25 Millionen Euro liegen könnte. "Wir stehen dem aufgeschlossen gegenüber", fasste der CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer die Eindrücke das Abstechers in das Spalter Hügelland und Absberg zusammen. Er war mit seinen Stellvertretern Karl Freller aus Schwabach und Tobias Reiß in Bauers Stimmkreis und den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gekommen.

Dort soll eine Fläche von 270 Hektar per Leitungssystem umweltschonend, bedarfsgerecht, sicher und nachhaltig mit Wasser versorgt werden, das zwischen Georgensgmünd und Niedermauk aus der Schwäbischen Rezat entnommen wird. Die Leitung wäre gut 100 Kilometer lang. Ein gewisse Hürde stellen dabei die Höhenunterschiede und die Kleinteiligkeit der Anbauflächen dar. "Wir brauchen Druck am Fuß des Hügellands und oben nochmals zur Verteilung", erklärte der Diplomingenieur Christoph Schmoll vom Planungsbüro PFK in Ansbach. Und ergänzte: "Technisch zwar keine Schwierigkeit, aber das macht es teuer." Eine Machbarkeitsstudie liegt bereits vor.

Zum Termin waren neben Landwirten und Vertretern der Hopfenverwertungsgenossenschaft auch Fachleute aus dem Wasserwirtschaftsamt gekommen. Dessen Leiter Ulrich Vitzthum unterstützte den Plan der Hopfen- und Kirschbauern aus den Gemeinden Spalt, Georgensgmünd, Röttenbach, Abenberg und Absberg mit Nachdruck: "Das ist aufgrund sinkender Niederschlagsmengen ohne Zweifel erforderlich", sagte er und verwies auf die Wassermengen aus dem Almühlüberleiter und dem Donaubereich, die über die Rezat gen Norden geleitet werden. "Sie waren von den ersten Planungen des Seenlandes an für solche Bewässerungsprojekte gedacht", erklärte Vitzthum. Weil damit in Unterfranken bereits Wein technisch bewässert werde, "ist es gerecht, wenn mit diesem Projekt Wasser auch hier in der Region bleibt", ergänzte Minister Herrmann.

Von Seiten der Kirsch- und Hopfenbauern hieß es dazu, ihren Erfahrungen zufolge gingen die Erträge bei Sommern mit großer Hitze und wenig Niederschlag stark zurück. "Im Schnitt habe ich beim Hopfen auf meinen Flächen eine Ernte von 100 Zentnern", sagte der Landwirt Theo Ballenberger. Jedoch nicht immer: "2015 waren es nur 53 Zentner, im Jahrhundertsommer 2003 reduzierte sich die Menge mit 32 Zentnern sogar auf ein Drittel", rechnete er vor.

Frank Braun führte als zusätzliches Argument die Qualität des geernteten Hopfens an. "Die Alpha-Säure als wichtigster Bestandteil im Hopfen liegt dann oft nur bei einem Viertel gegenüber Jahren mit mehr Regen", sagte Braun. "Das drückt den Preis, mit dem dann nicht einmal die Kosten gedeckt werden können", so Ballenberger.

Ulrich Vitzthum sah in dem Projekt auch einen wichtigen Schutz für das Grundwasser, das nicht für die Bewässerung aus Brunnen ausreiche. "Ich bin guter Hoffnung dass es hier aufgrund der Initiative der Landwirte eine Wasserversorgung geben wird, die die wunderschön kleinteilig gegliederte Landschaft erhält", sagte der Wasserexperte. Das werde sogar "einen Wasserkrieg verhindern, denn der einzelne Landwirt kann nichts dafür", betonte Vitzthum. Die Bauern setzten hier schließlich mit traditionellen Methoden und hohem Arbeitseinsatz auf die richtigen Kulturen. "Aber der Klimawandel mit extremer Hitze, enormer Verdunstung, geringen Niederschlägen und eng begrenzten Extremlagen bedroht die Erträge nachhaltig."

Vitzthum wurde von aktuellen Nachrichten bestätigt. "Just heute hat Hagelschlag 80 Prozent des Hopfens einiger Bauern hier total zerstört", meldete der HVG-Mitarbeiter Andreas Auernhammer, der im Georgensgmünder Ortsteil Hauslach selbst Hopfen zieht.
Robert Schmitt
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