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Obst- und Gartenbauverein Eysölden feiert 125. Geburtstag - Aufgabenbereich ist größer geworden

Samen ist aufgegangen

Eysölden
erstellt am 13.06.2018 um 15:43 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eysölden (HK) Vor 125 Jahren ist in Zeiten, in denen die Landwirtschaft große Not litt, in Eysölden ein Obstbauverein gegründet worden. Auf die bewegten Jahre seit der Gründung blickt der heute über 350 Mitglieder zählende Obst- und Gartenbauverein (OGV) Eysölden an diesem Sonntag zurück. Sein Jubiläum nutzt er aber auch, um die ganze Bandbreite seines Angebots und seiner Aktivitäten zu zeigen.
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Farbenfroh wird es auch am Sonntag zugehen, wenn der Obst- und Gartenbauverein Eysölden sein Jubiläum feiert. Gefeiert hat der Verein schon immer gern und dabei auch den Nachwuchs mitmachen lassen.
Farbenfroh wird es auch am Sonntag zugehen, wenn der Obst- und Gartenbauverein Eysölden sein Jubiläum feiert. Gefeiert hat der Verein schon immer gern und dabei auch den Nachwuchs mitmachen lassen.
OGV Eysölden
Eysölden
"Befriedigt kann Eysölden auf diese Gründung zurückblicken und dann zu sich sagen: wieder einmal etwas geleistet." Dieses Resümee hat das Hilpoltsteiner Wochenblatt in seinem Artikel vom 25. Oktober 1893 gezogen, als es über die Gründung des Obstbauvereins berichtete, dem 65 Mitglieder zwei Tage zuvor sofort beigetreten waren. Das Interesse an diesem neuen Verein war so groß, dass der Saal der "Meyer'schen Gaststube" die vielen Besucher gar nicht fassen konnte. Alle wollten das Referat von Pfarrer Engelhardt von Eschenbach hören, der "in trefflicher Weise den Nutzen des Obstbaus und die Nothwendigkeit der Gründung von Obstbauvereinen" schilderte, wie man vor 125 Jahren im Wochenblatt nachlesen konnte.

Wie hilfreich solche Vereine gerade in schlechter Zeit waren, hatten die Eysöldener bereits festgestellt. Ein Jahr zuvor war der Darlehenskassenverein gegründet worden und hatte während der Futternot dafür gesorgt, dass seine Mitglieder 400 Zentner Mohnkuchen und 200 Zentner Mais zu annehmbaren Preisen kaufen konnten. Das ermöglichte es ihnen, trotz der Missernte "den Winter über leidlich durchzukommen". Auch der Obstbau lag zu der Zeit "darnieder". Um dem entgegenzuwirken , war bereits im Frühjahr 1893 eine Obstanlage geschaffen worden. "100 prächtige Apfelbäumchen zieren in wohlgeordneten Reihen einen in der Nähe von Stauf gelegenen Hügel", schrieb das Wochenblatt damals.

So wie in Eysölden wurden Ende des 19. Jahrhunderts in vielen Orten Mittelfrankens Obstbauvereine gegründet, deren Ziel es war, Wissen und Erfahrungen um den Obstbau weiterzugeben und die Mitglieder mit regionalem, der Witterung angepasstem Pflanzgut zu versorgen. Ging es zu Gründungszeiten dieser Vereine in erster Linie um den Anbau von Obst und Gemüse für den Lebensunterhalt, steht heute das Ernten von möglichst schadstofffreien Lebensmitteln im Vordergrund, schreibt Ursula Klobe in ihrem Grußwort in der Festschrift. Sie hat vor sieben Jahren den Vorsitz des Vereins von Rudi Benda übernommen, der ihn 20 Jahre lang geprägt hatte, Dessen Vorgänger wiederum waren Friedrich Schröder aus Tiefenbach (1977 bis 1991) und Friederich Schmidtkunz aus Eysölden (1971 bis 1977). Vor allem Walter Bischoff, der dem Verein von 1921 bis 1950 und dann noch einmal von 1954 bis 1971 vorstand, hat dem OGV seinen Stempel aufgedrückt. In seiner Ära wurde nicht nur das Obstverwertungshaus mit Saftpresse und Obstdörre gebaut (1931), sondern wurden auch 174 Obstbäume gepflanzt. Der Gärtnermeister hat ständig nach regionalen Sorten gesucht, die in unserem Klima zurechtkommen und sein Wissen um Sortenwahl und Pflege auch stets weitergegeben.

Nur drei Jahre lang wurde mit Spindelpresse und Muser gemostet, dann wurde bereits auf Motorbetrieb umgestellt. Seitdem wurde ständig in die Mosterei investiert, wurde sie erweitert und umgebaut wie 1978 und 1999. 888 Hektoliter Süßmost und 56 Hektoliter Gärmost wurden 2016 hier erzeugt. Pro Stunde können mit der Bandpresse zwei Tonnen Obst gepresst werden, die ungefähr 1300 Liter Most ergeben.
Aber auch beim Arbeiten ist die Jugend mit dabei, wie hier beim Einbau der Bandpresse in die Mosterei vor knapp 20 Jahren.
Aber auch beim Arbeiten ist die Jugend mit dabei, wie hier beim Einbau der Bandpresse in die Mosterei vor knapp 20 Jahren.
OGV Eysölden
Eysölden



Schon bald soll nun mit dem Bau einer neuen Mosterei begonnen werden, damit auch andere Obstsorten als Äpfel und Birnen verwertet werden können. Diese Mosterei soll auch einen Jugendraum sowie ein Lager bekommen. Auch einen Vereinsgarten möchte man anlegen. "Derzeit hat jedes Vorstandsmitglied irgendwelche Kisten für die Jugendarbeit daheim stehen", erzählt Vorsitzende Ursula Klobe. "Und Rudi Benda, der Geschäftsführer der Mosterei, lagert einen Teil des Saftes, der verkauft wird,bei sich daheim im Keller."

In all den Jahren hat sich der OGV als sehr rührig erwiesen. Die Mitglieder kommen nicht nur aus Eysölden mit Ziegelhütte und Neumühle, sondern auch aus Oberrödel mit der Lochmühle, Offenbau, Lay, Pyras mit Heindlhof und Zereshof, Stauf, Steindl, Tandl, Tiefenbach, Weinsfeld und Zell. Die angeschlossenen Orte beteiligen sich fleißig am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden", der Verein macht bei der Obstbörse des Landkreises mit, die es seit 20 Jahren gibt. Auch bei der Pflanzentauschbörse aller Gartenbauvereine im Thalmässinger Gemeindegebiet und des Bund Naturschutz beteiligt sich der Eysöldener Verein seit dem Jahr 2000.

1993 hat der Verein seinen 100. Geburtstag gefeiert und zusammen mit dem Bund Naturschutz einen Lehrpfad mit einheimischen Gehölzen angelegt. Jedes Jahr gibt es Kurse, in denen die Grundlagen des Obstbaumschnitts vermittelt werden. Regelmäßig stehen auch Arbeitseinsätze an, ob am Mosthaus, der Streuobstwiese oder für das Pflanzen weiterer Bäume. Auch Blumenschmuckwettbewerbe und Ortsbegehungen gehören zum Programm. Seit drei Jahren gibt es monatlich den Gartler-stammtisch im Eysöldener Schloss, der immer mehr Stammgäste hat. Sie nutzen die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Zudem gibt es Informationen zu Gartenthemen wie Rosenschnitt, Kompost oder Düngung.

Wichtig ist dem Verein aber auch die Nachwuchspflege. So gibt es jedes Jahr einen Pflanzenwettbewerb, Basteln zum Muttertag, Nistkastenbau oder auch die Waldweihnacht. Der geplante Jugendraum soll der Nachwuchsarbeit weiteren Schwung verleihen. "Man kann nur schützen, was man kennt", sagt Ursula Klobe, der deshalb die Bildungsarbeit besonders am Herzen liegt.

Dass bereits 1893 im Wochenblatt dazu aufgerufen worden war, "durch den Beitritt zu dem zu gründenden Obstbauverein zu bekunden, dass sie auch mit-thun wollen, den in unserer Gegend so arg darniederliegenden Obstbau zu heben, bekunden, dass sie am Platze sind, wenn es gilt, gemeinnützige Bestrebungen zu unterstützen", gefällt Ursula Klobe besonders. Sie freut sich darüber, dass das Interesse an der Arbeit der Obst- und Gartenbauvereine und die Bereitschaft, sich zu engagieren , in den vergangenen Jahren gewachsen sind. "Es ist Bedarf da, immer mehr wollen etwas für die Umwelt und Natur tun", hat sie festgestellt. "Und dann macht es auch Spaß, Vorsitzende eines solchen Vereins zu sein."
Andrea Karch
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