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Michael Fruth nimmt seinen 30. Rothsee-Triathlon nicht mehr mit dem früheren Ehrgeiz in Angriff

"Ich gehe da nicht an die Grenzen"

Hilpoltstein
erstellt am 13.06.2018 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 17.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Michael Fruth ist eine treue Seele. Deswegen und weil es immer noch Spaß macht, tritt er am kommenden Sonntag zu seinem 30. Rothsee-Triathlon an. Der 48-jährige Hilpoltsteiner ist damit wie der "Mister Rothsee" genannte Rekordsieger Marcus Schattner einer der wenigen, die keinen einzigen Wettkampf verpasst haben.
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Fotos: Kofer, privat
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Große sportliche Ambitionen hat Michael Fruth bei seinem 30. Rothsee-Triathlon nicht mehr. "Ich mach' das nur für mich." Inzwischen ist es ihm egal, ob er auf Platz 250 oder 450 landet - Hauptsache, er kommt ins Ziel und hat Spaß dabei.

Das war früher anders. Mitte der 1990er-Jahre wollte er sich sogar ein Jahr lang von seinem Beruf bei der Telekom freistellen lassen, um mehr trainieren zu können. In der Mannschaft des SC Roth war er zusammen mit Marcus Schattner und Thomas Herrmann einige Male mittelfränkischer Meister. Aber dann entschied er sich doch für die Familie und seinen Job, Triathlon wurde eher zum ambitionierten Hobby.

Das war 1996, als das neue Baugebiet in Hilpoltstein entstand, das passenderweise "Über dem Rothsee" heißt. Fruth sicherte sich einen Bauplatz und schraubte sein sportliches Engagement zurück. Für den Rothsee-Triathlon brauchte er jetzt eine halbe Stunde länger als gewohnt. "Ich wollte eigentlich ganz aufhören, aber ich bin froh, dass ich mich so entschieden habe", sagt er heute.
 
Fotos: Kofer, privat
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Denn der Rothsee-Triathlon gehört noch immer zu Michael Fruths Lieblingswettkämpfen, die er nie missen möchte, seit er mit 19 Jahren zum ersten Mal antrat. Eher durch Zufall. Sein Vater hatte ihm ein Moped geschenkt. "das habe ich verkauft und ein Rennrad dafür gekauft. Eine Lederjacke ist auch noch dabei herausgesprungen", erzählt Fruth und lacht. An das Rad erinnert er sich noch genau: ein blaues Peugeot mit Stahlrahmen und Schaltung am Unterrohr. "Das hat 530 Mark gekostet. Damit habe ich auch meinen ersten Triathlon gemacht", erinnert sich Fruth.

Es war der Birkensee-Triathlon in Nürnberg, den "Bauzi" Baumann, Besitzer eines Sportgeschäfts, veranstaltete. "Der Bauzi hat gesagt: Da machst du mit." Also machte Fruth mit. Zusammen mit seinem Freund Robert Distler, mit dem er damals in die Berufsschule ging, die gleich in der Nähe von "Bauzis" Laden lag. Mit Distler hat Fruth im Zug immer Schafkopf gespielt, den ganzen Winter hindurch. Die Vorbereitung auf den Triathlon-Wettkampf begann erst im Frühjahr. Für den Birkensee-Triathlon reichte das locker. Doch beim 1. Rothsee-Triathlon am 30. Juli 1999 standen plötzlich nicht mehr 500 Meter Schwimmen in der Ausschreibung, sondern 1500 Meter - das Dreifache. "Da habe ich mich dann bemüht, etwas mehr zu machen", sagt Fruth, der damals noch für den TSV Roth startete.

"Deshalb habe ich alle Wettkämpfe mitgemacht", sagt er. Denn die Sportler vom SC Roth, Veranstalter des Rothsee-Triathlons, hatten im ersten Jahr Startverbot beim Heimrennen, Organisator Dietmar Schuster brauchte sie dringend als Helfer am Wettkampftag. Erst im Jahr darauf wechselte Fruth zum SC, aber nur unter der Bedingung, dass er beim Rothsee-Triathlon an den Start gehen darf. Helfen musste Fruth dennoch. Am Vorabend des Rennens polierte er in Schusters Keller die Pokale. Besonders glänzend wienerte er damals die Trophäe für den dritten Platz der Altersklasse M19. Seine Begründung: "Den hol ich mir morgen." Alle lachten, doch Fruth machte ernst. Heute steht der Pokal im Keller, nur fürs Foto holt er ihn wieder raus.
Ein Pokal und seine Geschichte: Aus den Händen von Harry Wijnvoord (links) erhält Michael Fruth nach dem ersten Rothsee-Triathlon die Trophäe für den dritten Platz in seiner Altersklasse. Als Helfer beim SC Roth hatte er diesen und alle anderen Pokale am Vortag im Auftrag von Dietmar Schuster (3.v.r., rechts daneben Markus Brautsch aus Greding) poliert, um bei der Premiere dabei sein zu können.
Ein Pokal und seine Geschichte: Aus den Händen von Harry Wijnvoord (links) erhält Michael Fruth nach dem ersten Rothsee-Triathlon die Trophäe für den dritten Platz in seiner Altersklasse. Als Helfer beim SC Roth hatte er diesen und alle anderen Pokale am Vortag im Auftrag von Dietmar Schuster (3.v.r., rechts daneben Markus Brautsch aus Greding) poliert, um bei der Premiere dabei sein zu können.
Fotos: Kofer, privat
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Pokale hat Fruth seitdem viele gesammelt, sie interessieren ihn nicht mehr. Höchstleistungen sind nicht mehr Fruths Anspruch, auch wenn er noch immer schnell unterwegs ist, vor allem auf dem Rennrad. Im Mai gewann er beim Hilpoltsteiner Duathlon noch die Stadtmeisterschaft in der Staffel mit seinem Freund Martin Heinloth. "Mir macht's halt Spaß", sagt Fruth. "Und den Rothsee-Triathlon kann ich mit 50 auch noch machen." Das hat er früher zumindest immer behauptet. Heute ist er anderer Ansicht: "Es geht vielleicht auch länger", sagt er und lacht. Er will auf alle Fälle so lange dabei sein, wie es geht. Für ihn ist das der Sinn des Sports. "Mittlerweile glaubt jeder, er muss einen Ironman im Lebenslauf stehen haben. Dann trainiert er ein paar Jahre und hört wieder auf, wenn er es geschafft hat", sagt Fruth. Kein Modell für ihn. "Ich bin ein beständiger Mensch", sagt Fruth. "Warum soll ich etwas ändern, wenn es funktioniert?"

Sechs Mal die Woche treibt er Sport, mit System, aber ohne enge Trainingspläne und ohne Stress. "Wenn ich am Wochenende drei bis vier Stunden durch die Eichstätter Gegend fahre, dann ist das für mich wie ein kleiner Urlaub." Und der Rothsee-Triathlon ist einfach Tradition - und liegt vor der Haustür. "Ich geh' da jetzt nicht an meine Grenzen", sagt Fruth. Die teuren Laufräder der Rennmaschine überlässt er diesmal seinem Sohn Jannik, 15, der am Samstag beim Jugendrennen antritt. "Er hat meine Radgene geerbt, aber er ist mittlerweile schneller als ich." Der Lauf der Zeit. Michael Fruth nimmt es mit einem Achselzucken. Ärgerlich wäre für ihn nur, wenn er bei seinem 30. Rothsee-Triathlon ausscheiden würde. Deshalb trifft er besondere Vorkehrungen für den Wettkampf-Sonntag. "Ich fahr ein Kilo Material mit herum", verrät er: zwei Ersatzschläuche, eine Gaskartusche und eine Luftpumpe. Bloß keinen Platten zum Jubiläum.
 
Robert Kofer
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