Dienstag, 18. Dezember 2018
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Youngster Yasi Hofer ist der Volltreffer der Bluestage und treibt die Senioren von Savoy Brown zu Höchstleistungen

Gitarrenduell der Generationen

Roth
erstellt am 25.03.2018 um 12:05 Uhr
aktualisiert am 30.03.2018 um 16:07 Uhr | x gelesen
Roth (HK) Am Ende sind es dann doch wieder die Gitarren, die alles rausreißen. Sollten sie doch dieser Tage nicht unbedingt die erste Geige spielen. Doch es heißt eben Rother Bluestage und soll es so richtig abgehen, dann braucht es harte Riffs und ausgeprägte Soli.
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Savoy Brown
Savoy Brown mit Kim Simmonds am 23.03.2018 in der Kulturfabrik bei den 27. Rother Bluestagen. Foto: Tobias Tschapka
Tobias Tschapka
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So wie am Freitagabend, als in der proppenvollen Kulturfabrik die alten Hasen von Savoy Brown mit der jungen deutschen Zaubergitarrristin Yasi Hofer gemeinsame Sache machten.

 

Bluestage brauchen ihre Entdeckung, ihren Aha-Moment. Letztes Jahr war es Sari Schorr, heuer ist es Yasi Hofer. Die Vorschusslorbeeren waren zwar schon ziemlich groß: mit 14 von Steve Vai entdeckt, mit 15 in Stuttgart das Musikstudium begonnen, dann auf das Berklee College of Music gewechselt und von "Eclipsed” zuletzt auf eine Stufe mit Steve Vai und Joe Sartriani gehievt - aber eigentlich wurde das alles noch übertroffen. Sympathisch, locker und unkompliziert packte die 25-Jährige einen Gitarrenhammer aus, den man in der Form nicht alle Tage sieht.

In Schnelligkeit und Technik braucht sich Yasmin Ines Hofer in der Tat vor niemandem zu verstecken. Aber irgendwie macht sie es besser, als ihre männlichen Pendants. Denn wo die von Testosteron getriebenen Herren nicht selten ihre Soli in die endlosen Weiten des Universums entschweifen lassen, weiß die junge Ulmerin immer, wann der Zeitpunkt gekommen ist, Tempo, Geschwindigkeit, Takt oder die Lautstärke zu ändern. Ihre Stücke sind und bleiben von Anfang bis zum Ende spannend. Und wer jetzt bei all dieser Technik den Blues vermisst, dem wird auch geholfen. Nicht nur, dass einige Stücke durchaus von bluesigen Riffs getragen werden, sie kann den Blues auch richtig. Ein bisschen Kritik muss aber auch sein: Beim Gesang ist noch viel Luft nach oben. Aber da die wenigsten ihrer Stücke mit Gesang sind, schmälert das den Genuss nur ein wenig.

Yasi Hofer
Die Gitarristin Yasi Hofer am 23.03.2018 in der Kulturfabrik bei den 27. Rother Bluestagen. Foto: Tobias Tschapka
Tobias Tschapka
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Ob zur Zeit generell so gut drauf oder von Yasi Hofer inspiriert, Fakt ist, dass die drei Senioren von Savoy Brown anschließend loslegten, als wäre gerade 1975. Nun gut, das Alter kann man nicht leugnen, aber das, was auf der Bühne abgefeuert wurde, das hatte Härte, Biss und Durchschlagskraft. Ob es nun die neuen Sachen vom jüngsten Album "Witchy Feeling” oder Klassiker wie "Tell Mama”, "Wang Dang Doodle” oder "I'm Tired” waren, Gitarrist und Sänger Kim Simmonds, Bassist Pat de Salvo und Drummer Garnet Grimm zeigten sich in Höchstform.

Dabei sah es gerade für den Sauerbratenliebhaber de Salvo Mitte der Woche noch gar nicht gut aus. Da konnte er nämlich seinen rechten Ellenbogen kaum bewegen. Doch dank der Rother Medizin war davon am Freitagabend nichts mehr zu merken und der Basser strotzte wie seine zwei Kompagnons vor Spielfreude. Aus Simmonds Gesicht wollte das Grinsen den ganzen Abend nicht weichen. Es nahm sogar noch zu, als er bei der Zugabe mit Yasi Hofer den "Louisiana Blues” anstimmte. Es war einfach sensationell den beiden, die immerhin 45 Jahre trennen, beim Gitarrenduell zuzuhören, das immer wieder in zweistimmige Parts mündete. Wahrscheinlich der Höhepunkt der Rother Bluestage, tierischer Spaß mit dreieinhalb Stunden wohltemperierter Gitarrenmusik. Oder wie ein Zuschauer sagte: "A geils Konzert und der EHC hat gwunna, was willsd mehr.”

Rainer Messingschlager
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