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Mit einem Festakt eröffnet Allersberg das künftige Drahtzug- und Christbaumschmuckmuseum im Gilardihaus

Reiche Geschichte

Allersberg
erstellt am 01.07.2018 um 14:31 Uhr
aktualisiert am 05.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Allersberg (HK) Premiere im großen, neuen Gilardi-Saal: Mit einem Festakt vor geladenen Gästen hat die Marktgemeinde Allersberg am Samstag die Gilardi-Ausstellung eröffnet, die den Grundstock für ein Museum über den leonischen Drahtzug und den Christbaumschmuck in Allersberg bilden wird.
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Seit kurzem sind die Sanierungsarbeiten des ersten Bauabschnittes dem ehemaligen Fabrikgebäude abgeschlossen. Dies nahm die Gemeinde zum Anlass, das künftige Gilardi-Museum zu präsentieren. Musikalisch umrahmte das Pfarrei-Quartett die Feierstunde mit flotter Musik. Im Saal begrüßten "Sybilla Gilardi" (Petra Schmidt-Lerzer) und "Jakob Gilardi" (Dieter Koszil) in "barocker" Kleidung die vielen Gäste. "Heute ist für mich ein ganz besonderer Tag", sagte Sybilla Gilardi, "ein Tag, der in die Geschichte Allersbergs eingehen wird".
Das Pfarrei-Quartett umrahmt den Festakt im neuen Gilardisaal (oben). Mit dem Durchschneiden des roten Bandes (links) ist das Museum offiziell eröffnet, das mit einer Fülle an historischen Maschinen, Arbeitsgeräten, Bildern und Dokumenten besticht.
Das Pfarrei-Quartett umrahmt den Festakt im neuen Gilardisaal (oben). Mit dem Durchschneiden des roten Bandes (links) ist das Museum offiziell eröffnet, das mit einer Fülle an historischen Maschinen, Arbeitsgeräten, Bildern und Dokumenten besticht.
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Zur Eröffnung der musealen Ausstellung spannte sie einen historischen Bogen von den Anfängen der leonischen Industrie bis hin zur Herstellung von Christbaumschmuck im Allersberger Gilardihaus. Auch über den persönlichen Werdegang von Sybilla und Jakob Gilardi berichtete sie Interessantes. Nach der symbolischen Schlüsselübergabe an Bürgermeister Daniel Horndasch wünschte Sybilla Gilardi der neuen musealen Einrichtung alles Gute und viele Besucher.
 
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"Ihnen und Ihren Vorfahren ist es zu verdanken, dass die Exponate erhalten geblieben sind", wandte sich der Bürgermeister an Alexander Schulenburg, "Sie haben das Ausstellungskonzept mit gestaltet und sich vorbildlich mit eingebracht." 2006 habe die Gemeinde das gesamte Anwesen erworben mit dem Ziel der Sanierung, 2008 gab es eine Nutzungskonzeption, 2013 ein erstes Grobkonzept, 2015 ein Feinkonzept und "heute können wir eine Gilardi-Ausstellung präsentieren", sagte der Bürgermeister.

"Heute wird ein neues Kapitel in der Geschichte des Gilardihauses geschrieben", unterstrich Bürgermeister Horndasch, "nur wer weiß, woher er kommt, kennt auch den richtigen Weg in die Zukunft." 1689 habe Bürgermeister und Bierbrauer Johann Georg Heckel der Ältere den Grundstein für die älteste Drahtzugfabrik Deutschlands und für eine industrielle Zukunft gelegt. "Mit den Geschäftsreisen des Jakob Gilardi bis nach Indien begann die Globalisierung", hob der Bürgermeister hervor. Der Drahtzug habe unter Jakob Gilardi Weltgeltung erreicht. "Die Allersberger hatten den Mut, etwas Neues zu wagen und sie hatten genug Selbstbewusstsein, den Neid anderer zu ignorieren."

Der Bürgermeister verschwieg auch nicht einen Tiefpunkt der Geschichte: Als Fabrikbesitzer Otto Geiershoefer 1936 starb, ging der Besitz an Else Geiershoefer über. Weil sie Jüdin war, wurde sie 1938 von den Nationalsozialisten zwangsenteignet. Else kam im Ghetto um. Die Familie Schulenburg musste nach England fliehen. 1946 kehrte Erik Geiershoefer nach Allersberg zurück und nahm die Christbaumschmuck-Herstellung wieder auf. "Ihm war es zu verdanken, dass die Firma wieder in alle Welt lieferte und wieder über 50 Beschäftigte hatte", sagte Daniel Horndasch. "Als Erik Geiershoefer 1971 starb, übernahm die Familie Schulenburg die Firma. Es wurde Lametta gefaltet und viele Familien fanden einen Verdienst in Heimarbeit." Seit 1996 lebt die Familie in England. "Ich entschuldige mich dafür, was den Geiershoefern und Schulenburgs angetan wurde", sagte der Bürgermeister, "das ist mir ein besonderes Anliegen".
Robert Unterburger
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