Dienstag, 11. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Radio "Star FM" in Schwabach auf Sendung

erstellt am 20.03.2003 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 10:57 Uhr | x gelesen
Schwabach (gw) Neben dem Mischpult klingelt das Telefon. "Star FM, hier ist Matthias", meldet sich Moderator Matthias Gindorf. Dann bedankt er sich zweimal bei seinem Gesprächspartner, sagt, dass er sich über den Anruf gefreut habe und legt lächelnd wieder auf. "Das klingt jetzt fast wie abgesprochen", sagt Gindorf beinahe entschuldigend, "aber da hat jetzt jemand angerufen, nur um zu sagen, dass er es toll findet, dass es uns gibt." Und solche Anrufe seien gar nicht einmal so selten, seit "Star FM" in Schwabach auf Sendung ist.
Textgröße
Drucken
Schon seit Oktober lief Musik vom Band, seit 7. Februar sitzt nun auch ein leibhaftiger Moderator im Studio im Existenzgründerzentrum Schwung und rockt auf 107,8 MHZ. Wortwörtlich.

In Berlin gibt es Star FM schon seit einigen Jahren, jetzt soll der Sender auch in Franken etabliert werden. Ganz einfach dürfte das nicht werden, denn ähnlich wie Berlin ist auch im Raum Nürnberg der Radiomarkt heiß umkämpft. Neben den landesweiten Sendern wie dem Bayerischen Rundfunk und Antenne Bayern konkurrieren vor allem die Sender aus dem Funkhaus Nürnberg (Radio F, Charivari, Gong und N1) um Hörer und Werbekunden.

Star FM will sich mit einem unverwechselbaren Profil behaupten. "Wir sind ein reines Rockradio für den Raum Nürnberg", erklärt Matthias Gindorf die Strategie. Die Alterszielgruppe? "Von Ende 20 bis Mitte 40." AC/DC statt Grönemeyer "Wir setzen auf eine Musikrichtung. Bei uns läuft Rock, überhaupt kein Pop, und Charts sowieso nicht. Mit Ausnahme der Red Hot Chilli Peppers", erläutert Gindorf das Programm, das von Programmchef Till Mildebrath vom Star FM Berlin zusammengestellt wird. "Wir spielen also regelmäßig auch Bands wie AC/DC, ZZ Top, Iggy Pop oder Billy Idol. Hin und wieder auch was Deutsches, etwa von den Ärzten oder Westernhagen. Aber keinen Grönemeyer, das ist ja reiner Pop."

Ein solches Programmformat sei neu für Nürnberg. "Diese Lücke versuchen wir zu schließen."

Schwabach, das räumt Gindorf offen ein, spielt dabei keine herausragende Rolle. "Wir sind ein Großstadtradio und gar nicht als Lokalradio für Schwabach gedacht. Es ist eher Zufall, dass wir in Schwabach sind." Der Hauptgrund für die Standortwahl dürfte wohl nicht zuletzt in den günstigen Mieten und den guten Rahmenbedingungen im Schwung in der ehemaligen Kaserne liegen. "Es ist eigentlich auch unwichtig, wo wir sitzen, sondern wo wir zu hören sind", betont Gindorf.

Matthias Gindorf und Jonas Pfeiffer bilden derzeit das Team von Star FM in Schwabach. Bereiche wie Marketing oder Redaktion sind erst noch im Aufbau. "Wir fangen klein an, das ist Pionierarbeit. Dafür suchen wir auch Praktikanten", so Gindorf. Rechtlich ist Star FM eine GmbH und völlig unabhängig vom Berliner Sender. Alleiniger Gesellschafter ist David Dornier. Er hat in Schwabach in ein Studio investiert, das mit moderner Digitaltechnik ausgestattet ist. Es gibt weder Schallplatten noch CDs, die Songs werden per Mausklick aus dem Computer geladen. "Das sind MP2-Files mit CD-Qualität", erklärt Gindorf.

Der 26-jährige Niedersachse ist gelernter Groß-und Außenhandelskaufmann. Doch Radio habe ihn schon als Kind fasziniert. Seit dem Jahr 2000 arbeitet er deshalb mit Mikro und Kopfhörer. Anfangs als Praktikant beim "Bürgerradio Hamburg", zuletzt als Chefredakteur und Programmchef von Radio Ramasuri in Weiden. "Mir macht es einfach Spaß, hier morgens zu stehen und die Leute zu wecken", sagt Gindorf.

Auch für seinen 18-jährigen Kollegen Jonas Pfeiffer aus Eckenthal geht bei Star FM ein Kindheitstraum in Erfüllung: "Schon mit acht Jahren habe ich zuhause immer Thomas Gottschalk gespielt." Auch wenn beide weit davon entfernt sind, sich mit den Superstars der Szene vergleichen zu wollen, einen ähnlich lockeren Ton pflegen sie ganz bewusst und duzen ihre Zuhörer. Ob das nicht sehr nach allzu plumper Anbiederei klinge? "Das ist gewagt, das gebe ich zu", sagt Gindorf. "Aber wir sprechen die Leute im Plural an, da klingt es besser. Und bei unserer Zielgruppe kommt das ebenso an wie die Musik. Unsere Hörer sind nicht nur Hörer, das sind echte Rockfans. Es gibt viele, die sagen: Wow, endlich ein echter Rocksender." Mit der Resonanz auf den Start gibt sich Matthias Gindorf sehr zufrieden. "Wenn das so weiter geht, haben wir eine gute Chance."

Günter Wilhelm
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!