Mittwoch, 19. September 2018
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Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler beweist Messgenauigkeit im Wald - Spagat für die Forstwirtschaft

Platz für Kronen bei der Kronmühle

Kronmühle
erstellt am 12.07.2018 um 17:55 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kronmühle (HK) Wälder spielen eine enorm wichtige Rolle bei einer der größten Herausforderungen unserer Zeit - das Klima zu stabilisieren. Eine große Verantwortung für knapp 1,3 Millionen private Waldeigentümer in Deutschland. Wie sie ihr gerecht werden können, darüber klärte ein Ortstermin mit Experten auf.
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"Noch etwas nach rechts", ruft die FBG-Kassenführerin Christa Winkler ihrem Ehemann Dieter zu, zugleich Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft.
Leykamm
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Die Durchschnittsgröße eines solchen Privatwaldes belaufe sich gerade einmal auf 2,7 Hektar, betont dort Professor Andreas Bitter. Er ist Vorsitzender von PEFC Deutschland - ein Zertifizierungsystem zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung, ebenso auch als "Wald-TÜV" bekannt. Über 95 Prozent der Eigentümer seien dabei Herren über maximal je 20 Waldhektar, unterstreicht Bitter die Vorherrschaft der kleinen Strukturen. Sie erwiesen sich bei der Waldnutzung als nicht immer einfach. Um diese selber gebe es seit langem "ein gesamtgesellschaftliches Ringen".

Den Ortstermin in einem Privatwald bei Kronmühle hat der Vorsitzende vom Waldzertifizierer PEFC Deutschland, Andreas Bitter, zu scharfer Kritik am schwedischen Möbelriesen Ikea genutzt.

Davon kann beim Treffen in der Nähe des Allersberger Ortsteils Kronmühle auch der Roth-Hofstettener Biomassehofchef Dieter Rohm ein Lied singen. Würde er etwa die Kronen gefällter Bäume im Wald belassen, wie es für ihn auch gut wäre, gäbe es Protest, weil der Bereich dann "unaufgeräumt" sei. Würde das Kronenmaterial gemäß Auftrag entfernt, hagele es Kritik von anderer Seite. "Wir können es nur falsch machen", sagt Rohm.

Leider werde eben oft nach Schlagworten geurteilt, bedauert Bitter. Dabei gelte es in der Forstwirtschaft komplexe Abwägungen zu berücksichtigen. "Eine richtige Erschließung verhindert eigentlich Waldschäden, doch es ist genau sie, die kritisiert wird." Man müsse Rücke-gassen so anlegen, dass der Erreichbarkeit durch die Maschinen ebenso wie der Bodenschonung Rechnung getragen wird. So erläutert es Simon Dauer, Revierleiter beim Rother Landwirtschaftszentrum und dort für den Körperschafts- und Privatwald zuständig. Zugleich ist er als Förster für die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Roth und Umgebung tätig. Der Rückezug, der etwa durch Rohm zum Einsatz kommen, sei beides: effektiv und waldschonend.
?Noch etwas nach rechts?, ruft die  FBG-Kassenführerin Christa Winkler ihrem Ehemann Dieter zu, zugleich Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft. Revierleiter Simon Dauer deutet an, wie hoch die Eiche eigentlich schon gewachsen sein sollte. Der Verbiss hat dies verhindert.Mit diesem Rückezug sorgt Dieter Rohm für schonende Waldbewirtschaftung.
Mit diesem Rückezug sorgt Dieter Rohm für schonende Waldbewirtschaftung.
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Dafür habe die Maschine auch ihren Preis. "Andere bauen dafür Häuser", erklärt Bitter. Gemeinsam mit Dauer macht er deutlich, dass gerade die Bewirtschaftung, die eine FGB auch gerne für den Besitzer eines Waldes übernehme, diesem auf die Sprünge helfen kann, zumal die Bestände oft viel zu dicht seien. So setze man zum Beispiel hier auf die klimaverträgliche Rotbuche, die zugleich dem Reh nicht sonderlich schmeckt. Doch eine junge Buche braucht Licht, weswegen der eine oder andere Nachbarbaum als "Bedränger" gefällt werden müsse. Letztlich solle durch gezielte Maßnahmen ein Gleichgewicht geschaffen werden zwischen großen Bäumen, die ihre Kronen entfalten können und dem emporsprießenden Nachwuchs.

Einige ältere Baumexemplare sind dagegen "als Naturschutzbaum wertvoller als der Holzerlös", der daraus erzielt werden könne. Diese bekommen einen roten Specht auf die Rinde gesprüht. Als Ermunterung zum Nichtfällen. Besagtes Tier braucht nämlich genau diese alten Hölzer. Nachdruck erhält die freundliche Aufforderung auch durch ein PEFC-Schild, das den Baum als Biotopbaum ausweist.

Beim Ortstermin wird ein solches von der Bundestagsabgeordneten Marlene Mortler (CSU) angebracht. Eine Parlamentarierin, die seit jeher der Forstwirtschaft den Rücken stärkt. Ebenso wie Parteikollegin und Bezirkstagskandidatin Cornelia Griesbeck, die sich auch für den Maschineneinsatz im Wald stark macht, da hierdurch die Arbeitssicherheit sich wesentlich verbessert habe.
Revierleiter Simon Dauer deutet an, wie hoch die Eiche eigentlich schon gewachsen sein sollte. Der Verbiss hat dies verhindert.
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Den Frauen kommt beim Besuch in dem Privatwald noch eine besondere Aufgabe zu. Mittels Abschreiten, Fluchtstäben, Ultraschall und Kompass gilt es Grenzsteine aufzuspüren. Solches erweist sich dann als sinnvoll, wenn diese etwa verwittert sind. Der Ort hierfür ist passend, treffen hier doch Parzellen in einer Waldnachbarschaft aufeinander, die zusammen nur ein gutes Hektar groß sind.

Unterstützung bekommen die Politikerinnen von Bitter und Dauner. Auch das Ehepaar Dieter und Christa Winkler, Geschäftsführer und Kassenführerin der FBG Roth, ist dabei. Der Vorsitzende Hans Kübler und Dirk Teegelbekkers, der bei PEFC Deutschland die Geschäfte führt, machen sich mit der Mannschaft des Biomassehofs Rohm auf die Suche. Sie gewinnen in Sachen Geschwindigkeit, doch das "Team Mortler" hat als Präzisionssieger die Nase vorn.

Neben dem gefundenen Grenzstein zeigt sich ein kümmerliches Bild - eine ein bis zwei Jahrzehnte alte Eiche, die Dauer aber gerade bis zur Gürtelschnalle reicht. Der Verbiss habe den Baum im Wachstum behindert, sagt der Förster. Bitters Appell gilt hier verstärkter Kooperation mit den Jägern. Zaunbau könne keine Lösung sein, weil dieser den wirtschaftlichen Erfolg gefährde. Wuchshüllen machten nur punktuell Sinn, ergänzt Christian Kölling, Forstbereichschef des Landwirtschaftszentrums. Er setzt auf die gegenseitige Motivation der Waldnachbarn beim Waldumbau.
Jürgen Leykamm
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