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Bayerischer Umweltminister ehrt Franz-Josef Bößl aus Röttenbach für sein Engagement

Naturschützer aus der Landwirtschaft

Röttenbach
erstellt am 12.06.2018 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Röttenbach (HK) Hohe Auszeichnung: Aus den Händen des bayerischen Umweltministers Marcel Huber und des Umweltpräsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Stefan Köhler, hat der Röttenbacher Landwirt Franz-Josef Bößl im Münchner Prinzregententheater für seine besonderen Verdienste um den Umweltschutz und die Landschaftspflege die Auszeichnungsurkunde "Naturschutzpartner Landwirt 2018" erhalten.
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Macht sich stark für naturnahe Landwirtschaft: Franz-Josef Bößl auf einer seiner Wiesen in Niedermauk.
Macht sich stark für naturnahe Landwirtschaft: Franz-Josef Bößl auf einer seiner Wiesen in Niedermauk.
Foto: Schrenk
Röttenbach
Der studierte Maschinenbauingenieur aus dem Röttenbacher Ortsteil Niedermauk bewirtschaftet im Nebenerwerb mit seinem Vater Josef eine 30 Hektar große landwirtschaftliche Fläche. Darunter sind Futterwiesen, die teilweise in einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) liegen, und Äcker für den Anbau von Silo- und Körnermais ? beides bestimmt für die Weiterverwertung in einer Biogas-Anlage.

Seine Wiesen im FHH-Gebiet bewirtschaftet Franz-Josef Bößl ohne sie zu düngen. Darüber hinaus hat er sich im Rahmen des bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) verpflichtet, keine Pflanzenschutzmittel einzusetzen und die Wiesen nicht vor dem 1. Juli eines jeden Jahres zu mähen. Beide Bedingungen waren erforderliche Voraussetzungen für die Förderung durch das bayerische Umweltministerium. Das nach der Mahd gewonnene Heu bietet Bößl Landwirten in der Region zur Verfütterung an Stallpferde an, darunter einem Bauern aus dem nahegelegenen Mosbach.

Bis vor etlichen Jahren haben die Bößls noch intensive Milchviehhaltung betrieben, bevor sie sich auf den Ackerbau und die Grünlandbewirtschaftung spezialisierten. Dabei mussten sie sich von Beginn an auf die nur mindere Qualität der Böden einlassen. Die nur knapp 20 Zentimeter ausgebildete und zugleich schwach humose Bodendecke speichert Wasser nur in geringem Umfang. Der Untergrund besteht überwiegend aus Sand und verwittertem Burgsandstein, so dass extreme Wetterbedingungen - wie etwa in diesem trockenen Frühjahr - erhebliche Ernteeinbußen zur Folge haben. Als Vollerwerbslandwirt könne er davon nicht leben, gesteht Bößl.

Doch ganz nach dem Motto "Niederlagen in Siege verwandeln" habe er die trocken-warmen Böden für den Anbau von Sonderkulturen genutzt, darunter Amarant und Leindotter. Diesen verwendet er auch in einer Art Mischbepflanzung für den Maisanbau. Dabei hat er eine spezielle Methode für den sogenannten Streifenanbau entwickelt. Im Herbst sät er das Samengut für Leindotter, Winterroggen und Winterrübsen. Die Pflanzen lässt er dann bis Mai auf den Feldern stehen, bevor sie zu Mulch verarbeitet werden, verrotten und damit zur Humusbildung für die Maiskulturen beitragen. Das schränkt die Unkrautbildung ein, befördert das Wachstum von Bodentieren, wie Regenwürmern und verbessert durch die Schattenhaltung auch den Wasserhaushalt, da die Oberflächenverdunstung reduziert wird.

Auch sei es ihm mit seiner Methode "Mais im Lebendmulch" gelungen, den Einsatz von konventionellem Dünger zu reduzieren und ohne das Totalherbizid Glyphosat zu arbeiten. Für seine Feldarbeiten hat der bei der MAN in Nürnberg tätige Ingenieur eigens konstruierte Maschinen zum Aussähen und für die Pflege eingesetzt, die ihm die Streifenbewirtschaftung merklich erleichtern.

Als weitere Sonderkultur pflegt Franz-Josef Bößl den Sanddorn, der an Sträuchern auf den Feldern wächst. Die Früchte werden entweder - wenn auch nur in geringem Umfang für den Eigenbedarf - zu Saft, Gelee oder Marmelade weiterverarbeitet oder dienen den Vögeln als Futter. So trägt auch diese Sonderkultur zur Aufbesserung der Biodiversität seiner landwirtschaftlichen Flächen bei.

Bößl bezeichnet sich nicht als Biobauer. Die Landwirtschaft betreibt er eher als Hobby. Er hat sich aber aus Überzeugungsgründen schon immer dafür stark gemacht, seine Böden naturschonend zu bearbeiten. Dabei hatte er stets auch das Wohl der nachfolgenden Generationen im Visier, indem er deren Lebensgrundlagen bereits heute nachhaltig bewirtschafte. Für sein Konzept habe er viel Zeit und Engagement investiert und würde sich freuen, wenn nach der Anerkennung durch das Umweltministerium auch die Landwirtschaft seine Erfahrungen aufgreife, um diese spezielle Anbaumethode auf eine breitere Basis zu stellen.

Er setze sich mit seinen bescheidenen Mitteln bereits für die Verbreitung seiner Ideen ein, indem er Vorträge für die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft hält, doch das reiche nicht aus. Es müssten seiner Meinung nach noch mehr staatliche Mittel in die Forschung und Entwicklung investiert und die Harmonisierung von Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit vorangetrieben werden.

Herzblut für die biologische Vielfalt

Zum ersten Mal haben daher das Bayerische Umweltministerium und der Bayerische Bauernverband in München gemeinsam die Auszeichnung "Naturschutzpartner Landwirt 2018" verliehen. Dabei betonte Umweltminister Marcel Huber: "Freiwillig, gemeinsam, erfolgreich: Das ist der Dreiklang für den Naturschutz der Zukunft. Der Erhalt unserer biologischen Vielfalt und unserer schönen Kulturlandschaften kann nur gemeinsam mit Partnern aus der Landwirtschaft gelingen. Der Beitrag der Landwirte zu einer naturschonenden Bewirtschaftung ist für artenreiche und vielfältige Lebensräume unersetzlich.

Mit dem Wettbewerb würdigen wir Landwirte, die sich in besonderem Maß für Naturschutz und Landschaftspflege engagieren. " Der Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Stefan Köhler, hob hervor: "Die über hundert Wettbewerbsbeiträge haben gezeigt, dass sich zahlreiche bayerische Bäuerinnen und Bauern mit Herzblut für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt engagieren. Die Sieger zeigen eindrucksvoll, wie Maßnahmen zum Erhalt unserer Kulturlandschaft, zur Förderung der Biodiversität sowie zum Erhalt alter Sorten und Rassen in den Betrieb integriert werden können. " Die Teilnehmer am Wettbewerb sind landwirtschaftliche Betriebe in Bayern, die sich freiwillig am Vertragsnaturschutzprogramm beteiligen oder sich anderweitig besonders für naturschutzfachlich wertvolle Tier- und Pflanzenarten sowie alte Rassen und Sorten einsetzen. Ziel ist es, vorbildliche Möglichkeiten für eine naturschonende Bewirtschaftung artenreicher Äcker, Wiesen und Weiden aufzuzeigen und innovative Kooperationen zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus zu fördern. Die Preisträger erhalten jeweils eine Prämie von 1000 Euro oder Sachpreise.
Johann Schrenk
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