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Naturschönheit Sinterterrassen im Kaisinger Tal zerstört

erstellt am 01.10.2003 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 11:52 Uhr | x gelesen
Greding (mes) Einfach nur Unwissenheit oder absichtliche Zerstörung? Edwin Brettner und Helmut Maluche vom Landesbund für Vogelschutz sind sich da ebenso unschlüssig wie der Vorsitzende des Gredinger Fremdenverkehrsvereins, Peter Weiß. Fakt ist jedenfalls, dass innerhalb eines Monats zweimal Sinterterassen im Kaisinger Tal zerstört worden sind.
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Ende August ist Brettner zum ersten Mal aufgefallen, dass bei mehreren Kalkterrassen Stücke herausgebrochen worden waren. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde waren die Löcher mit Schlamm wieder notdürftig zugebaut worden. "An die Öffentlichkeit wollten wir da nicht gehen ", sagt er. Man sei ja davon ausgegangen, dass es was Einmaliges sei. Doch die jetzt entdeckten abermaligen Zerstörungen haben sowohl ihn als auch das Landratsamt umdenken lassen. "Vielleicht ist auch zu wenigen bekannt, welche Kostbarkeiten man hier hat", sagt Ruth Schleicher von der Unteren Naturschutzbehörde. Und dass deren Zerstörung auf alle Fälle strafbar sei.

Für die Entstehung von Sinter- oder auch Kalktuffterassen braucht die Natur viele Jahrzehnte oft auch Jahrhunderte. Bei seinem unterirdischen Weg durch das verkarstete Juragestein löst kohlensäurehaltiges Wasser Kalk auf. Durch das Ausfällen des Kohlendioxids an der Luft lagert sich der gelöste Kalk ab. Das so entstehende Gestein heißt Kalktuff oder Kalksinter. An der Ablagerung des Kalkes und der Gesteinsbildung sind auch kleine Moose und Algen beteiligt.

Tote Insekten und Schnecken

Im Lauf der Jahre entstehen so viele kleine Becken, die terrassenförmig angeordnet sind. aufgebaut. Ist ein Becken voll läuft es über wobei Kalk an den zumeist bemosten Rändern hängenbleibt. In den Kalktuff werden auch Nadeln, Blätter, Ästchen, Schneckenhäuser und tote Insekten eingebaut. Wird, wie jetzt im Kaisinger Tal geschehen, ein Loch in die Kalkwände geschlagen, fließt das Wasser einfach hindurch, das Becken bleibt leer. Die Natur kann ihre Arbeit vorerst nicht verrichten. Denn es dauert sehr lange, bis die Stellen wieder geschlossen sind.

"Das ist doch das Beste an Natur, was wir hier haben", sagt Brettner. Von überall her kämmen Besucher, um hier Erholung zu finden. Er habe auch schon welche gesehen, die hierher zum Meditieren gekommen seien. "Das darf nicht sein, dass das kaputt gemacht wird." Vor allem wenn man bedenke, wie lange das gebraucht habe, so zu werden, fügt Weiss hinzu.

Normalerweise führen die Stellen, an denen die Brocken herausgeschlagen wurden, so viel Wasser, dass ein problemloses Begehen nicht möglich ist. "Außerdem ist das Wasser sehr kalt", sagt Brettner. Der extrem trockene Sommer hat allerdings dazu geführt, dass nur noch die Terrassen im oberen Bereich gefüllt sind.

Da in den vergangenen Wochen und Monaten auch immer Kinder zum Spielen zu den Terrassen gekommen waren, will niemand ausschließen, dass diese die Brocken rausgeschlagen haben, um das Wasser nach unten zu leiten. Allerdings ist auch dies verboten und stellt nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Strafen bis zu 50 000 € belegt werden kann. So macht sich schon strafbar, wer lediglich "Maßnahmen ergreift, die zur Zerstörung führen".

Dabei spielt es keine Rolle, dass die Sinterterrassen im Kaisinger Tal laut Ruth Schleicher kein Naturdenkmal, sondern lediglich eine Naturschönheit sind. Denn in Artikel 13d des Naturschutzgesetzes sind alle unverbauten Fließgewässer erfasst. "Wichtig ist, dass man die Menschen in Kenntnis setzt, was man hier Schönes hat." Vielleicht könnten auch die Schulen ihren Teil dazu beitragen. "Da wird manchmal zu viel Theorie vermittelt." Es sei auch wichtig vor Ort zu sein, um die Natur sprichwörtlich zu begreifen.

Rainer Messingschlager
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