Mittwoch, 16. Januar 2019
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Laut Pflanzenbautagen ist die "Welt im Landkreis in Ordnung" - Mais nur auf maximal einem Viertel der Ackerfläche

Mit dem Schutzanzug auf den Schlepper

Alfershausen
erstellt am 11.01.2019 um 17:19 Uhr
aktualisiert am 14.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Alfershausen (HK) Bauern in futuristischen Anzügen auf dem Felde, schwarze Löcher, die nicht sein dürfen, und ein Hexenwerk, das keines ist: Wer nur einzelne Wortfetzen bei den Pflanzenbautagen in Altershausen und im Rother Landwirtschaftszentrum aufschnappte, mochte sich teils in einer mythisch angehauchten Science-Fiction-Veranstaltung wähnen. Dabei ging es beide Male buchstäblich recht "erdig" zur Sache.
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Referenten mit vielschichtigen Themen: Weniger Erosion will Florian Ebertseder (LfL), Harald Mayer (Ansbacher Fachzentrum für Pflanzenbau) warnt vor Bußgeldern, Elisabeth Remlein (Pflanzenbauberaterin im Landwirtschaftszentrum) stellt das ?Kulap? vor, für Reinhold Weber (Fachzentrum Agrarökologie Uffenheim) gilt die Stoffstrombilanz nicht als ?Hexenwerk?. Und Landwirtschaftszentrumschef Werner Wolf (von links) verweist auf ?keine Vermaisung? im Landkreis.
Referenten mit vielschichtigen Themen: Weniger Erosion will Florian Ebertseder (LfL), Harald Mayer (Ansbacher Fachzentrum für Pflanzenbau) warnt vor Bußgeldern, Elisabeth Remlein (Pflanzenbauberaterin im Landwirtschaftszentrum) stellt das "Kulap" vor, für Reinhold Weber (Fachzentrum Agrarökologie Uffenheim) gilt die Stoffstrombilanz nicht als "Hexenwerk". Und Landwirtschaftszentrumschef Werner Wolf (von links) verweist auf "keine Vermaisung" im Landkreis.
Leykamm
Alfershausen
Denn ein guter und gut gepflegter Ackerboden ist schon die halbe Miete für viele Dinge: für entsprechende Erträge, Erosionsschutz und Schädlingsbekämpfung. Doch die gestaltet sich immer schwieriger. Immer mehr Maßnahmen des Pflanzenschutzes nämlich werden bei Nichteinhaltung der Vorgaben richtig teuer. Bußgelder drohen. Wer sie vermeiden will, muss teils Schutzhandschuhe tragen und teils auch im Schutzanzug auf den Schlepper steigen.

So hat es Harald Mayer vom Ansbacher Fachzentrum für Pflanzenbau deutlich gemacht. "Ich hoffe, Sie sind nicht zu sehr geschockt", fügte er hinzu. "Das gibt bestimmt ein interessantes Bild ab." Die Anzüge müssten dann je nach Tätigkeit auch am Tag noch so manches Mal gewechselt werden. Wie das in der Praxis funktionieren soll, "wissen wir nicht", gab Mayer zu. Zu verdanken sind diese Vorgaben dem BVL (Bundesverband für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit), mit dem der Referent ins Gericht ging. Es "schwebt in hohen Sphären".

Für Manfred Dorner, stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, ist das nicht hinnehmbar. Hier müsse etwa von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) "auf Praxisgerechtigkeit gedrängt werden", forderte er. Es solle die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben: "Droht mehr Gefahr durch den Pflanzenschutz oder durch die Pflanzeninfektion auf einem Feld?" Was den Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln anbelangt, herrscht für die Landwirte indes weiter Unsicherheit. Auf Äckern, die den Zugvögeln als Rastplätzen dienen, ist die Ausbringung verboten. Ebenso auf den Feldern, wo sich die Weinbergschnecke tummelt. Ob beides der Fall ist, muss der Landwirt herausfinden. Pikant darf durchaus die Tatsache gelten, dass die Zulassung einiger Glyphosat-Präparate nur deshalb um ein Jahr verlängert wurde, weil die Prüfung durch das BVL "nicht fristgerecht" erledigt werden konnte.

Mayer kritisierte aber auch das Verhalten seitens der Landwirtschaft. Die angemahnte Reduzierung einiger Mittel im Sinne der Hangneigungsauflagen werde offensichtlich zu wenig beachtet - zumindest gebe es diesbezüglich keine sinkenden Verkaufszahlen. "Da reden wir gegen eine Wand", so Mayer. Besorgt zeigte er sich auch, was den Maiswurzelbohrer anbelangt, der in Bayern auf dem Vormarsch ist. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis er auch in Roth angekommen sei. Dabei wäre es "ganz einfach, den Kameraden in den Griff zu bekommen". Innerhalb von drei Jahren nur zweimal Mais auf derselben Fläche anzubauen, sei die einzige Lösung, so Mayer.

Der Mais war auch im Fokus der Ausführungen von Florian Ebertseder von der gescholtenen LfL. Sei der Mais doch ein entscheidender Faktor bei der Regen-Erosivität. Hier könne für den Landkreis Roth ein falscher Eindruck entstehen, intervenierte Clemens Helbach aus Mörlach. Gerade was den Maisanbau anbelangt, sei man im Landkreis gut aufgestellt. Was wiederum der Chef des Landwirtschaftszentrums, Werner Wolf, bestätigten konnte. Maximal ein Viertel der Ackerfläche jährlich sei mit jener Feldfrucht bestückt. Von einer "Vermaisung", die Erosion begünstige, sei man also sehr weit entfernt.

Vor einer erodierenden Buchführung indes warnte Reinhold Weber vom Fachzentrum Agrarökologie in Uffenheim. In den Dokumentationen sollten etwa die vom Biogasbauern abgegebenen und vom Landwirt abgenommenen Gärrestmengen übereinstimmen. Im Gegensatz zum Weltall dürfe es hier "keine schwarzen Löcher geben", so Weber. Das sei umso wichtiger, weil die Einhaltung der Düngeverordnung künftig strenger kontrolliert werde. Je nach Betriebsgröße müsse nun auch eine so genannte Stoffstrombilanz erstellt werden, über die bereits etliche "Horrormeldungen" kursierten.

Ihnen zum Trotz sei dieses Zahlenwerk aber "kein Hexenwerk", so der Referent. Er fügte aber relativierend hinzu: "Man muss sich nur mal zwei oder drei Abende hinsetzen." Was die Sperrfrist fürs Ausbringen von Gülle auf Grünland anbetrifft, hatte er ein einfach zu merkendes Datum im Gepäck. Bis zum Valentinstag (14. Februar) bleibt dieses verboten. "Erst der Frau den Blumenstrauß bringen, dann düngen" - so sei die Devise. Bei seinen Fahrten durch den Landkreis wolle er "nur weißen Schnee sehen - dann ist die Welt in Ordnung, so wie sie es im Landkreis Roth ist".

Elisabeth Remlein als Pflanzenberaterin des Landwirtschaftszentrums war es schließlich vorbehalten, auf das neue Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) hinzuweisen. Anträge hierzu können bis Freitag, 22. Februar, gestellt werden. Gefördert werden hier eine extensive Bewirtschaftungsweise, insbesondere Maßnahmen des Klima-, Boden- und Wasserschutzes und der Förderung der Artenvielfalt.
Jürgen Leykamm
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