Dienstag, 23. Oktober 2018
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Der Mähdrescher von Klaus Schneider aus Kraftsbuch bringt die Frucht nicht nur effektiv ein, sondern fährt auch schon selbst

Nur ein Prozent der Ernte bleibt auf dem Feld zurück

Kraftsbuch
erstellt am 09.08.2018 um 17:16 Uhr
aktualisiert am 13.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kraftsbuch (HK) Mit Staub und Hitze kämpfte der Landwirt früher bei der Arbeit auf dem Feld, heute sitzt er in einer klimatisierten Kabine. Doch im Mähdrescher gibt es noch viel mehr zu entdecken: Jede Menge Technik, die die einzelnen Arbeitsschritte effektiver macht und den Kornverlust auf ein Prozent reduziert.
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Die Ernte ist wegen der Hitze heuer schon etwas früher zu Ende. Landwirt Klaus Schneider bringt ? unterstützt von Julian aus Esselberg ? mit seinem Mähdrescher die Erbsen ein.
Die Ernte ist wegen der Hitze heuer schon etwas früher zu Ende. Landwirt Klaus Schneider bringt ? unterstützt von Julian aus Esselberg ? mit seinem Mähdrescher die Erbsen ein.
Fotos: Steimle
Kraftsbuch
Gemächlich kommt Klaus Schneider aus Kraftsbuch angefahren, das Schneidwerk zieht er auf einem Anhänger hinter sich her. Vor allem in den Sommerferien ist er selten allein, heute sitzt Julian aus Esselberg auf dem Beifahrersitz und schaut dem Landwirt über die Schulter.

Auf der Straße ist der Mähdrescher der Marke Claas Lexion 540 C mit 20 Kilometern pro Stunde unterwegs, auf dem Feld schlägt er dafür so gut wie jedes Auto, zumindest was die Technik angeht. Keine Fußgänger, kein Gegenverkehr - auf dem Acker fährt die Maschine längst autonom, man spricht von einer selbstfahrenden Arbeitsmaschine.

"Der Fahrer bleibt aber noch gefordert, trotz der Technik", sagt der 52-Jährige. Zwar muss er auf dem Feld nur noch umdrehen, dafür hat er mehr Zeit, die Ernte im Blick zu haben. "Ich kontrolliere, ob die Frucht, die ich gerade dresche, sauber im Tank ankommt", sagt Schneider, dafür gibt es extra eine Entnahmeklappe, aus der er sich eine Probe nehmen kann. Sind etwa noch Ähren drin, die nicht ausgedroschen wurden, "weiß ich, ich habe meine Siebe zu weit aufgemacht, ich muss sie also kleiner stellen. Das Ganze geht nochmal durch die Maschine durch und wird ausgedroschen." Vieles sei auch Erfahrungssache. Etwa wie stark man das Gebläse einstellt, das den Dreck aus dem Getreide blasen soll - ist es zu kräftig, fliegen die Körner mit raus. Oder den Abstand zwischen Schlagleiste und Dreschtrommel oder deren Drehzahl, all das trage dazu bei, wie gut die Samenkörner vom Rest der Pflanze getrennt werden. "Dresche ich zu stark, dann gibt es Bruchgetreide, das kann ich nur noch als Futtermittel verwenden. Man muss sich an das Ganze herantasten." Es gebe mittlerweile schon Maschinen, die diese Aufgabe ebenfalls übernehmen. "Die neuen Mähdrescher ändern zum Beispiel ihre Fahrgeschwindigkeit selbst je nach Bestand." Wenn dieser dünner wird und das Gerät also nicht ausgelastet läuft, fährt es schneller, "das heißt die Ernteleistung wird größer". Schneider entscheidet die Geschwindigkeit noch selbst nach Augenmaß.

Dennoch ist sein Mähdrescher technisch im Moment "noch vorne mit dabei". In der Kabine befindet sich ein Computer, in dem die Frucht angewählt wird, "die tippe ich an und der Mähdrescher stellt sich darauf ein." Für eine von vier verschiedenen Schnitthöhen kann sich Schneider entscheiden, das Schneidwerk kann sich dabei nicht nur rauf und runter bewegen, sondern auch quer zum Feld, wenn dieses an einem Hang liegt. Doch der zwei Tonnen schwere Aufsatz, bestehend aus Messerbalken, Schneidetisch, Haspel und Schnecke, kann noch viel mehr. "Wenn ich am Hang fahre, würde das Getreide in eine Richtung rutschen und nicht großflächig gereinigt werden." Der Hangausgleich sorgt dafür, dass das Korn hinübergestoßen wird und zu gleichen Teilen in den Sieben landet. Auch das misst die Maschine selbst. Das Schneidwerk könne bis zu etwa zwölf Meter breit sein, üblich ist das hier in der Region aber nicht, meint Schneider. "Meine Maschine fährt so, dass 5,90 Meter des Schneidwerks ausgenutzt werden." Zunächst schneidet der Messerbalken die Halme ab, die sechsseitige Haspel, "beugt" die Ähren vorsichtig, sodass die Körner nicht zurück aufs Feld fallen, sondern auf den Schneidwerktisch. Auch dieser lässt sich verschieben, "bei einer Spezialfrucht wie dem Raps kommen noch Einlegebleche rein." Der Verlust hält sich in Grenzen: Eine Anzeige sagt dem Landwirt, wann Körner hinten herausfallen. "Ich will ja so viele wie möglich haben, aber die Maschine soll auch eine Leistung zusammenbringen." Nur ein Prozent der Körner lande wieder auf der Erde. Bei einem dicken Weizenbestand ist Schneider übrigens mit vier km/h unterwegs, beim Raps mit acht.
 
Fotos: Steimle
Kraftsbuch



Auch bei der Höhe des Schneidwerks kommt es auf die Frucht an. Bei zwei Einstellungen liegt es am Boden auf. Höher gestellt wird das Schneidwerk zum Beispiel bei Weizen, da die Ähren weiter vom Boden entfernt sind. "Das ist alles schon sehr durchdacht."

Das war übrigens auch schon vor vielen Jahren so. "Die waren damals schon sehr weit", sagt Schneider, die Technik wurde nur verfeinert "und der Komfort im Mähdrescher ist heute viel besser". Mit Hilfe des Lenksystems könne man die Maschine zudem besser auslasten. "Wenn ich morgens um neun mit dem Dreschen anfange und nachts um drei aufhöre"- so lange könne sich keiner konzentrieren. "Kaffee", schlägt Julian vor, doch der helfe irgendwann auch nicht mehr. Beim Raps sei man zudem, so der Landwirt, eingehüllt in eine staubige Wolke, da müsse man dann nach Gefühl fahren, da helfe das System dann schon sehr.

Dennoch: "Die Technik erleichtert die Arbeit, doch auch das Wissen muss größer werden. Die Maschine ist nur so gut, wie ich sie einstelle." Wenn etwas kaputt ist, muss oft aufwendig festgestellt werden, an welcher Stelle es zwickt. Selbst die Werkstätten hätten Probleme, weil es ständig Neuerungen gebe.

Außerdem braucht der 14 Tonnen schwere und etwa vier Meter hohe Mähdrescher viel Pflege. Die Teile sind ständig in Bewegung, die Haspel bewege, so Schneider, eine wahnsinnige Menge an Stroh. "Bei den Erbsen hier ist das jetzt wenig, aber beim Getreide kommen 500 Ähren auf den Quadratmeter", da leiste die Maschine einiges. 7,5 Tonnen passen in den Korntank, diesen klappt man auf dem Feld noch einmal auf, wenn mehr Platz benötigt wird.

30 Hektar am Tag kann man schaffen, wenn die Felder nah beieinander liegen und die Wetterbedingungen gut sind. Eine Herausforderung ist es eher, wenn der Landwirt wieder auf der Straße unterwegs ist. Mit 3,49 Metern ist der Mähdrescher nämlich noch gut einen Meter breiter als ein normaler Lkw, Schneider braucht eine Sondergenehmigung. "Da sollte man schon vorausschauend fahren."
Tina Steimle
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