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Bayerns Grünen-Chefin Sigi Hagl lobt Verein Lernfelder - Blitzbesuch auf dem Faberhof

Lernen auf dem Bauernhof

Hilpoltstein
erstellt am 12.06.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 16.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Lernen auf dem Bauernhof, nachhaltig, für Jung und Alt und das regelmäßig. Das sind im Groben die Ziele des jungen Hilpoltsteiner Vereins Lernfelder . Als Kooperationspartner für dieses pädagogische Projekt hat sich der kleine Faber-Hof in Hilpoltstein angeboten. Jetzt besuchte Bayerns Grünen-Vorsitzende Sigi Hagl den Hof.
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Bayerns Grünen-Chefin Sigi Hagl (2. von links) ist begeistert von der natürlichen Landwirtschaft auf dem Faber-Hof, für die Sieglinde Faber (2. von rechts) und der Verein Lernfelder mit Christoph Leikam (3. von links) stehen.
Bayerns Grünen-Chefin Sigi Hagl (2. von links) ist begeistert von der natürlichen Landwirtschaft auf dem Faber-Hof, für die Sieglinde Faber (2. von rechts) und der Verein Lernfelder mit Christoph Leikam (3. von links) stehen.
Foto: Kofer
Hilpoltstein
"Ich schau mir alle Projekte an und gehe überall hin - auch, wo es wehtut", sagt Sigi Hagl. Die bayerische Grünenchefin aus Landshut hat keine Berührungsängste. Sie ist auf Stippvisite hier, am Abend hält sie einen Vortrag in Rednitzhembach. Barfuß, in Jeans und T-Shirt läuft sie durch den Stall mit den Wollschweinen, streichelt Schafe und den astmatischen Hofhund Angelo, fürs Foto sägt sie im Nieselregel abgebrochene Äste. Aber weh tut der 51-jährigen Landshuterin auf dem Faber-Hof nichts. Denn der kleine Betrieb liegt ökologisch voll auf Hagls Linie.

Im Hof steht eine Palette mit Solarmodulen, die jetzt verbaut werden sollen, unter einem alten Kirschbaum stolzieren Hühner aller Rassen umher, die in einem alten, bunt bemalten Bauwagen mit der Aufschrift "NutzTierArche" ihren Unterschlupf haben. Neben dem Hof liegt ein kleiner Kartoffelacker, bewacht von "Holly", dem zweiten Hofhund. Am Hoftor hängt ein Schild: "Lebensmittel retten. Heute von 16 bis 19 Uhr." Was große Läden in die Tonne werfen würden, bringt ein Verein hierher. Bedürftige können sich dann umsonst aus einer Kiste bedienen.

"Wir wollen die Wegwerfmentalität zurückdrängen", sagt Sieglinde Faber, die zusammen mit ihrem Mann Wilfried seit 2003 den Hof bewirtschaftet. Sie sind Quereinsteiger. Vor allem die Vermittlung von Kreisläufen auf dem Bauernhof liegt ihnen am Herzen. "Wir sind nie eine typische Landwirtschaft gewesen", sagt Sieglinde Faber. "Wir denken auch wirtschaftlich, aber verdienen kann man mit dem Hof nichts."

Sigi Hagl nickt. "Das hat viel mit Förderpolitik zu tun", sagt sie. Besonders gefällt der Grünen-Politikerin, dass man auf dem Faber-Hof nicht nur ökologisch und kleinteilig produziere, sondern sich auch um die Verwertung sämtlicher Lebensmittel sorge. Und um die Vermittlung von Werten.

Da hilft der junge Verein Lernfelder, der mit seinen gut 20 Mitgliedern die Fabers bei der Bewirtschaftung unterstützt und dafür seine Projekte hier etablieren kann. "Wir brauchen Tiere für unsere pädagogidche Arbeit", sagt Eva Leikam, hauptberuflich Leiterin der Montessori-Schule in Büchenbach. Jeden zweiten Sonntag im Monat gibt es einen offenen Bauernhof-Treff für 6- bis 16-Jährige. manchmal kommen zwei Kinder, manchmal sind es zehn. Es gibt einen Pferde-Treff, Workshops zu natürlichem Gärtnern und Imkern und Christoph Leikam, Ortsvorsitzender der Hilpoltsteiner Grünen, aktiviert einen alten Gemüsegarten wieder. "Ich muss noch einiges an Lehrgeld zahlen", sagt er lachend. Aber gerade das ist es, was das Projekt so spannend macht. Nichts funktioniert sofort perfekt.

"Aber auch krumme Kartoffeln haben einen Wert", sagt Sieglinde Faber. Das wolle man den Leuten wieder vermitteln. Bei einer Kartoffelernte für jedermann zum Beispiel. Oder mit dem neuesten Projekt der Lernfelder. "Speisekammer" heißt es und soll am 1. Juli an den Start gehen. Dann kann sich jeder für einen Monatsbeitrag von acht Euro aus dem Angebot aussuchen, was er braucht - anders als bei der Abokiste, wo man bekommt, was es gerade gibt. In der "Speisekammer" sollen auch Produkte befreundeter Bio-Bauern angeboten werden, die es nicht in die Regale größerer Läden geschafft haben. Auch die Milch von Peter Stadlers Demeter-Hof aus Patersholz soll es dann geben. Er unterstützt das Projekt bereits mit seinen Maschinen. "Die Ideen sind super", schwärmt Sigi Hagl. "Ich wünsche euch viel Erfolg." Hagl ist überzeugt, dass ein "radikaler Umbau" der Landwirtschaft nötig ist. Sie sieht auch einen breiten gesellschaftlichen Konsens dafür. Es gebe viele junge Landwirte, die bereit wären für eine Agrarwende, "aber sie kommen nicht aus dem Teufelskreis raus", sagt Hagl. Das ist auf dem Faber-Hof anders. Hier gibt es keinen Teufelskreis.

Robert Kofer
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