Dienstag, 16. Oktober 2018
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Seit zehn Jahren ist der Landkreis Roth nur mit einem Abgeordneten im Landtag vertreten - Hoffnungen auf Wahlsonntag

"Eins und eins ist mehr als zwei"

Hilpoltstein
erstellt am 12.10.2018 um 16:43 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 22:20 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Seit der Landtagswahl 2008 hat der Landkreis Roth nur eine einzige Stimme im Maximilianeum. "Traurig für den Landkreis" findet dieses Jubiläum derjenige Abgeordnete, der vor zehn Jahren nicht mehr kandidierte: Peter Hufe (SPD). Bei der Wahl an diesem Sonntag könnte es aber durchaus wieder mit einem zweiten Abgeordneten klappen, findet Hufe und erklärt, warum es im Landkreis eine große Überraschung geben könnte. Darauf hoffen aber auch andere.
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Ein Bild, das vom Wahlabend 2003 in Erinnerung blieb:  Während die Hilpoltsteiner SPD-Mitglieder den bayernweiten Absturz ihrer Partei auf 19,6 Prozent verkraften müssen, hat der damalige Direktkandidat im Landkreis, Peter Hufe, weiter Grund zum Lachen. Nach einer Zitterpartie, die bis zum Dienstag nach der Wahl dauert, darf Hufe sein Mandat behalten und in seine dritte Legislaturperiode gehen.
Ein Bild, das vom Wahlabend 2003 in Erinnerung blieb: Während die Hilpoltsteiner SPD-Mitglieder den bayernweiten Absturz ihrer Partei auf 19,6 Prozent verkraften müssen, hat der damalige Direktkandidat im Landkreis, Peter Hufe, weiter Grund zum Lachen. Nach einer Zitterpartie, die bis zum Dienstag nach der Wahl dauert, darf Hufe sein Mandat behalten und in seine dritte Legislaturperiode gehen.
Kofer
Hilpoltstein
Beim Blick zurück auf seine Zeit im Landtag macht Peter Hufe eine krumme Rechnung auf. "Eins und eins ist mehr als zwei", sagt der Hilpoltsteiner über die 14 Jahre, in denen er als SPD-Abgeordneter gemeinsam mit dem Rother CSU-Urgestein Manfred Weiß die Interessen des Landkreises Roth in München vertrat. "Das war eine gute Zeit", sagt Hufe. Denn gerade weil er und Weiß zwei unterschiedlichen Fraktionen angehörten, hätten sie im Landtag viel für den Landkreis Roth herausholen können. Sei es der Ausbau der Bundesstraße 2 gewesen, so Hufe, der dank seiner Verbindungen zur damaligen Rot-Grün-Koalition in Berlin wieder in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden sei. Oder seien es verschiedene Radwege im Landkreis gewesen, die Weiß über den damaligen CSU-Ministerpräsidenten Günter Beckstein auf den Weg brachte.

"Jeder von uns hat auf verschiedenen Spielfeldern agieren können", sagt Hufe, der die langjährige Zusammenarbeit mit Manfred Weiß als "distanzierte Kooperation" und "erfolgreiche Symbiose" bezeichnet. Auch die heimischen Bürgerbüros der beiden Abgeordneten hätten sich gut verständigt. Manche Bürger wandten sich lieber an den CSU-Mann, manche lieber an den SPD-Mann, aber letztendlich hätten sich in vielen Fällen nicht nur einer, sondern beide Rother Abgeordnete für die jeweilige Sache eingesetzt, sagt Hufe. "Wenn man zu zweit ist, weckt das auch einen gesunden Ehrgeiz." Am Ende sei es sogar so weit gekommen, dass Hufe von Weiß für eine weitere Wahlperiode ermuntert worden sei. "Kandidier' doch noch mal!", habe Weiß zu ihm vor der Landtagswahl 2003 gesagt. "Dann mach ich's auch noch mal."

Fünf Jahre später zerbrach dann aber das Duo, weil sich der SPD-Mann aus Hilpoltstein nicht mehr zur Wahl stellte. Seitdem waren erst Weiß, dann sein Nachfolger Volker Bauer die einzige Stimme des Landkreises Roth im Maximilianeum. Dass diese "One-Man-Show" zu Ende geht, würde Hufe dem Landkreis wünschen. Doch wer soll es über die Liste schaffen, falls Volker Bauer an diesem Sonntag das Direktmandat verteidigt? Hufe setzt auf seinen Parteikameraden Marcel Schneider. "Er hat das Potenzial dazu", sagt Hufe - obwohl Marcel Schneider nur auf dem elften Platz auf der mittelfränkischen SPD-Liste steht. Hufe verweist jedoch auf die vielen Ausgleichsmandate, die für alle anderen Parteien außer der CSU erwartet werden, und auf die Besonderheiten des bayerischen Wahlsystems. "Entscheidend ist, wenn man nicht das Direktmandat holt, wie das Zweitstimmenpotenzial außerhalb des eigenen Landkreises ist." Und hier sieht Hufe den Rednitzhembacher gut aufgestellt. Schneider sei Zweitstimmenkandidat im Nürnberger Land und außerdem auch bei vielen Wählern in Schwabach und Nürnberg bekannt. "Ich glaube, er wird deutlich mehr Zweitstimmen bekommen als ich früher", sagt Hufe und hofft, dass Marcel Schneider die große Überraschung gelingt.

Auf die Überraschung eines anderen Schneider, nämlich Thomas Schneider, hofft derweil der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Hermann Kratzer. "Da könnte etwas gehen", sagt Kratzer, der bei den beiden vorausgegangenen Landtagswahlen jeweils nur knapp den Einzug verpasste. Jetzt soll es anstelle des Kreisrats aus Greding der Röttenbacher Bürgermeister packen, damit der Landkreis wieder mehr Gewicht in München bekommt. "Ich finde, man hat in den vergangenen Jahren schon gemerkt, dass da ein weiterer Ansprechpartner fehlt", sagt Kratzer. Hufe und Weiß hätten gemeinsam "einfach mehr ausgerichtet" als erst Weiß und dann Volker Bauer alleine. Im Gegensatz zur Hoffnung von Peter Hufe, was den SPD-Kandidaten Marcel Schneider betrifft, sieht Hermann Kratzer für den FW-Kandidaten Thomas Schneider vor allem im heimischen Landkreis ein großes Potenzial. "Ich hoffe auf so viele Erststimmen, dass die Zweitstimmen reichen", sagt Kratzer.

Ob es nun der eine oder der andere Schneider packt, wäre Herbert Eckstein ziemlich egal. "Ich täte mich für jeden freuen und es wäre auf alle Fälle hilfreich", wenn der Landkreis wieder einen zweiten Abgeordneten hätte. Die Chancen dazu bezeichnet der Rother Landrat, der für die SPD selbst von 1990 bis 1993 im Landtag saß, als "nicht unrealistisch". Aus seiner eigenen Arbeit im Maximilianeum leitet er aber auch einen klaren Anspruch für den oder die Abgeordneten ab. "Da muss man bei jedem Gesetz schauen, wie es sich auf den Landkreis auswirkt und darf nicht nur weitergeben, was die einzelnen Ministerien beschließen", sagt Eckstein. Aber ganz egal, wie die Wahl am Sonntagabend nun tatsächlich ausgeht: "Gute Abgeordnete tun unserem Landkreis immer gut."
 

Hintergründe zum Wahlsonntag

Im Stimmkreis 512 - dem Landkreis Roth - stellen sich insgesamt 14 Stimmkreiskandidaten dem Votum der Wähler: von der CSU bis zur SPD, von den Freien Wählern bis zu den Grünen, von der Partei für Gesundheitsforschung bis zur V-Partei³. Auch eine politische Ebene tiefer wird gewählt.

? Wie viele Stimmen hat der Einzelne?

Vier - zwei für den Landtag, zwei für den Bezirkstag. Allerdings hält die Landtagswahl eine Besonderheit bereit. Mit der Erststimme wird hier - anaolog zur Bundestagswahl - ein Kandidat im eigenen Stimmkreis gewählt. Das Direktmandat bekommt, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigt.

Mit der Zweitstimme wählt der Wähler einen Bewerber auf der Wahlkreisliste. Er hat dabei die Möglichkeit, die von der Partei oder Wählergruppe vorgegebene Reihenfolge der Kandidaten zu verändern. Für jeden Wahlkreis - das ist in Bayern der jeweilige Regierungsbezirk - werden die Erst- und Zweitstimmen für die jeweilige Partei zusammengezählt. Die Sitze werden nach einem bestimmten Proporzsystem verteilt. Im Gegensatz zur Landtagswahl gibt es bei der Wahl des Bezirkstags keine Fünf-Prozent-Klausel.



? Wie viele Stimmberechtigte gibt es im Stimmkreis Roth?

Laut einer Schätzung des Landratsamts - exakte Zahlen gibt es erst, wenn die Kommunen ihre Wählerverzeichnisse geschlossen haben - können etwa 98000 Frauen und Männer bei der Landtags- und Bezirkstagswahl ihre Kreuzchen machen, ins Wahllokal sollten sie neben ihrer Wahlbrechtigungskarte auch den Personalausweis mitbringen. Für die Bezirkswahl ist die Zahl der Stimmberechtigten voraussichtlich ein wenig geringer. Das liegt darin begründet, dass man hier mindestens seit drei Monaten in Mittelfranken gemeldet sein muss.

Bei der Landtagswahl 2013 waren es noch 96870 Stimmberechtigte. Da 65824 Wähler am Ende tatsächlich abstimmten, lag die Wahlbeteiligung bei 67,95 Prozent. Das lag etwa vier Prozent über dem bayerischen Schnitt und 4,8 Prozent über der Wahlbeteiligung im Kreis Roth im Jahr 2008.



? Wie viele Stimmbezirke müssen ausgezählt werden?

Insgesamt ist der Stimmkreis in 214 Stimmbezirke eingeteilt. Neben den 146 allgemeinden Stimmbezirken kommen mittlerweile 66 Bezirke für die Briefwahl hinzu. In Abenberg und Wendelstein gibt es zudem zwei Auswahlbezirke, in denen statistische Daten erhoben werden.



? Wie fiel die Wahl 2013 im Landkreis Roth aus?

Klarer Gewinner war die CSU: Volker Bauer vereinigte 42 Prozent der Erststimmen auf sich, wodurch er seine schärfsten Rivalen Sven Erhardt (25,4 Prozent) und Hermann Kratzer (12,5 Prozent) deutlich auf Distanz hielt. Auch bei den Gesamtstimmen - also Erst- und Zweitstimmen berücksichtigt - lag die CSU mit 45,0 Prozent deutlich vorn. Die drei Parteien SPD (24,1), Freie Wähler (11,0) und Grüne (6,9) schafften den Einzug ins Landesparlament, wie in Bayern insgesamt scheiterten FDP, die Linkspartei und andere Gruppierungen auch im Stimmkreis 512 an der Fünf-Prozent-Hürde.



? Wer waren die früheren Abgeordneten aus dem Landkreis Roth?

Der Rother Bauunternehmer Hans Popp (CSU) gewann bei der Landtagswahl 1974 das erste Direktmandat im Stimmkreis Roth, nachdem der Altlandkreis Hilpoltstein und der Altlandkreis Schwabach bei der Gebietsreform 1972 verschmolzen worden waren. Popp starb wenige Monate vor der Landtagswahl 1978. Nach ihm begann die Ära von Manfred Weiß (CSU), der von 1978 bis 2013 als direkt gewählter Abgeordneter aus dem Stimmkreis Roth dem Landtag angehörte. Insgesamt mehr als zwei Jahrzehnte lang hatte der Stimmkreis Roth neben dem direkt gewählten CSU-Abgeordneten auch einen SPD-Abgeordneten, der es über die mittelfränkische Liste ins Maximilianeum schaffte. Erst Günther Fichtner aus Roth (1982 bis 1990), dann Herbert Eckstein (1990 bis 1993) und schließlich Peter Hufe aus Hilpoltstein (1994 bis 2008).



? Wie ändert sich voraussichtlich die Zusammensetzung des Landtags?

Meinungsforscher gehen einhellig davon aus, dass ein Vier-Parteien-Parlament der Vergangenheit angehört, jüngere Umfragen sehen mindestens sechs, wenn nicht gar sieben Parteien im Maximilianeum. Die FDP dürfte den Wiedereinzug schaffen, auch die AfD entsendet wohl erstmals Abgeordnete. Chancen hat auch die Linkspartei, erstmals im bayerischen Landtag vertreten zu sein. Ob sechs oder sieben Parteien - die CSU, die bislang mit der absoluten Mehrheit der Sitze alleine regiert, wäre demnach auf einen Koalitionspartner angewiesen. 

Jochen Münch
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