Sonntag, 16. Dezember 2018
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Alfons Hutter ist ins katholische Pfarrhaus in Thalmässing gezogen

"Ich bin nicht der Pfarrer von Thalmässing"

erstellt am 06.12.2018 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 09.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Selbstbewusst und gelassen: Diesen Eindruck vermittelt Alfons Hutter, wenn er in seinem neuen Heim sitzt, seinen Kaffee umrührt und auf seinen neuen Lebensabschnitt blickt; auf die Dinge, die jetzt auf ihn zukommen, da er die Offizierschule in Fürstenfeldbruck verlassen hat.
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Ein Andenken an eine bewegende Begegnung hält Pfarrer Alfons Hutter noch heute in Ehren: Vor 33 Jahren schenkte Papst Johannes Paul II. dem jungen Geistlichen in Rom einen Rosenkranz.
Pfarrer Alfons Hutter
Luff
Und auf die letzten 17 Jahre, als er für die Militärseelsorge freigestellt war, sich in Mittenwald, in Amberg und zuletzt eben in Fürstenfeldbruck um Soldaten der Bundeswehr kümmerte, selbst im Auslandseinsatz in Afghanistan, im Kosovo und in Mali war. Pfarrer Hutter war außergewöhnlich lange Militärpfarrer - ab 2007 Militärdekan -, gewöhnlich sei die längste Zeit, die ein Geistlicher mit dieser Aufgabe betraut werde, zwölf Jahre, wie er sagt. Was er so nicht sagt: Offensichtlich hat er seine Aufgabe mehr als gut erfüllt, weshalb er sich nun vorwiegend um Militärpfarrer kümmern soll - eine ganz neu geschaffene Stelle. Drei Viertel seiner Zeit soll Hutter als Seelsorger für die Militärpfarrer in Deutschland investieren, lediglich ein Viertel in den Pfarrverband Heideck-Laibstadt-Liebenstadt-Thalmässing.

Für die katholische Gemeinde St. Peter und Paul in Thalmässing, die erst ihren eigenen Pfarrer verloren hat, dann auch den Kaplan, war die Nachricht im Sommer, dass wieder ein Pfarrer komme, so etwas wie ein Lottogewinn. Bei näherer Betrachtung stellt sich aber schnell heraus, dass es nicht unbedingt der Sechser mit Zusatzzahl ist, sondern vielleicht ein Fünfer. Was nicht unbedingt in der Person von Pfarrer Alfons Hutter begründet ist, als vielmehr an den Umständen. "Ich bin nicht der Pfarrer von Thalmässing", stellt Hutter deutlich heraus, "das werde ich auch betonen. "

Er sehe sich eher als Kooperator - "mir gefällt das Wort". Ein solcher wirkt, meist in jungen Jahren, unter der Leitung eines Pfarrers bei der Wahrnehmung des pastoralen Dienstes in einer Pfarrei mit. "Heideck ist und bleibt die Zentrale", sagt Hutter, "ich wohne halt zufällig hier. " Thalmässing sei ihm von Anfang an sehr sympathisch gewesen, doch das ändere nichts daran, dass für Taufen, Hochzeiten oder Firmungen erst einmal der Heidecker Pfarrer Josef Schierl zuständig sei. Er werde sich mit ihm am Anfang eines Monats zusammensetzen, um zu sehen, "was klappt, was klappt nicht". Welche Aufgaben der Pfarrer aus Thalmässing wahrnehmen könne - und zwar im gesamten Pfarrverband, also auch in Laibstadt oder Liebenstadt.

Denn als Seelsorger für die Seelsorger bei der Bundeswehr müsse er sich erst einmal ein Profil erarbeiten, sagt Hutter, so wolle er Deutschland quasi in vier Regionen aufteilen und diese einmal im Jahr besuchen. Oder in Hamburg und Hirschberg - hier war er vor 30 Jahren eine Weile Direktor des Exerzitienhauses - Einkehrtage für Militärgeistliche anbieten. Eine Fahrt nach Rostock hier, ein Abstecher nach Berlin dort, das kostet Zeit. "Wenn ich punktuell gebraucht werde und es leisten kann, dann mache ich es", sagt er über Verpflichtungen im heimischen Pfarrverband - "in Absprache mit dem Pfarrer. " Er müsse aber darauf achten, sich nicht allzu sehr einbinden zu lassen, wirbt Hutter um Verständnis.

Andererseits ist ihm klar, dass er auch an seinem neuen Wirkungsort, wenn er denn erst einmal die Menschen kennen gelernt hat, in der Pflicht stehen wird: "Seelsorge lässt sich nicht trennen", sagt Hutter. Umso mehr, weil er vorhat, länger in Thalmässing zu bleiben als zumindest seine beiden Vorgänger im Pfarrhaus: Kaplan Markus Müller und Pfarrer Michael Rasche. "Bis Mai 2023" sicher, sagt Hutter und lacht. Denn dann sei er 70 Jahre alt, dann erwarte ihn der Ruhestand.

So kommt der weit gereiste Mann am Ende seiner Berufslaufbahn in seinen Heimatlandkreis zurück: Alfons Hutter wurde in Wendelstein geboren, Landrat Eckstein kennt er noch von der Schulzeit auf dem Gymnasium. In den Landkreisnorden ist der Vater 1948 nach der Heirat gezogen, "eigentlich kommt er aus Röckenhofen - die ganze Familie ist aus Röckenhofen". Und der Großvater aus dem nahen Attenhofen.

Die Mentalität der Menschen in der Region ist Pfarrer Hutter also nicht fremd. Doch hat er im Lauf seines Lebens viele Menschen aus vielen Landstrichen kennen gelernt und sich auf sie eingestellt. Ein Vorteil in Thalmässing? Immerhin hat es zwischen den Schäfchen der kleinen, innovativen Landgemeinde und ihren Hirten zuletzt nicht immer ganz gepasst. Da lächelt Hutter milde. Großartige Probleme erwartet er nicht: "Ohne arrogant zu sein - dafür bin ich zu weit herumgefahren. " Er sei erfahrener als ein junger Kaplan, doch "jung geblieben im Denken, ich war immer mit jungen Leuten beieinander". Dass man Gottesdienste in unterschiedlichsten Formen feiern könne, sei für ihn "eine Selbstverständlichkeit", versichert er. Konservativ in klerikalem Sinn sei er nicht unbedingt, wenngleich: "Das Messgewand ist für mich etwas Bedeutsames. " Doch in erster Linie stelle er den Menschen ins Zentrum, "da habe ich dann 1000 Möglichkeiten, den Gottesdienst drum herumzubauen". So sei er auch in Bezug auf die Ökumene unkompliziert: "Bei der Bundeswehr wusste ich vielleicht von einem Zehntel die Konfession. "
Papst Johannes Paul II.  und Pfarrer Alfons Hutter
Papst Johannes Paul II. und Pfarrer Alfons Hutter
Schwarz-Weiß-Denken ist Hutters Sache nicht. Wenngleich er an eine Begegnung gerne zurückdenkt, die genau mit diesem Farbenspiel zu tun hatte. Vor 33 Jahren nämlich begegnete er Papst Johannes Paul II. in Rom, der sich sehr angetan zeigte vom jungen Priester, der nicht nur ganz in Schwarz gekleidet war, sondern mit schwarzem Vollbart beeindruckte. "So schwarze Bart", habe der Papst damals auf Deutsch zu ihm gesagt. "Ich war mit ihm zwei Minuten in seinem Arbeitszimmer allein", zeigt sich der Geistliche noch heute tief beeindruckt von dieser Begegnung. Johannes Paul II. habe ihm damals einen Rosenkranz geschenkt, den Pfarrer Hutter noch heute in Ehren hält.

Seine Predigten entwickle er gerne beim Spaziergang, erzählt Hutter. So ist er in seinen ersten Tagen fast zufällig am Weihnachtsmarkt und am nächsten Tag am Glühweinstand der Feuerwehr gelandet. Ohne Geld. Als er sagte, er komme nach dem Abendgottesdienst noch einmal vorbei, um den Glühwein zu bezahlen, winkten die Feuerwehrleute ab. Das sei jetzt etwas für die Faschingszeitung. Der Pfarrer nimmt derlei Dinge mit Humor; auch die Begebenheit in München, als eine Frau im Restaurant ein Autogramm von ihm wünschte. Sie bewundere ihn schon lange, sagte sie. Weil sie ihn für - den weitaus älteren - Mario Adorf hielt.

Eines der peinlichsten Erlebnisse seines Lebens, wie Hutter sagt, verbindet ihn übrigens mit seiner neuen Wahlheimat: Am 6. Dezember vor exakt 40 Jahren sei er aus dem Priesterseminar heraus abkommandiert worden zu Otto Blaha, dem ein Nikolaus zugesagt war. Für den Gottesdienst. Am Ende sollte er "als heiliger Bischof den Segen spenden" - Hutter schämte sich fast zu Tode. Heute ist er nicht der Einzige, der sich an diese Begebenheit erinnert. Bei einem Gottesdienste in Ohlangen sprach ihn kürzlich eine ältere Frau an: "Vor 40 Jahren waren Sie unser Nikolaus. "

Ehrenkreuz für Hutter

Thalmässing/Fürstenfeldbruck (pde/luf) Just bevor er nach Thalmässing gezogen ist, hat der Militärdekan Alfons Hutter das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold bekommen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen würdigte damit den Priester für seine herausragenden Dienste für die Bundeswehr. Die Auszeichnung nahm der Kommandeur der Offizierschule der Luftwaffe, General Michael Traut, in Fürstenfeldbruck vor.

Das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold wird in der Regel Soldaten verliehen, die sich in besonderer Weise durch treue Pflichterfüllung sowie durch herausragende Leistungen – nach einer Dienstzeit von 20 Jahren – und insbesondere durch hervorragende Einzeltaten ausgezeichnet haben. Nur im Ausnahmefall wird die Auszeichnung auch an zivile Personen oder Militärgeistliche verliehen.

Die Zeit als Seelsorger für die Soldaten hat Alfons Hutter gerade hinter sich gelassen, er bliebt dem Militärbereich aber verbunden. Denn für seine neue Aufgabe scheint der langjährige Militärpfarrer prädestiniert zu sein: Das Militärbischofsamt hat ihn dafür gewonnen, Ansprechpartner für die Militärseelsorger in ganz Deutschland zu sein. Er wird Seminare halten, zu Besprechungen fahren und auch als Seelsorger für Militärgeistliche agieren, die ihre Erlebnisse zu Hause verarbeiten haben. Drei Viertel von Hutters Arbeitszeit sind für diese Aufgaben vorgesehen.

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