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Mit 62 Jahren ist Peter Hufe jetzt Uniabsolvent und ermuntert andere, es ihm gleich zu tun

"Es ist nie zu spät"

Hilpoltstein
erstellt am 29.03.2017 um 18:03 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 10:24 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Färber, Hubschrauberpilot, Landtagsabgeordneter, Rundfunkrat und jetzt auch Ethnologe. Peter Hufe hat es geschafft und sein Studium mit Auszeichnung bestanden. Nun darf er sich Magister Artium nennen. Mit unserer Zeitung hat er übers späte Studieren gesprochen.
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Hilpoltstein: "Es ist nie zu spät"
Stolz auf seine Magisterarbeit und sein abgeschlossenes Studium ist der 62-jährige Hilpoltsteiner Peter Hufe. - Foto: Münch
Hilpoltstein

Der Wunsch zu lernen und damit später zu studieren, ist bei Peter Hufe mit Verspätung gekommen. Bei der Bundeswehr hatte der Färber zunächst seinen Realschulabschluss nachholen müssen, sonst wäre es nichts geworden mit dem Fliegen. "Ich habe erst bei der Bundeswehr das Lernen gelernt", sagt er heute. Viele Lehrgänge habe er da besucht, auch Sachen, die sonst keiner machen wollte. "Ich wollte mehr wissen, ich wollte einen Rahmen von der Welt." Die Saat war gesät und über das Telekolleg bildete sich der Hilpoltsteiner vom Niederrhein weiter.

Mit der Zeit sei dann der Wunsch stärker geworden, zu studieren. Dazu mussten aber noch ein paar Hürden überwunden werden. Weniger hohe, wie das Fachabitur, und hohe, wie die Zulassung für die Wunschstudiengänge. Denn mit dem Fachabitur habe er nicht das machen können, was er wollte, sagt Hufe. Eine Gesetzesänderung brachte die Lösung: mit genug Berufserfahrung konnte man das Fachabitur zur allgemeinen Hochschulereife upgraden, was im zweiten Anlauf klappte.

Ethnologie, Neuere Deutsche Literatur und Europäische Literatur, so die Kombination, die sich Hufe ausgesucht hatte. Dazu hatte er bereits als Gasthörer seine Erfahrung gesammelt. Ein ganz wichtiger Punkt, wie Hufe im Hinblick auf Menschen findet, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, im Alter zu studieren. "Man muss sich gut vorbereiten, genau überlegen, was ist das Richtige." Man müsse die Lernatmosphäre genossen haben, um sich den wissenschaftlichen Methoden zu nähern. Auch an der Volkshochschule gebe es Möglichkeiten, sich vorzubereiten. "Ich bin jetzt 62 - das neue 40 - es ist nie zu spät." Wobei Hufe ein richtiges Studium mit Scheinen, Seminaren - von denen er 19 gemacht hat - und Prüfungen einem Studium Generalis, was als Altersstudium auch eine Variante ist, vorzieht.

Allerdings wäre Hufes Plan, ein Magisterstudium zu machen, beinahe noch gescheitert. Als er nämlich an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München loslegen wollte, hatte die Unireform gerade die Magister geschluckt - und die neue zum Teil sehr verschulte Version wollte Hufe nicht. Es klappte dennoch, denn die LMU erkannte das Gastsemester an und so konnte Hufe im zweiten Semester des letzten Magisterstudienganges einsteigen.

Warum er kein allzu starkes Korsett haben wollte, wird deutlich, wenn man auf das breite Spektrum seiner Themen schaut. Da findet man Ästhetik: die wahrnehmbare Schönheit; ein Blockseminar afrikanische Filme; Indigene Kultur und deren Machtsymbole; alte Schmugglerpfade in der Steiermark; der unterschiedliche Umgang mit Transsexualität; die Lyrik Brechts; die Kulturgeschichte des Kaffees und es wurde die Sicht der Europäer auf Afrika untersucht.

Brecht wurde dann ebenso Prüfungsthema wie der Kaffee. Wofür es im Literaturnebenfach die 1,0 und in der europäischen Ethnologie die 2,0 gab. Für das Hauptfach rückte nach und nach Ruanda ins Blickfeld. Das von dem Völkermord an den Tutsi im Jahr 1994 gezeichnete Land hat Hufe auch besucht. Er war zum ersten nicht militärischen Kongress in dem Land eingeladen. Grund war nicht zuletzt sein Studium. Dabei ist Hufe im Übrigen auch auf eine Verbindung zu Nürnberg gestoßen - in Form des 1918 in Nürnberg gestorbenen Arztes und Afrikaforschers Richard Kandt. Der legte nämlich 1908 den Grundstein für die ruandische Hauptstadt Kigali. Kandt liegt auf dem Nürnberger Johannisfriedhof begraben.

Hufes Beitrag bei dem Symposium über "Nationbuilding-Prozesse im postgenozidalen Ruanda" setzte sich mit der Rolle von Symbolen wie Hymne oder Flagge, die zur Errichtung einer "Imagined community" führen, und der Rolle von Sport als nationales Identifikationsmerkmal auseinander. Deutschland sei hier Beispielgeber, denn "1954 war ein Erweckungserlebnis", sagt Hufe. Die es wohl braucht, denn die Geschichte zeigt, das gemeinsame Sprache und auch Religion in solchen Situationen nicht genügt.

Von diesem Vortrag zur Magisterarbeit war es dann nicht mehr weit, denn auch darin behandelt Hufe das neue Ruanda. Titel der Arbeit: "Fußball als Motor des Nationbuildung-Prozesses im postgenozidalen Ruanda." Wenn man bedenkt, dass das erste große Ereignis nach dem Völkermord eben ein Fußballspiel der verfeindeten Gruppen war, ist dieser Motor wohl auch mit ein paar Pferdestärken ausgestattet.

In der Summe hat Hufe sein Studium mit "gut" bestanden, was nun die Möglichkeit einer Promotion eröffnet. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch fortsetze. Die Promotion ist nicht ausgeschlossen."

Von Rainer Messingschlager
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