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Im 40-Minuten-Takt von Hilpoltstein nach Nürnberg Ulla Dietzel wirbt um Unterstützung der Politik

"Gredl" soll zur S-Bahn werden

Hilpoltstein
erstellt am 02.11.2016 um 18:57 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:33 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Alle 40 Minuten fährt ein Zug vom Bahnhof Hilpoltstein nach Nürnberg. Noch ist das ein Traum, 2030 soll er aber Wirklichkeit werden. Geht es nach dem Willen einer Hilpoltsteiner Verkehrsinitiative wird dann aus der Diesel-"Gredl" eine elektrische S-Bahn werden.
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Hilpoltstein: "Gredl" soll zur S-Bahn werden
Die S-Bahn soll die "Gredl" (vorne) ablösen, zumindest wünscht sich das ein rühriger Arbeitskreis aus Hilpoltstein. Was jetzt, wie hier am Bahnhof Roth, derzeit nur symbolisch der Fall ist, wird frühestens 2030 Wirklichkeit. - Foto: Messingschlager
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"Es ist ein langfristiges Projekt", räumt Ulla Dietzel ein. Unsinnig ist es aber keineswegs, findet die Vorsitzende des Hilpoltsteiner Arbeitskreises (AK) Verkehr. Würde man die Dieselloks der "Gredl" durch eine elektrische S-Bahn ersetzen, könnte es zwischen Hilpoltstein und Roth eine schnellere Verbindung geben, die vor allem wesentlich öfter verkehren würde als zurzeit. "Ein 40-Minuten-Takt ist realistisch", sagt Ulla Dietzel. Eine gute halbe Stunde würde im günstigsten Fall die Fahrt mit der S-Bahn nach Nürnberg dauern.

Und es gäbe viele weitere Vorteile. Die Fahrgastzahlen würden steigen, Eckersmühlen wäre besser angebunden, in Roth-Lohgarten könnte die Kreisstadt einen weiteren S-Bahnhof haben. "Es wäre eine Verbesserung für den ganzen südlichen Landkreis", sagt Dietzel. Vor allem Heideck und Thalmässing könnten mit dem Bus zum Bahnhof Hilpoltstein statt nach Allersberg fahren und damit vom kürzeren Takt der S-Bahn profitieren. Zudem wäre für Heidecker Pendler die Anbindung nach Roth und Schwabach besser. Selbst für Greding wäre eine Hilpoltsteiner S-Bahn attraktiv, sagt Dietzel. Denn die Anbindung an den Regionalexpress in Kinding sei schlecht, die Fahrt von dort aus nach Nürnberg teuer.

Doch das ist alles Zukunftsmusik. Frühestens 2030 könnten die ehrgeizigen Pläne umgesetzt werden, dann läuft der Verkehrsvertrag der "Gredl" aus. "Ein sportlicher Termin", räumt Dietzel ein. Mit vielen Hürden. Da die S-Bahn-Idee in Gesprächen mit Reiner Wagner und Peter Reinhard erst im März entwickelt worden ist, hat sie es nicht mehr in den aktuellen Verkehrswegeplan der Bundesregierung geschafft. Jetzt soll parteiübergreifend über Bundes- und Landtagsabgeordnete die nachträgliche Aufnahme in den Plan erreicht werden. Nur dann wäre die Finanzierung gesichert.

"Wir brauchen auch die Stadträte von Roth und Hilpoltstein", sagt Ulla Dietzel, die ja selbst für die CSU im Hilpoltsteiner Stadtrat sitzt. Demnächst sollen in beiden Gremien Grundsatzbeschlüsse gefasst werden. Bereits heute Abend befasst sich der Arbeitskreis Verkehr in Hilpoltstein mit dem Thema S-Bahn.

"Es muss von Roth und Hilpoltstein gewollt werden", sagt Dietzel. Auch vom Fahrgastverband Pro Bahn erhoffen sich die Streiter für die S-Bahn Unterstützung. Erste Sondierungsgespräche mit Bürgermeister Mahl und einer Vertreterin des Landratsamts gab es bereits Mitte April. Wichtig sind für Ulla Dietzel auch ausreichende Informationen für die betroffene Bevölkerung. "Der Bürger muss aufgeklärt werden, nur dann kann das Projekt auch funktionieren." Denn Lärmschutzwände und der Ausbau von Bahnhöfen könnten auch auf Widerstand stoßen. Da müsse man ehrlich mit den Leuten reden.

Mit der DB-Netz haben die Hilpoltsteiner Initiatoren in der vergangenen Woche bereits gesprochen. Die Signale des zuständigen Michael Kredel seien positiv gewesen, berichtet Dietzel. Allerdings ist die DB-Netz, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, nur für den Betrieb der Schienennetze zuständig, nicht für den Ausbau.

Weniger erfreulich fiel die Antwort der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) aus. Sie ist dem bayerischen Verkehrsministerium angegliedert und für die Bestellung der Züge verantwortlich. In einem Antwortschreiben der BEG vom 25. Juli ist von "kostspieligen Maßnahmen" im Falle eines Umbaus zur S-Bahn die Rede. "Somit sehen auch wir erst sehr langfristig reelle Chancen einer Verwirklichung der Elektrifizierung", teilt BEG-Geschäftsführer Johann Nigg mit. Außerdem verweist er auf die Zuständigkeit des Bundes. Der sei für die Infrastrukturmaßnahmen zuständig. Das Kostenargument lässt Ulla Dietzel nicht gelten. "Das ist billig im Vergleich zur zweiten Münchner Stammstrecke. Wir müssen als Region darum kämpfen, dass wir nicht abgehängt werden."

Bessere Nachrichten hat die BEG für Allersberg, wie sie im gleichen Schreiben mitteilt. Dort soll die neue S-Bahn-Linie S 5 werktags - außer am Vormittag - im Stundentakt fahren, ergänzt durch den Regionalexpress Nürnberg-Ingolstadt. Allerdings wird damit lediglich die frühere Streichung von zwölf Verbindungen des Regionalexpresses ausgeglichen. Und noch eine gute Nachricht für Allersberg: Die neue S-Bahn-Linie soll schon im Dezember 2018 in Betrieb gehen.

Von Robert Kofer
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