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Der Hilpoltsteiner Mittelständler LMT beleuchtet Flughäfen, U-Bahnen, Kirchen und Museen Neue Serie

Licht für die Welt

Hilpoltstein
erstellt am 11.04.2017 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 20.04.2017 um 10:26 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Was haben der Frankfurter Flughafen, die Berliner Museumsinsel, das Raumfahrtkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen und die Nürnberger U-Bahn gemeinsam? Das Licht des Hilpoltsteiner Mittelständlers LMT.
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Hilpoltstein: Licht für die Welt
Tobias und Mike Otterpohl führen seit 2011 die Firma LMT, die ihre Eltern vor 30 Jahren aufgebaut haben (links). Das mittelständische Unternehmen hat sich auf anspruchsvolle Großprojekte spezialisiert. Dazu werden neue LED-Strahlers entwickelt (rechts). - Fotos: Francisco Lopez
Hilpoltstein

"Wir machen das, was nicht jeder macht", sagte Elke Otterpohl. "Sonst könnten wir in Deutschland gar nicht überleben." Elke Otterpohl ist bei LMT zuständig für Marketing und Design. Außerdem ist sie mit Geschäftsführer Michael Otterpohl verheiratet. Ihr Bruder Bernd Benzinger ist zuständig für die Qualitätssicherung, Tobias Otterpohl ist Geschäftsführer Produktion. Ein Familienbetrieb also. 43 Mitarbeiter produzieren in der Hilpoltsteiner Dieselstraße Licht.

Zum Beispiel für den Frankfurter Flughafen. Für das im Sommer vergangenen Jahres modernisierte Terminal 1 konstruierte die LMT Leuchten+Metall Technik GmbH zwei Lichtbänder mit knapp einem Kilometer Länge und 120 000 LED-Leuchten. "Die Bögen waren die große Herausforderung", sagt Michael Otterpohl. "Das Lichtband sollte den Flügel eines Flugzeugs widerspiegeln." Mit rund zwei Millionen Euro Umsatz eines der "sehr, sehr großen Projekte", wie Michael Otterpohl sagt.

Jeder, der jetzt den Flughafen Frankfurt verlässt und zum Taxi oder auf den Parkplatz will, wird von den Lichtbögen geleitet. Reflektoren und Linsen verteilen das Licht ganz genau. Sensoren messen sogar die Lichtfarbe und stellen die LED-Leuchten entsprechend der Tageszeit ein. Nachts scheinen sie so warm wie Glühbirnen, tagsüber verbreiten sie 5000 Kelvin, eine Farbtemperatur, die Menschen als kalt empfinden. Entworfen hat das Lichtband der Nürnberger Produktdesigner Markus Bischof. "Da kann man keine Schema-F-Ware nehmen", sagt Elke Otterpohl.

"Wir haben uns auf Projekte spezialisiert und kein Projekt ist wie das andere", erklärt ihr Mann. Je anspruchsvoller, umso so besser. Man habe zwar auch schon für eine opulente Privatvilla eine persönlich zugeschnittene Lichtlösung für 70 000 Euro geliefert, aber das ist eher die Ausnahme. Privatkunden hat LMT nur selten. Spezielle Lösungen für spezielle Projekte, das ist das Firmenmotto. Wie zum Beispiel die Beleuchtung des Dresdener Kulturpalastes. 1969 am berühmten Altmarkt gebaut, wird der DDR-Bau seit 2013 saniert. Herzstück ist der neue Konzertsaal mit einer aufwendig gestalteten Gipsdecke. Die Leuchten dazu kommen aus Hilpoltstein. In 16 Tagen wird der Kulturpalast eröffnet.

Im Gegensatz zum neuen Berliner Flughafen, da steht die Eröffnung immer noch in den Sternen. Aber auch dafür hat LMT das Lichtsystem geliefert - rechtzeitig, wie Otterpohl betont. "Wir waren zum Eröffnungstermin fertig - zum ersten." Das war im Oktober 2011. Andere Projekte in der Hauptstadt liefen planmäßiger. Den Kolonnadenhof auf der Museumsinsel, immerhin Unesco-Weltkulturerbe, setzen LMT-Leuchten ins rechte Licht.

Profaner sind dagegen die etwa 20 U-Bahnhöfe in Nürnberg und Fürth, für die LMT die Lichtbänder geliefert hat. Auch Bahnhöfe der neuen Linie U 3 werden von LMT versorgt. "Wir beleuchten schon ganz viele U-Bahn-Stationen", sagt Elke Otterpohl - weltweit. Wie die Metro in Venezuelas Hauptstadt Caracas. "Riad", sagt Michael Otterpohl, sei das nächste U-Bahn-Projekt: 85 Stationen, 175 Kilometer Streckennetz, 17 Milliarden Euro Baukosten. 2019 soll die U-Bahn in Saudi-Arabiens Hauptstadt fahren. Da müsse man frühzeitig dabei sein, so Otterpohl.

Was Projekte angeht, denkt Otterpohl global, produktionstechnisch bevorzugt er eher das Lokale. "Wir beschäftigen gerne Mitarbeiter, die in unserer Gegend wohnen", sagt er. Auch wenn sie wie derzeit aus zehn verschiedenen Ländern stammen.

Seit 2011 führen Michael und Tobias die Firma, die ihre Eltern Heinz und Anni 1986 aufgebaut haben. In der Firma herrscht ein familiäres Klima. Sie beschäftigt drei Gehörlose, einer der beiden Auszubildenden ist Flüchtling aus Äthiopien, eine ist Umschülerin. Es gibt ein Sommerfest und LMT bietet Ausflüge zum Beispiel zum Frankfurter Flughafen an. Dort können die Mitarbeiter dann auch das Lichtband sehen, das sie produziert haben. "Wir wollen unseren Leuten auch ein Feedback geben", sagt Elke Otterpohl.

Nachhaltigkeit und Innovation sind der Familie wichtig. Der Strom für die Produktion kommt vom hauseigenen Solardach. Gerade wird eine neue energiesparende Laseranlage angeschafft, die Sozialräume werden umgebaut. LMT sucht Mitarbeiter. Für eine neu entwickelte LED-Langfeldleuchte namens VARYO hat LMT 250 000 Euro durch Crowdinvesting über das Onlineportal www.unternehmerich.de eingesammelt. Das macht sie unabhängiger von Banken. Die haben sich bei der Übernahme im Jahr 2011 nicht immer risikobereit gezeigt. Die Projektarbeit erschien ihnen nicht berechenbar genug. Inzwischen kommen viele Geldinstitute wieder auf LMT zu.

Von Robert Kofer
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