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Tankwart in Uniform

Hilpoltstein
erstellt am 12.03.2018 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 16.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Der Autohandel samt Tankstelle von Hermann Häckl und das Fuhrunternehmen von Franz Steib haben 1968 die Rother Straße geprägt. Der Schrottplatz am Fuhrweg ist noch heute eine letzte Ruhestätte - aber nicht mehr für Autos, sondern für Menschen.
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Der: Tankwart in Uniform
Autos und Motorräder hat die frühere Firma Auto Häckl in diesem Gebäude in der Rother Straße verkauft. Dazu gehörte zu dieser Zeit auch eine kleine Tankstelle. Heute hat dort die Firma Farben Pfaller ihren Sitz. - Foto: Bader
Hilpoltstein

Man könnte fast meinen, dass die Stadt Hilpoltstein vor 50 Jahren hauptsächlich aus Autowerkstätten und Tankstellen bestanden hat. Denn wie schon in der Allersberger Straße, die wir in der vergangenen Woche in unserer Serie betrachteten, drehte sich damals auch in der Rother Straße alles um die Mobilität.

Beim Blick auf unser heutiges Luftbild aus dem Jahr 1968, das einen Teil der Rother Straße zeigt, fällt sofort das markante Gebäude an der Ecke zum Fuhrweg auf. Hier, im jetzigen Haus der Firma Farben Pfaller, war vor einem halben Jahrhundert noch ein Autohandel samt Tankstelle zu finden. "Der Chef, Hermann Häckl, war mein Onkel und mein Taufpate", erzählt Edgar Häckl, der Besitzer des gleichnamigen Zweiradgeschäfts in der Hilpoltsteiner Marktstraße. "Ich habe damals ein paar Mal bei ihm als Lackierhelfer gearbeitet und erinnere mich noch sehr gut an den Betrieb", sagt er.

Das Gebäude wurde laut Edgar Häckl Anfang der 1950er-Jahre gebaut. "Dann ist die Autowerkstatt, die vorher in meinem Haus in der Marktstraße war, dort aus- und in die Rother Straße umgezogen." In dem Hauptgebäude waren damals eine Werkstatt, ein Büro und ein kleiner Ausstellungsraum untergebracht. "Das einen Showroom zu nennen, wäre übertrieben, denn da haben gerade mal zwei Autos hineingepasst", erinnert sich Häckl.

Größer war dagegen der Anbau auf der linken Seite, in dem der Platz sogar für Lastwagen reichte. "Hier hat mein Onkel Lkw repariert, im Hauptgebäude dagegen die normalen Autos", sagt Edgar Häckl. Auf der rechten Seite des langgestreckten Gebäudes gab es zudem eine der ersten Waschanlagen Hilpoltsteins. Versteckt hinter dem Hauptgebäude war die Lackiererei, in der Edgar Häckl einst gearbeitet hat. "Da war ich gerade einmal 18 Jahre alt", erinnert er sich.

Hinter diesem Gebäude gab es auf der anderen Straßenseite des Fuhrwegs einen kleinen Schrottplatz, auf dem viele ausrangierte Wagen standen. "Die etwas besseren, die Unfallautos und die Wagen zum Ausschlachten, standen dagegen meistens in der großen Halle, in der auch ausgebaute Ersatzteile gelagert wurden", sagt Edgar Häckl. Der Schrottplatz von früher ist heute ein Teil des Friedhofs. Hier sind unter anderem die Stelen für die Urnengräber zu finden.

Zwischen 15 und 20 Leute hätten damals bei der Firma Auto Häckl gearbeitet. "Zwei an der Tankstelle, das waren meistens Aushilfen, drei im Büro, dazu eine Frau im Verkauf und der Rest waren Meister und Gesellen, die repariert haben", erzählt Häckl. Mitte der 1980er-Jahre habe Hermann Häckls Sohn nur 300 Meter weiter ein wesentlich größeres Gebäude gebaut. "Allerdings konnte er sich dort nicht lange halten und machte schon kurz nach der Wende wieder zu", sagt Häckl.

Einer, der die Unternehmensgeschichten an der Rother Straße ganz genau kennt, ist Gottfried Gruber. "Damals waren die Tankwarte noch alle in Uniform", erinnert sich der langjährige Nachtwächter der Stadt Hilpoltstein, der noch heute direkt gegenüber der ehemaligen Firma Auto Häckl wohnt. Emmanuel Deck und Dieter Pahling standen damals meistens an den Zapfsäulen. "Zu dieser Zeit wurde man an der Tankstelle noch ganz selbstverständlich bedient", erinnert sich Gruber.

Verkauft hat Häckl bis Anfang der 60er-Jahre neben Motorrädern der Marken DKW und NSU vor allem viele DKW-Personenwagen. Das waren damals insbesondere DKW Junior und die Nachfolger F11 und F12, erinnert sich Gruber. Später sollten sie zur Serie F102 und schließlich unter dem Dach von Audi zum F103 werden. "Dazu kamen Messerschmitt-Roller, Goggomobile und in späteren Jahren auch noch Mercedes."

Hermann Häckl "hatte immer etliche Ausstellungsfahrzeuge da", sagt Gruber. "Die standen dann nicht nur auf seinem Firmengelände, weil er vor dem Gebäude gar nicht so viel Platz hatte, sondern auch auf unserer Straßenseite."

Das kleine Wohnhaus links neben Auto Häckl gehörte damals Franz Steib. Er betrieb ein Bus- und Lkw-Fuhrunternehmen, das zu einem Teil in der benachbarten langgezogenen Halle untergebracht war. Auf der gegenüberliegenden Seite des Fuhrwegs waren in dem späteren Mosthaus des Obst- und Gartenbauvereins die Büros der Firma Steib untergebracht. Auf der angrenzenden Fläche wurden in einer großen Halle und dem Platz davor die zahlreichen Busse und Lastwagen geparkt. Auf diesem Platz wird eine inzwischen erneuerte Halle seit einigen Jahren vom Hilpoltsteiner Segelverein genutzt.

In das große Gebäude neben Steibs Wohnhaus sollte schon wenige Monate nach der Aufnahme des Luftbilds die Firma Reifen Wagner einziehen, nämlich schon im Januar 1969. Auch heute ist hier noch ein Reifenservice zu finden.

"Neben dem Mosthaus gab es übrigens auch noch lange einen Erdbunker aus dem Zweiten Weltkrieg", erzählt Gottfried Gruber. "Das war für uns Kinder ein Eldorado."

Von Kai Bader
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