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Im jüngsten Heidecker Erzählcafé spielen Fotos aus Kindergarten- und Schulzeit große Rolle

Erinnerungen an die eigene Kindheit

Heideck
erstellt am 14.03.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 18.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Heideck (HK) Alte Fotos aus der Kindergarten- und der Schulzeit sind prädestiniert, Erinnerungen zu wecken. Das hat man auch im Heidecker Erzählcafé erkannt - und derartige Bilder auf die Agenda gesetzt. Erstmals fand das Erzählcafé unter der Leitung von Georg Hafner statt.
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Heideck: Erinnerungen an die eigene Kindheit
Bei der Hochzeit des ehemaligen Lehrers von Selingstadt, Michael Harrer, sind auch sämtliche Schüler von der ersten bis zur achten Klasse dabei, die gemeinsam unterrichtet wurden. - Foto: Pappenheimer
Heideck

Roland Schütz stellte 15 alte Fotos in einer Powerpoint-Präsentation den Besuchern vor. Er hatte eigens für diesen Nachmittag ihm überlassene Papierfotos eingescannt und versucht, die Namen der abgebildeten Mädchen und Buben zu ermitteln. Schütz machte deutlich, dass alte Fotos einen hohen emotionalen Wert hätten und als Zeitdokumente in unserer schnelllebigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewännen. So werde vor allem die eigene Vergangenheit aus der Kindergartenzeit, der Kommunion oder der Schulzeit wieder sichtbar. Es sei deshalb sehr wichtig, die analogen Fotos in das digitale Zeitalter hinüberzuretten.

Alle Besucher des Erzählcafés fühlten sich beim Betrachten der Bilder in die Vergangenheit entführt, denn die Bilder spiegeln auch den damaligen Zeitgeist und dokumentieren die Mode. Sobald ein Kindergartenbild oder Klassenfoto auf der Leinwand erschien, versuchten die meisten Anwesenden die Namen der abgebildeten Mädchen und Buben zu sagen. Es wurde fröhlich korrigiert oder ergänzt. Bei einigen Kindern war der Name jedoch niemandem mehr präsent. Inge Fürsich, Erika Österreicher, Karl Wechsler und Georg Hafner glänzten besonders durch ihre gute Namenskenntnis. Aus allen Bildern wurde deutlich, dass es auch einst "schöne Madel und Boum" gegeben hat.

Zu einem Kindergartenbild von 1941 stellte Karl Wechsler fest, dass man die Kinder damals nicht in den Kindergarten, sondern in die "Anstalt" geschickt hat. Anhand eines Bildes von 1953 wurde erzählt, dass sich der katholische Kindergarten im ehemaligen Kloster der Dillinger Schwestern befand - dort wo heute das Haus St. Benedikt steht. Im Hof sei der Spielplatz mit einem großen Sandkasten gewesen. Georg Hafner erzählte, dass man dort immer gerne im Sand gespielt hat. Streitereien blieben nicht aus. Wenn man gespuckt oder jemanden an den Haaren gezogen habe, folgte die Strafe auf dem Fuß. Dann habe die Klosterschwester bei einem besonders bösen Knaben schon mal einen Kehrbesen umgedreht und ein paarmal auf den Hintern geklopft.

Beliebt waren auch die Ausflüge zum Außenspielplatz in der Boint. Man erinnerte sich, dass im Kindergarten viel gebetet wurde. So begann der Kindergartentag mit einem Morgengebet. Nachmittags, wenn Kinder hinzukamen, wurde ebenso gebetet. Das Bild aus dem Jahr 1953 wurde von den Besuchern des Erzählcafés als besonders wertvoll empfunden, weil darauf viele Kinder abgebildet sind, die noch heute in Heideck oder der Region leben.

Zu den Bildern wurden auch einige Anekdoten erzählt. So erinnerte sich Helga Ebner, dass sie im Kindergarten einmal Friseur gespielt hat. Dabei habe sie Maria deren wunderschönen Zopf abgeschnitten - wofür sie anständig geschimpft wurde und ein Vaterunser beten musste.

Roland Schütz erzählte, dass er und Freunde nach der Schule gerne an der Sebastianskapelle Theater gespielt haben. Dann waren alle darauf bedacht, ihre Rollen so perfekt zu spielen, dass ein Spieler vergaß, aufs Klo zu gehen und er deshalb in die Hose machte.

Georg Hafner erzählte, dass in der Kindergartenzeit einige brave Kinder mit den Klosterschwestern nach Zell mit dem Leiterwagen fahren durften, um dort in der Bäckerei die Hostien für die Pfarrei Heideck zu holen. Diese wurden dort einst in der Hostienbäckerei mit ganz speziellen Hostieneisen gebacken. Der Ausflug nach Zell war für die ausgewählten Kinder immer ein tolles Erlebnis, weil man in Zell immer etwas Gutes zu essen bekam.

Roland Schütz' Ehefrau Helga hat in der Volksschule mit Erika Hohler vom Schloss Kreuth oft das Pausenbrot getauscht hat. Das Brot habe ihr besonders gut geschmeckt, weil es immer sehr dick mit Butter bestrichen war. Inge Fürsich erinnerte sich, dass man im Kindergarten oft "Fleckla zupfn" musste. Dazu mussten die Kinder aus Stofffleckchen, die mit einem Backstein beschwert wurden, Fäden ziehen. Diese Fäden wurden für das Füllen von Sofakissen an die Kleiderschneiderei im Gasthof Lindwurm weitergegeben.

Erika Pappenheimer hatte ein Bild von der Hochzeit des früheren Selingstädter Lehrers Michael Harrer mit seiner Frau Irmgard mitgebracht. Aus dieser Ehe seien die Kinder Michael, Norbert, Irmgard und Agathe hervorgegangen. Auf dem Bild sind alle Schülerinnen und Schüler der damaligen Klassen eins bis acht abgebildet, die seinerzeit in einer einzigen Klasse unterrichtet wurden. Sie erzählte, dass sie damals mit sechs Geschwistern in die Schule ging und nur ein Klassenzimmer mit einem Nebenraum zur Verfügung stand.

Interessant war ein Foto, auf dem alle ehemaligen Geistlichen und die Lehrkräfte der Volksschule Heideck abgebildet waren. Ein weiteres Bild zeigte 53 Kinder der ersten und zweiten Klasse (Geburtsjahrgänge 1934 bis 1936) mit der damaligen Lehrerin Deißböck, an die sich noch einige Besucher des Erzählcafés erinnern konnten. Auf anderen Bildern waren neben den Mädchen und Buben der frühere Heidecker Stadtpfarrer Gloß und die Klosterschwestern Bonaventura und Coletta zu sehen. Auch der beliebte Lehrer Josef Carl Grund, der auch ein erfolgreicher deutscher Schriftsteller war, der vor allem im Bereich der Jugendliteratur bekannt wurde, war auf einem Bild von 1951 mit den Schülern der damaligen dritten und vierten Klasse abgebildet.

Georg Hafner bedankte sich abschließend bei Roland Schütz für die hervorragende und aufwendige Präsentation der historischen Fotos. Er wies darauf hin, dass die Bilder gesammelt und später in einem weiteren Buch über die Heidecker Erzählungen veröffentlicht werden sollten. Dazu wäre es auch wichtig, die Namen aller abgebildeten Mädchen und Buben noch herauszubringen.

Das nächste Erzählcafé findet am Donnerstag, 12. April, ab 14.30 Uhr im Bürgersaal des Rathauses statt. Als Thema haben die Organisatoren gewählt: "Ehemalige Handwerker und Geschäfte."

Von Maximilian Peschke
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