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Ein echter Geheimtipp in Nürnberg ist der "Markt für schöne Dinge" im Stadtmuseum Fembohaus

Handgemachte Kostbarkeiten

Nürnberg
erstellt am 07.12.2018 um 17:28 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Nürnberg (HK) Das Christkind steht bald vor der Tür. Und mit ihm die Frage nach den passenden Geschenken für die Liebsten. Wer stilvoll seine Einkäufe erledigen will, sollte dem "Markt für schöne Dinge" im Nürnberger Stadtmuseum Fembohaus einen Besuch abstatten.
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Elfriede und Otto Ziegler aus Roth präsentieren beim ?Markt für schöne Dinge? im Nürnberger Stadtmuseum Fembohaus ihre edlen Rauschgoldengel im Vestibül mit der prächtigen Barockdecke.
Elfriede und Otto Ziegler aus Roth präsentieren beim "Markt für schöne Dinge" im Nürnberger Stadtmuseum Fembohaus ihre edlen Rauschgoldengel im Vestibül mit der prächtigen Barockdecke.
Pelke
Nürnberg
Hier einen Rauschgoldengel, dort eine Perlenkette: Liebhaber zeitgenössischen Kunsthandwerks kommen derzeit im Nürnberger Fembohaus auf ihre Kosten. "Die Künstler präsentieren Außergewöhnliches, Einzigartiges, Charmantes und Stilvolles", erklärt Birgit Fernengel, die den "Markt für schöne Dinge" unter der Überschrift "Kunst und Handwerk" auf die Beine gestellt hat. Die Bandbreite reiche von handgemachten Kostbarkeiten bis zu edlen Schmuckkreationen. "Den besonderen Reiz macht der persönliche Kontakt der Besucher zu den Künstlern aus", findet Birgit Fernengel und steigt die geschwungene Holztreppe in den erste Stock.

Im prächtigen Barockvestibül befindet sich derweil Otto Ziegler im Gespräch mit der höflichen Kundschaft. "Es gibt nur noch ganz wenige alte Rauschgoldengel", erklärt der 86-jährige Künstler aus Roth. Die meisten Rauschgoldengel hätten die letzten Bombenangriffe im Krieg nicht überlebt. "Ich verwende für meine Rauschgoldengel nur ganz alte und ausgesuchte Porzellanköpfe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts", sagt Ziegler und zeigt auf die fein gezeichneten Puppenköpfe.

Das goldene Gewand der Engelsfigur fertigt er aus leonischen Borten. "Rund 40 Stunden brauche ich für einen Engel", sagt Ziegler und erklärt damit den relativ hohen Preis von rund 200 Euro. "Früher wurden die Rauschgoldengel vererbt. Ich würde gerne mehr Engel herstellen, aber ich bekomme kaum noch die passenden Köpfe her", ärgert sich der Künstler.

Die Rauschgoldengel seien seit dem 16. Jahrhundert eine kostbare Spezialität des Nürnberger Kunsthandwerks gewesen, so Ziegler. Hier produzierten die Messingschläger das dünne Messingblech, das für die Herstellung der Engel entscheidend ist. Auch vom Typus weise der Nürnberger Rauschgoldengel einige Besonderheiten auf. Der echte Engel aus Nürnberg sei "kein lustig dahinfliegender" Engel, der die Weihnachtsbotschaft verkündet. Der echte Rauschgoldengel aus Nürnberg trage eine strenge und stolze Haltung zur Schau. Mit seiner geschmückten Kronenhaube und dem fein plissierten goldenen Rock erinnere er an die Festtracht reicher Patriziermädchen aus Nürnberg. Und noch eine Besonderheit würden die einheimischen Engel aufweisen. "Der Nürnberger Rauschgoldengel hat keine Arme und Beine. Dafür besitzt er zwei ausgebreitete goldene Flügel, die fast bis zum Boden reichen", erklärt der Künstler erstaunten Kunden.

Nebenan geht es nicht weniger prächtig zu. Hier stellt Christine Rettinger ihre Schmuckkreationen aus. "Ich mache Schmuck, wie er mir gefällt", sagt die Künstlerin aus Nürnberg. "Das Ambiente hier im Fembohaus ist einzigartig. Jeder Raum strahlt eine andere Stimmung aus. Der Glanz des Hauses wertet auch meine Produkte total auf", sagt die Nürnbergerin sicher und legt einer Dame aus Fernost ein Geschmeide ans Herz. "Diese Kette kostet zum Beispiel genau 260 Euro. Aber billiger kann ich es nicht machen. Zum Glück gibt es noch Leute, die hochwertiges Kunsthandwerk schätzen", freut sich Christine Rettinger und zeigt auf die vielen Menschen, die im Stadtmuseum Fembohaus schon zur Eröffnung am Donnerstag die Arbeiten der 41 Kunsthandwerker mit glänzenden Augen betrachten.

"Ich freue mich, dass ich so viele tolle Künstler aus der Region gefunden habe", sagt Birgit Fernengel, die Organisatorin des Marktes, der 1978 zum ersten Mal vor genau 40 Jahren stattgefunden hat und heute jünger und eleganter denn je daher kommt.

Die schönen Dinge

  • Beim "Markt für schöne Dinge" im edlen Ambiente des Fembohauses erwartet den Besucher bis zum 16. Dezember stilvolles Kunsthandwerk. Letzteres hat allerdings durchaus seinen Preis.
 
  • Wer den Markt besuchen will, muss den verminderten Eintritt im Stadtmuseum in Höhe von drei Euro entrichten. Die Ausstellungsbereiche sind neben dem Markt ebenfalls geöffnet.
 
  • An den Sonntagen gibt es von 13 bis 17 Uhr eine Bastelwerkstatt mit Kinderbetreuung im Fembohaus. npe
Nikolas Pelke
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