Greding: Freunde der Windkraft geben nicht auf
Es wird allmählich duster, wenn es um die Windkraft im Landkreis geht: Bei Ruppmannsburg stehen mehrere Windräder jenseits der Landkreisgrenze, auf dem Hofberg sollen nach derzeitigem Stand keine errichtet werden. Damit wollen sich das Energiebündel und der Projektierer noch nicht ganz abfinden - Foto: Luff
Der Gredinger Stadtrat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich dagegen ausgesprochen, dass die Fläche auf diesem sogenannten Zeugenberg als Vorrang- oder auch nur Vorbehaltsfläche ausgewiesen wird. Von dieser Entscheidung sei man völlig überrascht worden, sagt Stefan Paulus, der Projektleiter Bayern des Projektierers Juwi. Bis zu dieser Entscheidung sei er immer davon ausgegangen, dass die Stadt hinter den anvisierten vier Windrädern auf dem Hofberg stehe, immerhin pflege man seit fast zwei Jahren den gegenseitigen Austausch. Den Stimmungswandel führt Paulus darauf zurück, dass Bürger wie Ratsmitglieder noch zu wenig Informationen über das Vorhaben hätten.
 
Dem trat das Unternehmen im Verbund mit dem Energiebündel Roth-Schwabach am Dienstagabend mit einer Informationsveranstaltung in Greding entgegen – mit enttäuschender Resonanz. Knapp 20 Leute wollten sich die Vorträge anhören, Mitglieder des Stadtrats waren nicht darunter.

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Den engagierten Vorträgen von Werner Emmer, dem Vorsitzenden des Energiebündels, und Paulus war zu entnehmen, dass es sich bei ihnen um echte Überzeugungstäter handelt. Doch setzten sie vor allem auf eine Karte, die gewöhnlich am meisten zieht: Geld. „Können wir es uns leisten, dieses Potenzial nicht zu nutzen“, fragte Paulus in die Runde. Der Hofberg sei im Landkreis Roth ein Premiumstandort für Windkraft, profitieren könnten Kommune und Bürger gleichermaßen. Und die WTD 81 habe außerdem ihr Einverständnis gegeben.

Hermann Lorenz, beim Energiebündel für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, unterlegte die Aussagen mit Zahlen: Rechne man den durchschnittlichen Energieverbrauch jedes Bürgers in harte Währung um, so stehe am Ende eine Wertschöpfung von sieben Millionen Euro für Greding. Im Jahr. Denn pro Einwohner sei es nötig, für 7000 Euro Energie von den großen Konzernen zu kaufen. Bei einem Bürgerprojekt bleibe dieses Geld im lokalen Wirtschaftskreislauf.

Hinzu kämen Aufträge für nahe Handwerksbetriebe, Arbeitsplätze und dadurch eine steigende Kaufkraft in der Gemeinde. Die Kommune selbst könnte demnach von den höheren Einkommenssteuern profitieren, zusätzlich über die Gewerbesteuer, die die vier Windräder abwerfen. Nicht in den ersten zehn Jahren, räumte Paulus auf Nachfrage eines Zuhörers ein, denn dann werde die Investition abgeschrieben. Aber bei einer Lebensdauer von mindestens 20 Jahren würden die vier Räder in der zweiten Dekade insgesamt eine Million Euro in den Stadtsäckel spülen. Der Investitionssumme von 24 Millionen stünden 53 Millionen Euro gegenüber, die die vier Windräder direkt oder indirekt an Geldrückfluss für die Gemeinde in den 20 Jahren erbrächten.

Und jeder, der wolle, sitze mit im Boot, warben die Fürsprecher für die Bürger-Windräder. Mit 500 Euro sei man dabei. Denn mit diesem Betrag könne man Mitglied der Genossenschaft des Energiebündels werden. Der Windpark würde in der Organisationsform einer GmbH & Co KG betrieben, die Genossenschaft trete als einer der Kommanditisten auf. Das könnten auch Privatleute aus der Region tun. Überdies wären die Geldinstitute vor Ort als Kreditgeber dabei. Er habe mit Sparkasse und Raiffeisenbank gesprochen, sagte Emmer, „die sind sehr interessiert und würden einsteigen“. Stadtwerke aus dem Umland hätten auch schon nachgefragt.

Hilft aber alles nichts, wie ein Zuhörer anmerkte. Die Entscheidung des Stadtrats sei gefallen. „Wie gehen Sie jetzt weiter vor“, fragte er die Referenten. Die setzen weiterhin auf die Karte Hofberg: „Wir sprechen noch einmal mit der Gemeinde“, sagte Stefan Paulus, „vielleicht ändert sich der gemeindliche Wille ja doch noch.“ Vor allem, wenn die Stadtväter sähen, dass rundherum gute, ertragreiche Geschäfte mit der Windkraft gemacht würden – etwa in Berching. Klagen werde man sicher nicht gegen den Regionalplan, das widerspreche der Philosophie seines Unternehmens. Er bedauere, dass die Gründe der Ablehnung nicht bekannt seien – Gutachten sprächen eine andere Sprache als der Stadtrat.