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Mit der Gredinger Apostelkirche ist vor einem halben Jahrhundert ein ganz besonderes Gotteshaus entstanden

Herzstück und Heimat

Greding
erstellt am 11.09.2017 um 14:01 Uhr
aktualisiert am 14.09.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Greding (HK) 50 Jahre beträgt zwar das sprichwörtliche „halbe Menschenleben“, für ein Gotteshaus aber ist es ein doch eher geringes Alter. Es war aber nicht nur die Seltenheit eines solchen Großereignisses, dass die Gläubigen 1967 über den Neubau der evangelischen Apostelkirche in Greding jubeln ließ.
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Festakt Jubiläum 50 Jahre evangelische Apostelkirche
Leykamm, J�¼rgen, Weimersheim
Greding

Denn auch baulich stellt sie eine Besonderheit dar. Nun durfte das goldene Jubiläum gefeiert werden, bei dem sich auch das Architektenehepaar von damals einfand. Schon zu Beginn des Festakts am Samstag mit knapp 130 Gästen trat der ganz eigene Charme des Gebäudes zutage. Die gereichten Sektgläser etwa passten wunderbar in die Bankhalterungen für die Gesangbücher, zu denen sich die Gefäße ganz selbstverständlich gesellten. Auch die Bistrotische mit Salzgebäck mitten im Kirchenraum wirkten nicht blasphemisch. Im Gegenteil: Das darüber schwebende Holzkreuz ließ an das Bibelwort denken: Kommt und schmeckt, wie freundlich der Herr ist. Das eigentliche Gemeindefest mit noch mehr Speis und Trank fände aber am Sonntag statt, wenn sich die Einweihung auf den Tag genau zum 50sten Mal jähre, wie Pfarrer Rudolf Hackner verkündete. Er und Frank Zimmer betreuen zwei Thalmässinger Pfarreien mit insgesamt zehn Kirchen, von denen der Jubilar die Jüngste darstelle, so Zimmer. Die Apostelkirche sei „mit viel Herzblut erbaut worden“, wie er betonte, die Gemeindeglieder könnten „wahrlich stolz auf sie sein“.

Er verlas zugleich das Grußwort von Dekanin Ingrid Gottwald-Weber, die dafür in den Annalen geblättert hatte. Sie berichten davon, dass schon 1920 eigens ein Acker als Grundstück für eine neu zu bauende Kirche erworben wurde. Es folgten unentwegt Sammlungen für das Projekt. Durch die Ansiedlung der Wehrtechnischen Dienststelle 81 erlebte es dann großen Auftrieb, da sich im Zuge dessen zahlreiche evangelische Christen in Greding ansiedelten. 1964 fiel hier der Startschuss für eine eigene Kirchengemeinde, drei Jahre später wurde die Einweihung der Apostelkirche gefeiert. Ihrem Namen gemäß hat sie einen zwölfeckigen Grundriss, worauf die Dekanin ebenso verwies.

Zur Erinnerung an das Jubiläum bedachte Zimmer seinen Kollegen Hackner mit einer Geldspende für einen Rosenstock, der im Außenbereich angepflanzt werden soll. Gesunden missionarischen Eifer ließ in seinem Grußwort Landrat Herbert Eckstein erkennen. Beim Bau vor 50 Jahren habe Euphorie geherrscht. Ergäbe sich für Gläubige in der Diaspora heutzutage eine ähnliche Gelegenheit, „wäre die Situation wohl eine andere – wir verbreiten die Frohbotschaft nicht mehr weiter!“ So entstehe ein Vakuum, dass andere Götter füllten, so der Landrat, für den jede Kirche ein Ruhepol darstelle und der persönlich Halt im Glauben im findet, wie er sagte. Aber gerade die Diaspora wie die der evangelischen Christen in Greding oder der Katholiken in Thalmässing habe auch ihren Charme. Denn dann „kommt es auf jeden Einzelnen an“.

Festakt Jubiläum 50 Jahre evangelische Apostelkirche
Leykamm, J�¼rgen, Weimersheim
Greding

Für die Stadt gratulierte Stadtratsmitglied Gert Sorgatz zum Jubiläum und bescheinigte der evangelischen Gemeinde bedeutende gesellschaftliche Funktion. Er selbst habe als Präparand vom Bau der neuen Kirche erfahren – als krasser Gegensatz zur den geschichtsträchtigen Gotteshäusern im weiten Umfeld. Gerne blickt auch das Münchner Architekten-Ehepaar Ingrid und Georg Küttinger auf den Bau „eines unserer Herzstücke“ zurück. Ingrid Küttinger bescheinigte den Gläubigen „einen sensiblen Umgang“ mit Gebäude und Inventar, was davon zeuge, dass das Konzept richtig gewesen sei. Man setzte auf Holz und Naturstein als Hauptmaterialien und „die runde Stadtmauer hat uns ermuntert, auch rund zu werden.“ Es handle sich um einen der ersten Zentralräume innerhalb der bayerischen Landeskirche. Besonderer Hingucker ihrer Diaschau war jene Aufnahme, die das Aufsetzen des Daches in Form eines riesigen Speichenrades zeigt. Auch Paramente hatte Küttinger seinerzeit eigens genäht, die aber plötzlich nicht mehr zum Einsatz kamen.

Darüber konnte einer der ehemaligen Pfarrer aufklären: Eberhard Hütting, der von 1974 bis 1978 hier wirkte. Damals drohte die Rückgabe nicht verwendeter Fördergelder, was den Anlass bot, sie stattdessen eben doch noch zu verwenden. Sie wurden unter anderem in neue Paramente, Pflasterungen, Gesangbücher und eine Schiebeleiter für den Turm investiert. Nachfolger Winfried Buchhold (bis 1990) erinnerte sich daran, dass er gerade aufgrund der zentralen Form hier gelernt habe, frei zu predigen. Und sich mancher peinlichen Situation zu stellen: Mal fehlte beim Abendmahl zur Osternacht der Wein, nach langer Kunstpause habe Mesnerin Ingrid Breuer dann mit dem vertrauten Knarzen des Korkenziehers für Erleichterung gesorgt. Genau diese Geschichte habe er dann bei einer Trauung erzählt – um die Zeit zu überbrücken, die es brauchte, die Stammbücher aus dem unter der Kirche befindlichen Gemeinderaum zu holen. Warum das Gotteshaus selbst so ein starkes Geborgenheitsgefühl vermittle, verriet dann Buchholds Nachfolger Gottfried Stark (bis 2001). Die Machart erinnere den Besucher nämlich an den Mutterleib.

Festakt Jubiläum 50 Jahre evangelische Apostelkirche
Leykamm, J�¼rgen, Weimersheim
Greding

Auf jeden Fall aber stelle die Apostelkirche eine Heimat für die Gläubigen dar, von der aus in eine „mit verschiedenen Fragezeichen versehenen Gesellschaft“ hineingewirkt werden könne, so der katholische Kaplan Dominik Pillmayer. Susanna Korber vom Kirchenvorstand erinnerte sich an viele persönliche Erlebnisse, die sie mit der Apostelkirche verbindet, in einem Film kamen noch weitere Gemeindeglieder zu Wort. Dabei wurde auch der Wunsch nach stärkerer Jugendarbeit deutlich. Für musikalische Umrahmung sorgten zwei Amberger: der Trompeter Franz Badura sowie der gebürtige Gredinger Bernhard Müllers, der als katholischer Organist früher hier üben durfte.

Von Jürgen Leykamm
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